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Die Euro2008, mein Blog und das iPhone-Gate

Drei kurze Updates:

Gerhard Zöchmann hat noch einen Bug im Euro2008-Spielplan ausgebessert. Jetzt sollte er in der Version 1.2 fehlerfrei sein. Danke nochmals!!

Der Spielplan kann natürlich weiterverwendet werden, denn er ist – wie auch der Rest meines Blogs – unter CreativeCommons (BY,NC) lizenziert.

Ich bin in letzter Zeit ein wenig blogfaul und daran wird sich in den nächsten Wochen nicht viel ändern. Mir steht die Arbeit bis über den Kopf und ich weiß im Moment gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich kann derzeit einfach nicht mehr.

ABER: Es gibt Updates, schließlich bin ich twitter-geil. Was immer ich für interessant finde, twittere ich. Wer will, kann mich also „verfolgen“ 🙂 twitter.com/georgholzer

Und schlussendlich: Das iPhone-Gate!

Das nachstehende Foto zeigt den „hippen“ Österreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer mit seinem iPhone am Donnerstag, 13. März 2008 am Flughafen in Brüssel. Es erschien am Freitag, 14. März in der Kleinen Zeitung. Mir ist es gar nicht aufgefallen, aber dann hat Thomas Sommeregger eine berechtigte Frage gestellt: Woher hat der Kanzler sein iPhone?

Der Kanzler und sein iPhone (c) APA/Holzner, Quelle: epaper der Kleinen Zeitung, Montage: Thomas Sommeregger

In Österreich war es erst einen Tag nach dieser Aufnahme erhältlich. Das ließe folgende Möglichkeiten offen:

  • Der Kanzler ließ es sich aus den USA importieren. Frage: Hat er Zoll und Einfuhr-Umsatzsteuer bezahlt? Wer hat es ihm aufgesperrt?
  • Der Kanzler bekam es vorab von T-Mobile. Keine unheikle Angelegenheit in Österreich, denn in der Vergangenheit waren derlei Politikerprivilegien stets ein gröberes Streitthema. Gerade die Kanzlerpartei SPÖ wetterte gegen den ehemaligen Finanzminister Karlheinz Grassers und seine Flugmeilen-Upgrades. Erst unlängst war der Kanzler selbst von einem privaten Business-Class-Upgrad-Skandälchen betroffen.
  • Der Kanzler telefonierte mit einem ausländischen Mobilfunkvertrag, der Steuerzahler muss auch innerhalb Österreichs teure Roamingkosten bezahlen. Wenig wahrscheinlich.

Auch wenn es wichtigere Dinge gibt, über die man reden/diskutieren sollte, aber die Causa ist spannend.

Zwei Updates

Euro-Spielplan:
Vor einiger Zeit habe ich mein umfangreiches Halbwissen als Excel-Anwender hergenommen und einen WM-Spielplan aus dem Jahr 2006 für die Euro 2008 adaptiert. Nunja, mein Halbwissen hat nicht gereicht, es gab ein paar Fehler drinnen.

euro-neu

Einer meiner Leser, Gerhard Zöchmann aus Wien, hat sich die Sache angeschaut und mir letzte Woche eine reparierte Version zurück geschickt. Danke für die Mühen! Die will ich euch nicht vorenthalten, schließlich ist es Österreichs einzige Chance auf den (virtuellen) Titel.

Download: Euro-Spielplan v 1.1

Lessig kandidiert nicht:
Erst ein paar Tage ist es her, dass ich hier drüber geschrieben habe, Larry Lessig könnte für den Congress kandidieren. Gestern hat er abgewunken. Aber seht selbst:

Larry Lessig, Politik und Transparenz im Web

Kärnten ist einer der lebenswertesten Flecken der Welt. So richtig wohlfühlen kann man sich hier (wie bestimmt auch andernorts) aber nur, wenn man die unglaublich schlechte Politik aller Parteien aus dem eigenen Mindset verdrängt. Ein Freund der täglich mit Politik zu tun hat, meinte einmal: „Ich kann an manchen Tagen gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte“. Treffender könnte man es nicht formulieren.

