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"In China gab's wirklich etwas"

Unlängst hatte ich die Möglichkeit, Steve Rogers zu interviewen. Rogers ist bei Google verantwortlich für die Consumer-Sparte für EMEA – also Europe Middle East and Africa. Rogers war auf Einladung der Creative Industries Styria in Graz.

Wo, außer im Kleingedruckten kann der Nutzer erfahren, was Google mit seinen Daten macht und wie lange die gespeichert werden?
STEVE ROGERS: Wenn Sie einen Account bei Google haben, können Sie unter google.com/dashboard buchstäblich alles nachverfolgen. Sie können sehen, welche Daten für welchen Dienst wir gespeichert haben. Dort sehen Sie auch, wonach Sie schon gesucht haben oder welche Produkte Sie nutzen.

Kann man sich darauf verlassen, dass das auch alles stimmt?
ROGERS: Ja absolut.

Das ist zwar schon etwas, kann aber noch nicht alles sein, wenn es um die Privatsphäre geht, oder?
ROGERS: Nein, natürlich nicht. Wir gehen im Laufe dieses Jahres und darüber hinaus einige Projekte an, die die Privatsphäre der Nutzer erhöhen. Aber Details kann ich dazu noch keine nennen.

Google hat unbestritten einiges unternommen. Warum haben Sie den, eine „Datenkrake“ zu sein? Wie wollen Sie diesen Ruf los werden?
ROGERS: Es wird schwer werden, diesen Ruf los zu werden. Wenn eine Firma größer wird, wird sie als undurchsichtig gesehen. Wir versuchen, aber so transparent zu sein, wenn es um die Daten der Nutzer geht. Wir wollen den Leuten auch helfen, ihre Daten bei uns zu löschen oder sie zu anderen Diensten mitzunehmen (www.dataliberation.org, Anm.).

Es gibt auch Ängste, dass Dritte an Nutzerdaten von Google kommen. Das war eine der Befürchtungen bei den chinesischen Hacker-Attacken unlängst. Wie begegnet man dem?
ROGERS: Bitte um Verständnis, dazu darf ich nichts sagen.

Lassen Sie mich anders fragen: War es nur ein öffentlichkeitswirksames Statement, dass Sie China verlassen wollen oder war da wirklich mehr?
ROGERS: Es war wirklich etwas, aber ich darf das nicht weiter kommentieren.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg meinte unlängst, dass es so etwas wie absolute Privatsphäre nicht mehr gibt. Stimmen Sie dem zu?
ROGERS: Je mehr die Leute online sind, umso eher wollen sie auch Daten, Fotos oder Erinnerungen mit anderen teilen. Ich meine, man hat die Möglichkeit, seine Privatsphäre absolut zu schützen. Aber es wird schwerer, Teil der Online-Welt zu sein und dennoch absolute Privatsphäre zu haben.

Ein anderer Prominenter der Technik-Welt, Steve Jobs, meinte unlängst, dass das „Tu nichts Schlechts“-Mantra von Google „Bullshit“ sei. Ist das so?
ROGERS: Überhaupt nicht! Das ist absolut unser Leitsatz. Ich bin noch nicht lange bei Google und bin überrascht, wie das bis ins Mark dieser Firma stimmt.

Bleiben wir bei Apple. Die Liebe zwischen Apple und Google scheint nicht mehr so heiß zu sein, wie zu Zeiten als Google-Chef Eric Schmidt im Aufsichtsrat von Apple saß. Kann das etwas mit Googles Android-Handy-Betriebssystem zu tun haben?
ROGERS: (lacht) Interessante Frage. Ich weiß nicht, warum Eric nicht mehr Aufsichtsrat von Apple ist. Klar sind Andorid und das Nexus One Konkurrenten von Apple. Aber gleichzeitig arbeiten wir mit Apple sehr eng zusammen. Das ist normal im Geschäft – mit einigen Firmen ist man im Wettbewerb, mit anderen arbeitet man zusammen und wieder mit anderen ist man sowohl Konkurrent als auch in Kooperation.

Wenn man sich die Betriebssysteme anschaut, die Google in der letzten Zeit vorgestellt hat, drängt sich eine Frage auf, was für Google wichtiger sei – der Verkauf von Anzeigen oder Microsoft im Kerngeschäft anzugreifen?
ROGERS: Das wichtigste überhaupt ist es, praktische Dienste für unsere Nutzer zu erstellen. Wenn diese direkt mit Microsoft konkurrieren, soll das so sein. Aber es ist keine Absicht dahinter, Microsoft weh zu tun.

