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Für ein besseres Kärnten

Off-topic — dafür hier zum letzten Mal über Kärntner Politik!

Ich liebe Kärnten! Dieses Land ist großartig – wäre da nicht so manches in der Politik: Der Umgang mit Ausländern und Steuergeld, sowie mangelnde Transparenz und Offenheit derer, die dieses Land regieren. Und nicht zu vergessen: politische Diskussionen die diesen Namen nicht verdienen.

Man hat zwei Möglichkeiten: Man steckt den Kopf in den Sand und schert sich nicht darum oder man tut etwas dagegen. Lange genug war auch ich ein Vogel Strauß, aber es geht nimmer.

www.k2020.at

Hier schreibe ich seit heute mehr über Kärnten und was mich hier stört. Ich schreibe über ein Land, wie ich es mir vorstelle, gewissermaßen eine Utopie …

Würde mich freuen, wenn der eine oder andere vorbei schaut. Ich bin gespannt, wozu das führt. Ich freue mich auf jeden Diskurs, viele Ideen und Vorschläge – aber auch auf Konflikte, zu dem dieses Weblog zwangsläufig führen wird.

Wahlinserate technisch analysiert

Die Technik ist toll! Mit Hilfe von Software lassen sich Dinge visualisieren, die bei bloser Betrachtung gar nicht auffallen. Ein Beispiel dafür sind Zeitungsinserate, von denen es ja in Wahlkampfzeiten genügend gibt.

Microsofts Deep Zoom etwa eignet sich hervorragend zum Visualisieren vieler Bilddateien. Mit Hilfe dieser Technik kann man selbst in große Bilddateien mühelos rein- und wieder rauszoomen. Um das auszuprobieren, hab ich mir die Wahlinserate der Kärntner Parteien einmal näher angeschaut – ein Schelm, wer jetzt Böses dabei denkt. In der untenstehenden Deep Zoom-Composition finden sich Tumbnails (habe leider kein Hires-Material) alle 87 Kärntner Wahlinserate, die vom 1. Jänner bis 4. Februar 2009 alleine in der Kleinen Zeitung geschalten wurden.

Es wurde nicht unterschieden, ob ein Inserat vom Steuerzahler (Landesregierung), dem Verkehrsverbund (?) oder von den jeweiligen Parteien bezahlt wurde. Oft ist der Unterschied (gewollt oder nicht) nur sehr schwer oder gar nicht auszumachen. Untenstehend kann sich jeder selbst ein Bild machen. Inserate unter 1/4 Seite fielen ebenso aus der Wertung wie die Einschaltungen auf den Regionalseiten zur Gemeinderatswahl.

Folgende Auffälligkeiten (können auch rein zufällig sein) kamen mir dabei in den Kopf:

  • Von 87 politischen Anzeigen in den letzten 35 Tagen gab es nur 31 mit der Nennung einer Partei.
  • Bei den ersten beiden ÖVP-Inseraten stand gar nicht ÖVP dabei. Wurde vermutlich vergessen …
  • Das „Corporate Design“ der Inserate mit klarer Erkennbarkeit des BZÖ und jenen der Regierungsmitglieder des BZÖ ist erstaunlich ähnlich. Der Balken in Landesfarben sowie der Spruch „Garantiert.“ sind ident. Vermutlich ein Zufall …
  • Auf den Inseraten der SPÖ-Kandidaten sucht man ein Wort vergeblich: SPÖ.
  • Ein einziges Inserat ist „angriffig“ (am 22.1. geschalten, von wem geht nicht hervor). Kritik an orange und schwarz, dass Wohnen immer teurer wird.
    Alle anderen Anzeigen lobpreisen nur sich selbst und ihre Leistungen.

Punktewertung:
Ich hab mich auch gefragt, welcher Politiker wie oft aus einem Inserat lächelt – ich habe die Inserate hochgerechnet auf ganze Seiten.

  1. Gerhard Dörfler (BZÖ): 22,5 Seiten
  2. Uwe Scheuch (BZÖ) 12, 5 Seiten
  3. Harald Dobernig (BZÖ): 9,5 Seiten
  4. Josef Martinz (ÖVP): 6,25 Seiten
  5. Reinhard Rohr (SPÖ): 3 Seiten
  6. Peter Kaiser (SPÖ): 2 Seiten
  7. Mario Canori (FPÖ): 2 Seiten
  8. Nicole Cernic (SPÖ): 1,5 Seiten

Grafisch (Angaben in vollen Seiten hochgerechnet) wird die politische Aufteilung der Inserate noch deutlicher:

1 Punkt = 1 Seite

So, aber jetzt genug analysiert – hier kann man die Wahlinserate vom 01. Jänner bis 04. Februar 2009 (und hier in voller Pracht) anschauen. Übrigens das Silverlight-Plugin ist dafür nötig, sorry.