Mit Begeisterung hörte ich am Mittelcamp eine Präsentation von Antonio Bonanno(Blog) über OpenGov. Die Idee dahinter ist es, ultimative Transparenz in die Politik zu bringen. Der Bürger und Steuerzahler habe schließlich ein Recht,

  • zu erfahren, wie auch noch der letzte Steuercent ausgegeben wird.
  • zu wissen, von welchen Lobby-Gruppen er Geld bekommt und wer Parteien finanziert.
  • auf schonungslose Offenheit seiner Regierung.
  • auf Zugang zu allen öffentlichen Daten. Diese müssen in jedem Detail und in einer leicht zugänglichen Form öffentlich gemacht werden.

Der Grundgedanke hinter OpenGov: „You should be able to know everything that happens in the government.“ Das ist Demokratie! Wer würde damit nicht übereinstimmen?

opengov

Ganz einfach: die Regierenden! Niemand, der an der Macht sitzt, will sich zu sehr in die Karten schauen lassen. Niemand dort hat Interesse daran, dass jemand erfährt, wie sich seine Partei finanziert (wo doch alle Parteienförderungen bis 2012 bei einer Landesbank verpfändet sind – ein Kärntner Sonderfall) oder warum er für welches Gesetz plädiert hat.

Noch sind die Konzepte hinter OpenGov reine Utopie, doch große Ideen sind nie aufzuhalten. Man kann sie höchstens hinaus schieben. Es gibt bereits erste Ansätze, diese Prinzipien umzusetzen: etwa in Skandinavien. Auch in den USA ist man viel weiter als bei uns. Dort muss jeder Politiker angeben, von welchen Interessensgruppen er finanziell unterstützt wird und wie sich sein Wahlkampf finanziert.

Diese Daten werden zwar erhoben, sind allerdings nicht einfach zugänglich. Wer geht schon in ein Amt, um Ordner durchzuackern? Das Web hilft, Transparenz zu schaffen. Hier einige Beispiele, wie solche Zahlen mit Hilfe von Web 2.0 public gemacht werden:

  • www.govtrack.us: Eine Site, wo jeder erfahren kann, wie einzelne Abgeordnete bei Gesetzen gestimmt haben.
  • www.TheyWorkForYou.com: die britische Version davon.
  • www.maplight.org: Die beste Datenbank, wenn es um die Finanzierung von Kampagnen geht. Hier steht nicht nur, wer von wem Geld bekommen hat. Behandelt wird auch, ob es einen Konnex zwischen den Geldgebern und dem Abstimmungsverhalten gab.
  • www.opensecrets.org: Diese Site trägt ebenfalls zusammen, welcher US-Abgeordnete wie viel von wem Geld bekommen hat.
  • www.earmarkwatch.org: US-Abgeordnete bekommen ein Körberlgeld (so genannte „Earmarks“), das sie ohne Kontrolle und ohne Nachfragen in ihrem Wahldistrict ausgeben dürfen. Diese Site kontrolliert diese „Eselsohren“.
  • Österreich & Deutschland: Ich muss zugeben, dass ich hier nichts kenne. Lass mich in den Kommentaren aber gerne eines Besseren belehren.

Diese Bemühungen stehen erst ganz am Anfang. Aber jede Veränderung („Change“ ist das wohl meistge- und auch missbrauchte Wort im aktuellen US-Wahlkampf) steht irgendwann ganz am Anfang.

Warum ich das alles schreibe?
Weil ich mir so etwas auch hierzulande wünsche. Es wird aber schwer sein, solche Sites aufzuziehen, da das einzige „Geschäftsmodell“ dafür (es braucht ja auch Manpower und Infrastruktur) Spenden sind und die Spendenkultur für derartige Projekte in Mitteleuropa nicht existiert.

Lawrence Lessig (cc) Sim Sullen Und es gibt noch einen Grund! Zum ersten Mal überhaupt möchte ich einen Politiker öffentlich unterstützen: Lawrence Lessig, Rechtsprofessor an der Stanford Law School. Lessig wurde als Kämpfer gegen ein allzu striktes Copyright und Gründer von Creative Commons weltbekannt. Nachdem der Silicon Valley-Kongressabgeordnete Tom Lantos kürzlich starb, muss es nun Nachwahlen für seinen Sitz geben.

Binnen kürzester Zeit entstand eine Bewegung, die Lessig im Kongress sehen will. In der entsprechenden Facebook-Gruppe finden sich bereits 2889 Mitglieder.