Marktbeobachter rechnen damit, dass schon heuer die meisten Smartphones mit Android-Betriebssystem laufen. Ist Google hier schon Nummer eins?
ROGERS: Mir fehlen da die Zahlen, aber ich will es schon hoffen, dass wir hier erfolgreich sind. Unser Geschäft hier wächst sehr rasch. Wir haben auch eine ganze Menge an Anwendungen verfügbar für Android. Ja, es schaut gut für uns aus.

Ortsbezogene Dienste scheinen das „nächste große Ding“ zu sein. Anders als Google scheinen aber zwei winzige Start-ups (Gowalla und Foursquare) aus dem Silicon Valley die Nase vorne zu haben. Stört Sie das?
ROGERS: Es schadet nie, kleine Start-ups zu haben, die technisch vorne sind. Es ist gut, dass es kleine Firmen gibt, die die Branche ein wenig aufmischen. Ortsbezogene Dienste werden wirklich immer wichtiger und weiter verbreitet. Wir haben aber auch einige Dienste in diese Richtung. Wie etwa Goggles, das mit Hilfe vom Ort und der Kamera Objekte erkennt und die Suche unterstützt.

Apple stellte letzte Woche den iPad vor. Es könnte auch ein Tablet mit Google-System geben. Apple verkauft nun doch keine Zeitungen und Magazine. Wann beginnt Google damit?
ROGERS: Ob Google tatsächlich so etwas verkaufen wird, ist offen. Ein Tablet mit Google-Betriebssystem ist absolut möglich. Es gibt keinen Grund, warum jemand so etwas nicht entwickeln könnte.

Und man könnte sie mit Googles Bezahldienst Checkout bezahlen?
ROGERS: Absolut und sie könnten zu Google Books gehen.

Die Verleger im deutschen Sprachraum sind aus einer Reihe von Gründen sauer auf Google. Ein Grund ist der Mangel an Transparenz bei der Verteilung der Werbegelder. Verstehen Sie, dass die Undurchsichtigkeit sie sauer macht?
ROGERS: Ich verstehe hier den Frust der Verleger. So wie ich das sehe, sind die spezifischen Aufteilungen Verhandlungssache mit jedem einzelnen Kunden und Verleger. Daher sind diese Zahlen nicht öffentlich. Genau wie ich den Frust verstehe, frage ich mich, warum es in der Vergangenheit nicht offen war. Transparenz ist immer eine gute Sache und ich bin froh, dass es hier bald auch eine Lösung geben wird.

Ich habe eine Website und unlängst einen Gutschein bekommen, um Werbung auf Google zu schalten. Wer bezahlte dafür? Andere Website-Betreiber?
ROGERS: Wir bezahlen das. Und das ist genauso wie jede andere Werbemaßnahme eines jeden anderen Unternehmens Teil der Kalkulation. Dafür kommen auch neue Werbekunden dazu.

Wann haben Sie das letzte Mal auf eine Anzeige geklickt?
ROGERS: Das war gestern.

Was war’s?
ROGERS: Es hatte irgendetwas mit Österreich zu tun. Stimmt: Mit meinem kommenden Schiurlaub in Tirol.

Verstehen Sie die Nutzer, die nie auf Anzeigen klicken oder die nicht einmal mehr sehen?
ROGERS: (lacht) Ich kann Ihnen nur raten, öfters drauf zu klicken. Wenn Sie die Klickraten ansehen, werden sie von wenigen Prozent der Leute geklickt. Aber auch andere Anzeigen haben einen recht geringen Rücklauf.

Vielen Europäern ist unwohl dabei, wenn sich ein Gutteil des kulturellen Erbes wie Bücher in Händen eines großen Konzerns befindet. Wie begegnen Sie solchen Ängsten?
ROGERS: Ich sehe darin kein Problem. Wir interpretieren diese Werke nicht, sondern machen sie nur zugänglich. Und das sollte eigentlich im Sinne der Leute sein. Wir haben sehr viele Aktivitäten in ganz Europa und so gibt es genügend Leute im Konzern, die die kulturellen Eigenheiten Europas sehr gut verstehen.

Apropos Google Books: Was wäre wenn ich ganze Bibliotheken einfach einscannen und erste später um Erlaubnis fragen würde? Gibt es nicht einen Unterschied zwischen kleinen Bürgern, denen bald einmal Copyright-Verletzungen vorgeworfen werden, und mächtigen Konzernen?
ROGERS: Ich weiß nicht, ob ich das beantworten kann. Aber alle, die in das Projekt involviert waren, haben alles getan, um sicherzustellen, dass alles legal war. Und alles ging mit den besten Intentionen vonstatten.