 

Was meint ihr zu diesem Wahlkampf?

Update: Auf k2020.at gibt’s mehr zum Thema – ein Video inklusive.

Politik und die Technik

Ich brauche eure Hilfe!

Die Aufgabe: Politikern die richtigen Fragen zu stellen, ob sie das Web und Technik verstehen und entsprechend handeln können.

Der Hintergrund: Es wird vielen nicht entgangen sein, dass wir in Kärnten am 1. März Landtagswahlen haben. Dazu soll ich in der Kleinen Zeitung eine Geschichte über Hightech/Politiker machen. Die Kandidaten sollen auf Ihr Wissen abgetestet werden.

Welche Fragen würdet ihr stellen? Schickt mir doch ein Mail: georg.holzer@gmail.com oder schreibt es mir in die Kommentare. Die Antworten in voller Länge und meine Geschichte folgen hier. DANKE!

Ganz Österreich bei OpenStreetMap

Ich hab’s ganz übersehen. Dann hat mir Günther Hölzl, ein Bekannter und OpenStreetMapper, ein Mail zu einem Futurezone-Posting geschickt: Bald ganz Österreich auf OpenStreetMap. Zu schön, um wahr zu sein? Nein, bald ist es soweit!

Warum soll das nun so schnell gehen? Der Compass-Verlag machte der OpenStreetMap (OSM, Wikipedia-Erklärung) ein Geschenk. Seine Karten (siehe auch www.plan.at) dürfen ins System übernommen werden und dienen somit als Rohmaterial fürs Bearbeiten. Das geht viel schneller, als ganz Österreich per GPS nachzuzeichnen. DANKE, Compass!!!!

Aber wie kommt ein Verlag dazu, so ein Geschenk zu machen? Laut BodenseePeter wolle man nicht länger die Last der Aktualisierung der Karten tragen. Man crowdsourced diese Aufgabe, wie es auf neudeutsch heißt.

Es ist nicht das erste Mal, dass OSM – aus ähnlichen Motiven – Kartenmaterial geschenkt bekommt:

  • Im Juli 2007 übertrug die Firma Automotive Navigation Data (AND) seinen ganzen Kartenbestand der Niederlande dem Projekt.
  • Ebenfalls 2007 bekam man die so genannten Tiger-Daten (Topological Integrated Geographic Encoding and Referencing) von der US-Regierung übertragen, die seither nach und nach OpenStreetMap integriert wurden.
  • [Update:] Im Dezember 2008 begann man mit der Integration von Luftbildern aus Oberbayern, der der Freistaat zur Verfügung gestellt hat. (via Andreas)

Bringen wird das vor allem im ländlichen Raum eine Menge. Hier etwa die Karte von Bad Kleinkirchheim auf Plan.at:

Beispiel: Bad Kleinkirchheim bei Compass

Und unten zum Vergleich die OSM von Bad Kleinkirchheim.

OSM - Bad Kleinkirchheim

Eines ist offensichtlich: Wenn man die Liebe zum Detail und die Genauigkeit der vielen Freiwilligen bei OSM mit den Straßen von Compass kombiniert, könnte Großartiges rauskommen!

Keine einfache Datenübernahme

Ganz einfach wird die Übernahme der Compass-Daten allerdings nicht. Größtenteils sind sie schon im System, Kärnten etwa ist laut dem Hölzl schon voll übernommen. Bis die Diskrepanzen und Ungenauigkeiten aber korrigiert sind, wird es noch einige Zeit dauern.

Der nachfolgende Screenshot vom Klagenfurter Lendkanal macht es deutlich: Alle Straßen sind derzeit doppelt erfasst. Jetzt wird sich an vielen Stellen zeigen, wer bisher genauer gearbeitet hat – die Streetmapper oder kommerzielle Verlage. Aber Nachzeichnen und Kontrollieren dürfte immer noch weniger Arbeit bedeuten, als alles von Grund auf neu zu machen.

Klick zum Vergrößern, Screenshot von Günther Hölzl

Bessere Karten als je zuvor

Erst vor einer Woche wurde bekannt, dass Wien mit seinen 7000 Straßen bereits in OSM vollständig erfasst ist.

Wien bei OpenStreetmap

Für die OpenStreetmapper in Wien beginnt nun ein neues Kapitel: Sie werden wohl noch eine Reihe von Inhalten hinzufügen und so die Karte noch „reicher“ machen. Postkästen, Bankomaten, Pubs, Restaurants, Hotels, Kindergärten und viele weitere Ortsinformationen werden dafür sorgen, dass OSM nicht nur zum Herausforderer für Navteq (gehört zu Nokia), Teleatlas & Co. wird.

Wieder einmal dreht das Internet ein altes Geschäftsmodell auf den Kopf. Wer künftig Karten jeder Art herstellen will, wird sich mit OSM auseinander setzen müssen. Wer dazu besser in der Lage ist und das Material cleverer nützt, macht künftig das Geschäft.