Er selbst zögert noch, ist dem aber offensichtlich nicht ganz abgeneigt. Anfang 2008 wechselte Lessig seinen Forschungsschwerpunkt und wollte sich fortan mit dem Thema Korruption beschäftigen.

Bis zum 1. März will er sich für oder gegen die Politik entscheiden. Gestern veröffentlichte er auf lessig08.org ein Video, das seine Argumente erläutert:

Zum Video

Solche Politiker wünsche ich mir. Auch, nein speziell, in Kärnten. Nur sehe ich sie nicht …

Petition gegen Überwachung

Wer steht eigentlich hinter den Gesetzen? Das heißt: Wem fällt beispielsweise so etwas wie das letzte Woche novellierte, österreichische, Sicherheitspolizeigesetz ein? Einem einfachen Parlamentarier wohl sicher nicht, weil die von der Materie ohnehin keinen Tau haben.

Wer mit den freizügigen Überwachungsmethoden nicht mitkann, hat jetzt zumindest die Chance, seinen Unmut kundzutun. Drei Informatik-Professoren, die ehemalige Richterpräsidentin Barbara Helige und die Grünen haben heute eine "Online-Petition zum Schutz vor dem Überwachungsstaat" ins Leben Gerufen. Knapp 1000 haben schon unterschrieben.

Via [Heise]

100 Euro für Ortstafeln

younevercall So macht man PR! Vor einer Woche hat Google 30.000.000 Dollar für die erste private Mondlandung ausgelobt. Jetzt bietet eine kleine US-Handyfirma namens YouNeverCall ein Preisgeld von 10.000 Dollar für denjenigen, der bis zum 7. Januar 2015 den ersten Anruf vom Mond zustande bringt. Nasa und Space-Shuttle-Flüge sind ausgenommen.

Das Medienecho war global und enorm. Engadget, und Gizmodo, berichteten ebenso wie wie die kleine deutsche Microsoft-Newssite Winfuture. Die Geschichte ist erst jung, andere werden wohl sicher auch noch drauf springen.

Irgendwie ist es einfach, einen Preis auszuschreiben, den man ohnehin nie bezahlen muss. Selbst wenn bis 2015 ein privates Astronauten-Team auf dem Mond landet, werden sie für 10.000 Dollar wohl keine Basis-Station mitnehmen. Und Satelliten-Telefone funktionieren nur bei uns auf der Erde – nicht aber auf unserem Trabanten. Außerdem haben die nie beweisen müssen, dass sie das Preisgeld auch wirklich haben.

Ich schreibe auch einen Preis aus und beweise hiermit, dass ich das versprochene Geld auch wirklich habe:

Es gibt Cash bar auf die Hand! Jetzt zugreifen!

Derjenige, der bis zum 31. Dezember 2008 den Kärntner Ortstafelkonflikt löst, bekommt von mir 100 Euro. Bar auf die Hand! Für Steuern und Sozialversicherung muss der/diejenige allerdings selbst sorgen.

Wer jetzt glaubt, dass das ebenso unrealistisch ist, wie auf dem Mond zu telefonieren, mag vielleicht, möglicherweise, unter Umständen richtig liegen.

Kärnten trägt die rote Laterne

Eigentlich sind die Zahlen schon seit Anfang des Monats draußen, aber mir sind sie erst heute aufgefallen. Kein Wunder, wären sie besser, hätten wir wohl eine Presseaussendung des Landeshauptmannes bekommen. Die Rede ist von der IKT-Statistik 2006 (IKT steht für Informations- und Kommunikationstechnologien). Sie zeigt, wie die Haushalte in den einzelnen Bundesländern technisch ausgestattet sind. Die rote Laterne hat (mit Ausnahme bei den Handys) Kärnten.

ikt-2006.gif

Was sagen diese Zahlen?
Sie geben einen Rückschluss darauf, wie hoch das Durchschnittseinkommen einer Region ist und wie aufgeschlossen deren Einwohner gegenüber neuen Technologien sind. Und noch etwas: Wie Martin Bredl schreibt, gibt es eine Korrelation zwischen der IKT-Ausstattung (bzw. den IKT-Investitionen) und dem Wirtschaftswachstum. Schon Österreich an sich schneidet im OECD-Vergleich nicht gut ab: wir sind letzter. Und Kärnten …

Was kann man tun? Wer hat Ideen? Den Leuten Handys oder Internet-Anschluss(möglichkeiten) zu schenken, wird nichts nützen. Was muss man in den Köpfen der Leute ändern?