Ihre Sicht auf das Internet in zwei oder gar fünf Jahren … Wie wird es aussehen?
ROGERS: Das ist eines der Themen des Kongresses der Creative Industries Styria, für die ich in Graz bin. Es wird immer mehr Daten und Wissen im Internet geben. Gleichzeitig wird dieses Wissen immer vernetzter. Die größte Veränderung dabei bringt der Kontext mit. Das Netz wird unsere Festplatte, wo alle Daten gespeichert werden. Wichtiger werden der Ortsbezug und unsere ganz individuellen Verbindungen mit unseren Freunden. Dabei wird allerdings auch der Schutz der Privatsphäre immer wichtiger.

Die Verbindungen werden auch immer besser.
ROGERS: Ja, weil immer mehr Verbindungen automatisch entstehen. Dafür braucht es aber auch mehr Verständnis für Privatsphäre und granularer Einstellmöglichkeiten. Ist beides nicht vorhanden, blockiert sich das Internet selbst in seiner Entwicklung.

Und wo sehen Sie Google? Mit dem Bücherdienst, Lernvideos auf YouTube und vielem mehr, könnte es auch bald eine Google-University geben. Wo sehen Sie Google in fünf Jahren?
ROGERS: Fünf Jahre ist ein weiter Weg. Üblicherweise planen wir sechs Monate bis ein Jahr im Voraus. Google-Produkte werden immer praktischer, aber auch immer mehr untereinander vernetzt.

ZUR PERSON:

Steve Rogers, geboren am 20. Jänner 1961 in Longfield, England.
Nach dem Studium an der Coventry University war Rogers von 1989 bis 1996 bei Philips in Wien tätig. Dort arbeitete an der Bedienerführung von Videorekordern. Danach ging er ins Silicon Valley, war später Entwicklungschef bei der BBC und Leiter für digitale Dienste bei der British Telecom. Seit August 2008 ist er Europachef von Google und hier insbesonders fürs Endkundengeschäft zuständig.

Georg am e_day 2010

e_day-LogoAm vergangenen Samstag durfte ich im Rahmen des e_day 2010 an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt zwei Sessions halten.

Hier die beiden Prezis und die wichtigsten Links zu den Diensten/Sites:

Workshop Cloud Computing

Links:

„Das Web 2010“ im Rahmen der Keynote

Links:

Wollen Sie mich zu einem Vortrag einladen oder brauchen Sie Beratung im Bereich Technik, Web und Social Media? Auf dieser Website finden Sie meine Kontaktdetails. Ich freue mich drauf!

Make it free, earn money

Ich schau mir gerade eines der wohl größten Internet-Ereignisse an: Das Konzert von U2 in der Rose Bowl in Los Angeles. Die Qualität des 1 Megabit-Streams ist großartig.

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Ich bin schon gespannt auf die Statistiken danach. Ich schätze Mal, dass hier Millionen zugeschaut haben. 1 Million x 1 Megabit/s = ein bissi viel Bandbreite. Die Kosten der Übertragung für YouTube müssen enorm gewesen sein.

Doch Events wie diese sind nicht nur für wahre Fans großartig. Sie verändern auch Geschäftsmodelle und ganze Branchen nachhaltig. Warum? Weil damit der Beweis angetreten wird, dass GRATIS zum Geschäftsmodell wird.

Gib etwas umsonst her und mache damit Geschäft – nichts klingt absurder. Aber: Ich hab mir grad zwei Live-DVDs bestellt. Gut 50 Euro Umsatz, die sonst nicht passiert wären.

Geschäftsmodelle wandeln sich auch bei mir:

  • Auf diesem Blog schreibe ich kostenlos, bekomme aber auch viele Tipps für das, was ich in Print gegen Entgelt schreibe. Und nebenbei lerne ich hier viel über den Aufbau von Communities, für das andere viel Geld ausgeben müssen.
  • Auf diesem Blog gibt es allgemeine Tipps zu Technik, Web und Netzkultur. Spezifisches Consulting mache ich auch – allerdings nur gegen Bezahlung.
  • Ich organisiere Mini-Events for free und bekomme so hin und wieder Aufträge, um vor größeren Communities (das nächste Mal an den Cable Days in Salzburg) aufzutreten.
  • Ich gebe hin und wieder gerne Radiointerviews, was sich auf Messen getan hat. Das mache ich ohne Entgelt, erhöht jedoch meine Bekanntheit, was wiederum zu anderen Geschäften führt.