Dazu sind dann Web-Startups wie Toursprung, irgendwann auch Internet-Firmen wie Google oder Yahoo und nicht zuletzt vielleicht auch der Compass-Verlag eher in der Lage als der Verlag Ed. Hoelzl Wien (wer erinnert sich noch an die Schulatlanten?), Freytag & Berndt oder und andere.

maps

Geschäftsmodelle und die Wertschöpfung verändern sich: Es geht weg vom Content, hin zur innovativeren und besseren Aufbereitung desselben. Ich bin gespannt, ob da von den Alteingesessenen wer mitkommt.

Was mich in diesem Zusammenhang ärgert?

Wir Steuerzahler finanzieren GIS-Abteilungen in allen Bundesländern und Städten. Die haben exakte und detailreiche Karten – wahre Schätze, die man OSM schenken müsste. Aber nein: Die sitzen auf ihren Karten und geben rein gar nichts davon her. Ganz wenige Ausnahmen bestätigen die Regel. Nutzen werden sie OSM früher oder später aber sehrwohl!

Kärnten Atlas

Warum verschenken Politiker ständig nur Steuergeld zum Wählerfang und warum spendieren sie nicht endlich einmal etwas Sinnvolles der Allgemeinheit? Bezahlt wurde es ja schließlich von uns allen.

Gibt es dafür eine Begründung? Müssten nicht alle GIS-Abteilungen mit ihren Karten rausrücken bzw. diese unter eine offene Lizenz stellen? Was meint ihr?

Roaming: Dein Abgeordneter entscheidet

Abgesehen davon, dass wir (kleine Österreicher) von der globalen Finanz- und Bankenkrise ohne EU und Euro ganz anders aussehen würden, gibt es noch einen zweiten Grund, der Europäischen Union dankbar zu sein: Sie nimmt sich des leidigen Roaming-Problems an.

EU-Flag (cc) rockcohen

Letzte Woche beschlossen die Telekom-Minister der Union ein ziemlich umfangreiches Paket, das viele Erleichterungen für Handykunden mit sich bringt:

  • Höchstpreise für den Versand einer SMS-Nachricht im Ausland ab 1. Juli 2009 von 11 Cent (plus USt. macht das 13,2 Cent). Geklärt wurde auch noch, dass der SMS-Empfang auch im Ausland weiter kostenlos bleibt.
    Das bedeutet, dass es im Ausland oft sogar billiger ist, als im Inland, wo bei Überschreitung der Paketmengen meist 25 Cent verlangt wird.
    Der SMS-Großhandelspreis für die Betreiber untereinander wird bei vier Cent (exkl. USt.) gedeckelt.
  • Mehr Transparenz: Wenn man ins Ausland fährt, muss man mittels einer automatischen Nachricht über alle Roaming-Tarife im jeweiligen Netz aufgeklärt werden.
    Ab Sommer 2010 muss jeder Kunde im vornhinein angeben können, wie viel die Roaming-Rechnung höchstens betragen darf. Bei Erreichen des gewählten Limits wird das Handy deaktiviert. Eine Maßnahme, die nicht nur gegen Überraschungen sondern auch im Falle eines Diebstahls schützen soll.
  • Datenroaming: Hier wurde der Großhandelspreis mit einem Euro je Megabyte gedeckelt. Man darf gespannt sein, ob hier auch die Endkundenpreise fallen werden und ob es tatsächlich zu mehr Wettbewerb kommt. Die Betreiber sagen ja immer, dass eine Deckelung der Großhandelspreise genau dafür sorgt.
  • Sekundengenau: Die Abrechnung aktiver und passiver Roaming-Gespräche muss künftig in Sekundenschritten erfolgen. Das könnte Anrufe im EU-Ausland sogar billiger machen als im Inland. Für aktive Gespräche im Ausland darf der Anbieter immer zumindest 30 Sekunden für den Gesprächsaufbau verrechnen.

Was muss noch geschehen, damit das pünktlich zum 1. Juli 2009 umgesetzt werden kann?
Nach der Absegnung im Ministerrat, muss es noch durch das Europäische Parlament genehmigt werden. Die Beschlussfassung fällt voraussichtlich in der Plenarsession vom 12. bis 15. Jänner 2009.

Bereits vor zwei Jahren wurde eine Deckelung der Preise fürs Datenroaming beschlossen. Die Absenkung soll bis 2012 jedes Jahr fortgesetzt werden. Nicht so wie 2007 und 2008 gelten die günstigeren Preise ab kommendem Jahr schon vor der Urlaubs-Hochsaison (jeweils ab 1. Juli). Preise ohne inkl. 20 Prozent Umsatzsteuer:

roaming-calls

Mehr über die Roaming-Regulierung der EU-Kommission gibt es hier: ec.europa.eu/roaming.