Eine Ausrede unserer Politiker kann ich mir schon vorstellen: „Die Kärntner sind auch abends so gerne in der schönen Natur ihres schönen Bundeslandes unterwegs, dass Sie Computer und Internet nicht brauchen.“

IKT-Nutzung:
Ok, soweit zur Ausstattung. Jetzt kann man noch einwerfen, dass viele Kärntner Hightech-Jobs (Infineon) hätten und sie ohnehin ständig mit IKT in Berührung sind. Schauen wir uns einmal die Nutzung an. Diese bezieht sich auf „innerhalb der letzten drei Monate“.

Computer- und Internet-Nutzung

Und auch hier könnten die Politiker schönfärben: Die Kärntner? Im Sommer? Bittedich! Die sind am See. Nun ja, das dürfte wohl gestimmt haben. Ob es ihren Chancen in einer zunehmend auf Information getragenen Gesellschaft weiter hilft, sei dahin gestellt.

[Update]: zum Vergleich sind hier die Zahlen für 2004 und 2005.

Viral und negativ

Gott sei Dank ist dieser Wahlkampf vorbei. Oder etwa immer noch nicht? Ich bekomme auch heute noch eMails mit Bildern wie diesen hier:

Haben Sie Mitleid - Bezahlte Anzeige des Bundeskanzleramts 

Seit Anfang September habe ich insgesamt vier perfekt gemachte „Wahlplakate“ bekommen, die eindeutig gegen die ÖVP gerichtet waren. Zwei habe ich noch, das dritte zeigte das Schüssel-Plakat, bei dem er Wasser trinkt – nur dass das Plakat unter Wasser stand – obwohl es zu dieser Zeit gar kein Hochwasser gab (oder täusche ich mich?).

An Zufälle glaube ich da nicht mehr – wenn das so wäre, müsste doch auch irgendwer seine Späße mit der SPÖ getrieben haben.

Einmal ganz von der Botschaft weggedacht: Funktioniert unterschwellig gebrachte Negativ PR wirklich so gut? Ganz abgesehen davon, dass der Schüssel-Wahlkampf unglaublich inhaltsleer war: Mich würde interessieren, wie viel derlei virale Kampagnen per eMail den Wahleinfluss beeinflusst haben. Waren diese Bilder gesteuert oder bloßer Zufall?

Piraten setzen Segel

Wenn die Österreichische Piratenpartei bei der Nationalratsparte kandidieren würde, ich hätte meine Erfahrungen mit der Wahlkabine (die KPÖ passt am besten zu mit ?!?!?) machen müssen. Ich würde nicht zum Heer der Unentschlossenen gehören, sondern hätte gewusst, wofür ich wählen soll.

Die ORF Futurezone hat ein interessantes Feature über die Partei und ihre europäischen Geschwister. Man darf gespannt sein, ob und wie die „Grünen des Netzzeitalters“ die politische Zukunft prägen werden.

Hilfe! Ich bin …

… ja eigentlich liberal, glaube an den (nicht ungezügelten) Kapitalismus und wurde eigentlich recht konservativ erzogen. Und dann das!

wahlkabine.at

Es sei mir vergönnt, an Wahlkabine.at für die Nationalratswahl 2006 ein wenig zu zweifeln. Zumindest an meinem Ergebnis …

Eine Europäische Partei

Hab grad im Ö1 Mittagsjournal eine interessante Geschichte gehört. Newropeans ist eine eben gegründete Partei, die sich ganz Europa verschrieben hat. Das Spannende dabei: Ihre Parteizentrale befindet sich lediglich im Web.

Newropeans wurde vom 45-jährigen Franzosen Franck Biancheri gegründet. Er ist übrigens einer der Begründer des Erasmus-Programms, mit dem bereits über eine Million europäischer Studenten im Ausland studieren konnten.

Die Partei sieht sich als Antwort zur Krise inder EU, in die die Union durch die gescheiterten Verfassungsreferenden in Frankreich und den Niederlanden gerutscht ist. Ihre Hauptanliegen: Die Demokratisierung der EU und ihrer Institutionen, mehr Bürgernähe und Transparenz. Kandidieren werden die Newropeans übrigens nur zu Wahlen zum Europaparlament, erstmals also 2009.