Kostenloses Audiobook als Tipp

Alles ist im Wandel. Wie lange gibt es das Web? 20 Jahre? Was hat sich nicht alles in dieser relativ kurzen Zeitspanne verändert? Welche Geschäftsmodelle sind schon auf den Kopf gestellt worden? Das U2-Konzert ist nur eines von vielen Beispielen, wie aus Geschenken gute Geschäfte werden.

Viele weitere Beispiele gibt es im Buch von Chris Anderson „Free Kostenlos – Geschäftsmodelle für die Herausforderungen des Internets“ (Amazon-Link).

Noch mal ausgeschrieben: Jedes digitale Geschäft wird irgendwann einmal Gratis werden? Dazu müssen sich allerdings die Geschäftsmodelle ändern.

Und wie es sich für die Internet-Gesellschaft gehört, gibt es auch ein Hörbuch dazu. Konsequenterweise bietet Anderson die volle Länge des Audiobuchs kostenlos an.

Kreativität statt Geld

Das im August 2004 gegründete Projekt OpenStreetMap (OSM) wird schon sehr bald alte Geschäftsmodelle kippen und all jenen neue Geschftsmodelle eröffnen, die gute Ideen haben. Grenzen werden heutzutage nicht durch finanzielle Potenz sondern durch die Kreativität abgesteckt. Alles, was wir uns vorstellen können, wird passieren.

Keine Lizenzkosten zahlen zu müssen ist nur ein Vorteil. Oft ist spezialisiertes Kartenmaterial gar nicht oder nicht aktuell verfügbar. Mit OSM könnte man jede Karte tagesaktuell erstellen und in den eigenen Dienst einbinden.

Schon jetzt gibt es eine Reihe von Städten, die komplett abgebildet sind. Es ist anzunehmen, dass zumindest Europa in den zwei oder drei Jahren selbst ländliche Gegenden vollständig erfasst sein wird.

Ist das der Fall, wird den Hobby-Geografen sicher nicht langweilig. Dann wird eben alles noch genauer und noch umfangreicher. Man braucht nur den „Wettbewerb“ zwischen Wikipedia und den Enzyklopädie-Verlagen anzuschauen, um eines zu wissen: Die Daten OSM werden mit jedem Tag dichter und umfangreicher als jedes kommerzielle Kartenmaterial!

Weil jeder die Karten individuell erstellen kann, ist ein weiterer Trend absehbar: Es wird viele Spezialkarten geben. Wie wäre es mit einer Tourismuskarte nur mit Fußwegen, Pubs, Restaurants (ohne Fastfood), Hotels und Sehenswürdigkeiten? Oder eine Fahrradkarte, die Tankstellen weglässt? Alles machbar, alles möglich. Was könnte man damit anstellen?

1. Karten fürs Navi schon jetzt!

oregon Eine Nona-Anwendung. Aber ist es wirklich so „normal“, jederzeit hoch detaillierte und tagesaktuelle Karten mit dabei zu haben? Ich hab mir unlängst ein Garmin Oregon 300 gekauft. Das Outdoor-Navi hat viele tolle Eigenschaften – die entscheidende davon ist, dass man OSM-Karten auf den Oregon laden zu kann.

Klar, Garmin hat eher Interesse daran, eigene Karten oft und für viel Geld zu verkaufen. Dennoch ist jemand dahinter gekommen, wie das Image-Format aussehen muss, damit die Geräte damit umgehen können. Die Folge ist, dass es kostenlos gigabyte-weise Karten von der ganzen Welt gibt, die wöchentlich aktualisiert werden.

Und wer sagt, dass in Zukunft alle Navis von Garmin oder TomTom kommen müssen? Die Materialkosten belaufen sich auf geschätzte 20 bis 50 Euro. Worauf es dann noch ankommt ist, wie gut die Entwickler die Software im Griff haben. Vielleicht gibt’s ja bald ein OpenSource-Galileo-Android-OSM-Navi, das alle Stücke spielt und weniger als 100 Euro kostet.

Hier ein Beispiel mit zwei Karten, die auf meinem Oregon drauf sind: Links die (noch fehlerhafte) OSM-Karte von Klagenfurt, rechts jene von London. Die London-Karte hätte noch mehr Details als hier in der vorletzten Zoomstufe angezeigt.

osm-vergleich

Selbst auf der noch unreifen Klagenfurt-Karte findet man sich zurecht und kann navigieren. Letzteres wird allerdings erst dann in vollem Umfang möglich sein, wenn auch Adressen (mit Hausnummern) verortet sein werden.

2. Mobil und offline

Im Tourismus sind Handy-Applikationen, die auf Online-Karten zurück greifen wegen hoher Roamingkosten nicht dienlich. Die Karten aus dem Google Maps-Control lassen sich aber nicht cachen. Derzeit bleibt nur eines: Das Material bei den großen Inhaltsanbietern teuer zu kaufen. Das macht Apps nicht nur teuer sondern unmöglich, weil oft ein hoher Sockelbetrag fällig wird.

Am iPhone gibt es daher bereits einige Anwendungen, die OSM-Material gut nutzen: Roadee oder OffMaps sind nur zwei Beispiele, die ich installiert habe.

2. Freiheit für Mashups:

So mancher fragt sich, warum OSM auch für Webdienste wichtig sein wird. Ganz einfach: Weil man sich auf Google nicht verlassen kann. Der Internet-Konzern hat nichts zu verschenken und was passiert, wenn auf den Karten einmal neben dem Mashup-Content auch Anzeigen auftauchen?

Zudem ist man sowohl bei Google als auch bei Microsofts Bing-Maps an Limits gebunden. Wer sehr schnell sehr erfolgreich wird, muss zahlen. Anders bei OpenStreetMap, deren Karten zwar keine Orthofotos bieten, dafür aber ohne Einschränkungen und in allen denkbaren Varianten kostenlos zu nutzen sind.

In diesem Punkt ist auch Unternehmenssoftware gemeint. Speziell CRM-Software oder Sharepoint-Lösungen greifen oft auf Karten von Google oder Microsoft zurück. Hier wäre Werbung tatsächlich tödlich.

3. Spiele

Auch Computerspiele könnten OSM nutzen und tun dies auch. Beispiel X-Plane: Der Flugsimulator wurde bis zur Version 9 immer dafür kritisiert, dass sein Terrain in Europa wenig realistisch ist.

Nun soll OSM einspringen und Städte nachzeichnen und Wald-/Grünflächen realistisch abbilden. Das Flugvergnügen wird realistischer – beispielsweise wenn jemand auf die Idee kommt und Straßenlaternen in Stadtflächen zu simulieren. Und vielleicht lernt OSM ja einmal, wie Häuser dreidimensional in die Höhe wachsen.

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Und wenn man über OSM-Karten fliegen kann, dann könnte man auf deren Straßen auch Hotels bauen. Wie wäre es denn, wenn Monopoly nicht nur mit Google Maps zu spielen wäre …

4. Prompte Dienstleistungen

Wir alle kennen das: Ein Urlauber kommt zum Concierge oder zur Touristeninformation und fragt nach einem Ort. Die Auskunftsperson kritzelt etwas auf eine Karte und reißt diese dann vom Block ab. Der Kartenverlag verdient kräftig mit, die Anzeigen am Plan sind beliebig und starr.

(c) Renaissance Zurich Hotel

Wie wäre es, wenn man dem Gast eine Karte in seiner Landessprache mit speziellen anderen Orten und mit gezielten Anzeigen „on the fly“ ausdrucken könnte? Geht alles und kostet nur die Tinte im Drucker – mit OSM.

5. Öffentliche Daten

Enorme Kosteneinsparungen würden sich auch für die Tourismusvereine ergeben. Die bezahlen derzeit noch viel Geld für gedrucktes Universal-Kartenmaterial. Weil häufig die Gemeinden oder Länder hinter den Tourismusvereinen stehen, würde sich der Steuerzahler viel Geld ersparen.

Eigentlich wäre es toll, wenn die öffentliche Hand ihre Daten der Community geben würde. In einzelnen Bereichen passiert das auch schon – nur könnte es immer mehr sein.

Die öffentliche Hand profitiert schon jetzt von den Daten. Zwar wird es noch länger dauern, bis die Scheu vor offenen Karten weicht und E-Government-Dienste darauf basieren werden. Aber „einfache“ Dienste wie die Schadstoffdatenbank des deutschen Umweltbundesamt basiert bereits auf den offenen Karten.

OSM-Mapping-Party

In diesem Zusammenhang möchte ich nochmals kurz auf die OSM-Mapping-Party verweisen. Am kommenden Samstag, 24. Oktober 2009, treffen wir uns unter Führung und Anleitung der FH-Kärnten um 09:00 Uhr in Reifnitz. Weitere Details dazu auf meinem Weblog und per Facebook-Event.

Für Grundrechte muss man kämpfen

Als ich noch einen Fernseher hatte, war 3Sat einer meiner Lieblingssender. Schön, dass es einige Sendungen – darunter auch 3Sat Neues auch als Podcast gibt. In der letzten Sendung ging es um weltweite Netzsperren. Wer glaubt, dass nur Schurkenstaaten das Netz zensieren, täuscht. Selbst in demokratischen Ländern Europas ist es an der Tagesordnung, dass unliebige Websites blockiert werden.

Da tröstet es einen wenig, wenn Österreichs Justizministerin jüngst zurück ruderte und sich nun nicht mehr für Netzsperren auszusprechen scheint.

Für Grundrechte und gegen staatliche Zensur muss man kämpfen. Jeden Tag aufs Neue …

Zur Relevanz bei Twitter

Die „Attention Economy“ zeigt im Twitter-Zeitalter immer gröbere Auswüchse. Mehr theoretische „Eyeballs“ bedeuten nicht gleich höhere Relevanz. Mehr Twitter-Follower ist nicht zwangsläufig besser. Das Reichweitendenken kommt von traditionellen Medien und hat im Social Media-Bereich eine weit geringere Bedeutung. Vielmehr kommt es auf die richten Augen und Ohren an.

Die Zahlen-Hascherei geht mir ebenso auf die Nerven wie die Zwangsbeglückung von irgendwelchen Empfehlungen (siehe auch Janas Blogeintrag und mein Kommentar dazu). Was bringt es mir, von Leuten wie diesen „gefollowed“ zu werden?

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Gar nichts und den Followern noch weniger, weil sie – so sie überhaupt mitlesen – oft nicht einmal Deutsch verstehen. Also hab ich mir heute gedacht, ich blocke solche Super-Sammler ab jetzt einfach. Das kostete mir zwar 30 bis 40 Follower, dafür ist die Zahl meiner momentan 820 Twitter-Follower, ein klein wenig ehrlicher.

Es ist ohnehin schon so, dass nicht alle lesen, was man schreibt. Höchstens ein Viertel bis ein Drittel meiner Follower (bei optimistischer Sicht der Dinge) wird etwa das hier lesen.

Was zählt, ist Relevanz

Ich schau etwa jeden zweiten Tag auf meine Feedburner-Statistiken, freue mich über neue Follower bei Twitter und auch darüber, wenn das eine oder andere meiner Bilder auf Flickr die 100- oder 200-View-Marke durchbricht. Es ist mir wichtig, möglichst viele Nutzer ich erreichen kann. Wäre das nicht der Fall, würde ich meine Gedanken auf Post-its schreiben und danach wegwerfen. Twitter ist für mich ein guter Hebel, um die Verbreitung von Inhalten ein wenig anzutauchen.

Wann ist jemand relevant?

Wenn er seine Zielgruppe erreichen kann. Dank Longtail kann ein Bienenzüchter mit 20 Lesern relevanter sein als ein Tech-Schreiber wie ich mit heute 708 RSS-Abonnenten am Blog und 818 Twitter-Followern.

„In seiner Zielgruppe“ kann auch eine geografische Bedeutung haben. Ich bin wäre lieber im deutschen Sprachraum und noch lieber in Süd- und Westösterreich (wo ich auch für die Kleine Zeitung und TT schreibe) relevanter. Follower aus dem Silicon Valley, den Bahamas oder Fiji bringen mir null.

Letzte Woche sah ich einen Tweet von @d_wittenbrink, der die Frage stellte, ob er denn auf Deutsch oder Englisch twittern sollte.

d_wittenbrink

Ohne nachzudenken, schrieb ich zurück: „Mach’s auf Deutsch, dann bist du hier relevant und nicht irgendwo!“ Hätte aber auch sein können, dass er Twitter und Blogs zum Englisch-Lernen nutzen wollte.

Wer ständig auf Englisch twittert (Denglisch jetzt ausgenommen) oder bloggt, hat leicht mehr Follower, weil es eine universelle Sprache und somit auch hier verständlich ist. Allerdings verteilen sich die Leser auf die ganze Welt. Man ist überall ein bisschen relevant, aber nirgends wirklich. Solche Nutzer erreichen viele und gleichzeitig doch niemanden.

Wer deutsch schreibt, hat garantiert weniger Mitleser, allerdings sind die meist relevanter. Mehr ist nicht automatisch besser.

Welche Twitter-User sind in Ö relevant?

Schwer zu sagen, vermutlich müsste man die Frage ausdehnen: Welche österreichischen Twitter-User sind im deutschsprachigem Raum relevant? Ein Blick auf twittercharts.at kann nur bedingt eine Antwort geben. Hier meine – rein subjektive – Hitliste:

  1. Armin Wolf (twittercharts.at: 7)
  2. Reporter ohne Grenzen (14)
  3. Robert Misik (15)

Diese Liste basiert auf Follower-Zahlen von Twitter-Nutzern bei twittercharts.at, die größtenteils auf Deutsch zwitschern. Hab mir stichprobenartig bei der Nummer eins auch die Follower angeschaut. Weil diese zum überwiegenden Teil aus Übersee kommen, wird es wenig bringen, wenn @lookcook auf Deutsch seine Rezepte los wird …

Wem folge ich?
Fast jedem deutschsprachigem Nutzer, der mir folgt. Allerdings schaue ich immer, woher der Nutzer kommt und ob es ein krasses Missverhältnis von Followern zu Following gibt. Ich folge zudem den wenigen Kärntnern, auch wenn diese über Katzenfutter schreiben und ein paar US-Nutzern, die gute Inhalte schnell liefern.

Mit 810:820 ist das ein ganz ausgewogenes Verhältnis. Freilich kann ich nicht alles lesen, was alle anderen schreiben. Aber vielen zu folgen, hat ein paar entscheidende Vorteile: Man kann jederzeit (irgendwo beim Warten am iPhone oder Nebenher in der arbeit) reinschauen und findet immer Skurilles, Lesenswertes und Interessantes.

Was meint ihr?

Das Ende der CeBIT?

Dass die Cebit keine Gadget-Messe und erst recht keinen Consumer-Fokus hat, wurde heuer eindrucksvoll bewiesen. Also ich habe mit ganz wenigen Ausnahmen wie dem Asus eeeKeyboardPC keine Produktankündigungen gesehen, das eine Berichterstattung in breiten Medien rechtfertigen würden. Oder liege ich da falsch?

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Unter cebit.de/highlights finden sich für mich keine Highlights und selbst der Cebit-Ticker von Heise ist erschreckend leer. Wo sind die Zeiten hin, wo man unbedingt (als Student sogar im Bus von Klagenfurt!) nach Hannover fahren MUSSTE, um Neues zu entdecken?

Die Cebit hat’s generell schwer. Relativ knapp vorher findet der Mobile World Congress, die CES und (heuer zum letzten Mal mit Apple-Beteiligung) die Macword statt. Wenn die Aussteller wenig Zeitungstaugliches vorstellen, wird eben weniger darüber berichtet.

Dazu kommen Schwerpunkte, die keine sind, nur am Rande stattfinden oder nicht entsprechend aufgemacht werden (Webciety), die Weltwirtschaftskrise und das Internet. Letzteres hat die Informationsbeschaffung und deren Bekanntmachung so enorm vereinfacht, dass der Sinn von Messen in Frage gestellt werden muss.

Der dramatische Aussteller-Schwund (4300 bedeuten minus 25 Prozent) könnte nachhaltig sein. Warum? Wenn der Umsatz und der Auftragseingang auch ohne Messe-Teilnahme weiter passabel ist, könnte der Rotstift dauerhaft bei den Messekosten angesetzt werden. Ähnliches kann man auch bei Werbeeinschaltungen in Zeitungen verfolgen.

Ist das das Ende der Cebit, wie wir sie kennen? Freilich, ich war nicht dort – aber: Ist mir etwas entgangen?

Nichts ist spannender als die Zukunft

Ich denke gerne über die Zukunft nach und überleg mir, wohin die Reise so geht. Natürlich gebe ich gerne auch mein Wissen weiter – würde ich das nicht tun wollen, wäre ich wohl extrem falsch in meinem Job.

Eben hielt ich für das Ländliche FörderInstitut in der Steiermark (LFI) eine Präsenation nach dem Motto: „Nicht ist spannender als die Zukunft“. Passend zum Thema, wählte ich Prezi, um meine erste Präsentation damit überhaupt zu machen.

Aller Anfang damit ist schwer – das große weiße Blatt schreckt doch ein wenig mehr ab, als ein Blatt Papier, wo „nur“ Text rauf muss. Aber dann ging’s wieder. Danke an Max, der mir das Tool am BarCamp Klagenfurt zeigte.

Einfach klicken und mit der Tab-Taste weiter gehen. Nicht schimpfen – zwischenzeitlich kann einem schwindlich werden. Die zu vielen Drehungen sind derweil noch ein „Bug“ von Prezi. Und perfekt bin ich damit auch noch lange nicht.

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Hab ich was vergessen? Feedback?

Derweil ist Prezi übrigens in einer private Beta. Hat ein paar Tage gedauert, nachdem ich eine Einladung bekommen habe. Aber nicht verzagen!

Prezi ist ein Wahnsinn

Am Dienstag bin ich eingeladen, einen Vortrag über die Zukunft zu halten. Der Haken: Wie bereits mehrmals erwähnt, hasse ich Powerpoint-Präsentationen. Doch seit einiger Zeit gibt es was Neues: prezi.com. Im Vergleich dazu sieht selbst Keynote von Apple alt aus!

Prezi läuft voll als Flash-Anwendung im Browser, die fertige Präsentation kann als Offline-Variante herunter geladen werden. Es entstammt einem ungarischen Start-up und ist eine vollkommen neue Art des Präsentierens. Anstatt vieler Slides, hat man lediglich ein großes Blatt. Hier ein paar – allerdings nicht gute – Impressionen davon:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=W_NOowgToDI[/youtube]

Prezi.com ist derweil noch in einer Private Beta, Bewerbungen um einen Invite werden allerdings recht flott – in etwa 2-3 Tagen – behandelt.

Mein Tipp: Unbedingt anmelden und ausprobieren. Auch wenn der Dienst später was kosten wird, jeder Cent lohnt sich. So hebt man sich gewaltig von den Slide-Wechslern ab!

Und es würde mich rein gar nicht wundern, wenn Prezi schon vor der Umsetzung des Geschäftsmodells verkauft wird.

Die wohl erfolgreichste Website

Würden Sie auf dieser Seite werben? Die Antwort ist einfach: Derzeit wohl nicht – es gibt ohnehin kein Platzerl mehr.

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Warum dies gerade jetzt so viele Politiker machen, hat einen Grund: Es muss die erfolgreichste Website aller Zeiten und des Universums sein. Auf www.blitzlicht.at befinden sich laut eigenen Angaben 482.060 Partyfotos von verschiedensten Events in Kärnten. Warum diese Seite so erfolgreich ist? Partyfotos mag ein jeder und geklickt wird rund um die Uhr.

Die Zahlen sind aber imposant. Alleine im Februar hatte die Site bis dato (25.2.) laut dem Zähler auf der Site 973.964  Besucher. Stimmt: Besucher, nicht Besuche oder Seitenaufrufe. Besucher! Ungläubig, wie ich bin, habe ich mir gemeinsam mit Gerald Bäck die Besucherzahlen einmal näher und über einen längeren Zeitraum angeschaut. Ich habe darauf hin meine Beobachtungen in Excel analysiert. Hier das Diagramm der neue Unique Visitors pro Stunde.

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Interessant ist:

  • Selbst in der Nacht gibt es noch immer einen stündlichen Zuwachs von zumindest 1000 Besuchern.
  • Der Wochentag macht keinen Unterschied – eigentlich untypisch für Partyfoto-Sites, die typischerweise ihren Peak am oder kurz nach den Wochenenden haben.
  • 973.964  Besucher sind beachtlich für eine Website, die fast ausschießlich Kärntner Inhalte hat. Und Kärnten hat eine Bevölkerung von aktuell 561.075 Einwohnern. Freilich: im Internet kann jeder von überall auf jede Website zugreifen kann! Bei der Erstellung des Inhalts und der Suchmaschinenoptimierung kann man sich hier etwas abschauen!
  • Außerdem beweist die Site, wie extrem ungenau Alexa ist. Mein Blog hat nämlich deutlich bessere Werte.

Die Seite hängt schon jetzt (drei Tage vor Monatsende) sogar einige der zugkräftigsten Websites Österreichs ab. Einige Beispiele gefällig? Die jeweiligen Zahlen anderer Websites stammen aus der Österreichischen Werbeanalyse (ÖWA), Jänner 2009.

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Eingangs hatte ich gemeint, ich verstünde all jene die hier werben. Würde ich wo Ads schalten, ich würde das dann doch lieber bei einer Site machen, deren Daten ich vertrauen kann. Nicht, dass man Blitzlicht unseriös halte oder denen nicht trauen würde …  aber dennoch halte ich Angebote, die sich der ÖWA-Kontrolle unterwerfen seriöser.