Appell an die EU-Abgeordneten Österreichs:
Die Roaming-Lobby in ganz Europa will das allerdings nicht so weiter gehen lassen. Folgenden Absatz habe ich heute als Presseaussendung bekommen.

mobilkom austria hat die Roaming-Preise in den letzten Jahren dramatisch gesenkt, was auch von der EU-Kommission lobend erwähnt wurde. Österreich ist ein Tourismus-Land, in dem deutlich mehr Gäste aus EU-Ländern telefonieren als Österreicher im EU Ausland und ist daher von der Regulierung deutlich stärker betroffen als andere Länder. Alexander Zuser richtet deshalb einen Appell an alle heimischen EU-Parlamentarier: „Die heimische Branche hat eine Vorreiter-Rolle in Europa. Es muss unser gemeinsames Ziel sein, diesen Status beizubehalten und Regulierung nicht nur unter dem Aspekt kurzfristiger Senkungen von Einzel-Preisen zu verstehen, sondern als langfristige Maßnahme zur Absicherung eines gesunden Wettbewerbes.“ Mehr davon auf der ORF Futurezone.

Was die Mobilkom kann, können auch wir normale Bürger. Wir sollten an unsere Abgeordneten appellieren, sich von der Roaming-Lobby nicht beeindrucken zu lassen. Hier die Websites aller österreichischen Abgeordneten:

Abgeordneter Web E-Mail
Herbert Bösch (SPÖ) www.herbertboesch.at herbert.boesch@europarl.europa.eu
Wolfgang Bulfon (SPÖ) wolfgang.bulfon@europarl.europa.eu
Harald Ettl (SPÖ) www.harald-ettl.at harald.ettl@europarl.europa.eu
Othmar Karas (ÖVP) www.othmar-karas.at othmar.karas@europarl.europa.eu
Jörg Leichtfried (SPÖ) www.joerg-leichtfried.at joerg.leichtfried@europarl.europa.eu
Eva Lichtenberger (Grüne) eva.lichtenberger@gruene.at
Hans-Peter Martin (fraktionslos) www.hpmartin.net office@hpmartin.net
Andreas Mölzer (FPÖ) www.andreas-moelzer.at a.moelzer@aon.at
Hubert Pirker (ÖVP) www.hubert-pirker.at hubert.pirker@europarl.europa.eu
Christa Prets (SPÖ) christa.prets@europarl.europa.eu
Reinhard Rack (ÖVP) reinhard.rack@europarl.europa.eu
Karin Resetarits (Liberale) www.karinresetarits.at karin.resetarits@europarl.europa.eu
Paul Rübig (ÖVP) www.ruebig.at paul.ruebig@europarl.europa.eu
Karin Scheele (SPÖ) www.karinscheele.at karin.scheele@europarl.europa.eu
Agnes Schierhuber (ÖVP) www.agnes-schierhuber.at agnes.schierhuber@europarl.europa.eu
Richard Seeber (ÖVP) www.richard-seeber.at richard.seeber@europarl.europa.eu
Hannes Swoboda (SPÖ) www.hannes-swoboda.at hannes.swoboda@spoe.at
Johannes Voggenhuber (Grüne) johannes.voggenhuber@gruene.at

Die deutschen Abgeordneten finden sich übrigens hier: http://www.europarl.de/parlament/abgeordnete/auswahl_bundesland.jsp

Bloggte Obama selbst?

Im WebSpezial (poste gleich die aktuelle Ausgabe) gibt es immer eine Rubrik „Von Blogger zu Blogger“. Eines der Themen im Heft war der vergangene US-Wahlkampf und wie Barack Obama das Web für seine Kampagne genutzt hat. Wen befragt man dazu? Natürlich den Ober-Polit-Web-Analysten Max Kossatz (Blog wissenbelastet.com, Twitter, Facebook). Der verrät auch, wie Web-fit unsere Politiker in Europa sind.

(c) kossatz

Abgesehen vom fehlenden Charisma heimischer Politiker: Hat der US-Wahlkampf Vorbildwirkung für Österreich?
MAX KOSSATZ: Der US-Wahlkampf zeigt, dass eine konsequente Nutzung des Internet es auch unbekannten Personen (Obama war bis vor zwei Jahr ein Außenseiter und weitgehend unbekannt) ermöglicht, Vertrauen zu Wählern aufzubauen.
Obwohl beide Kandidaten kein wirkliches Konzept zur Lösung der Finanzkrise haben, trauen sie Obama mehr. Weil sie ihm über das Internet „näher“ waren und ihn besser kannten, trauten sie ihm eher zu, diese Krise zu bewältigen, als McCain. Deswegen behaupte ich, dass dieser Wahlkampf im Internet entschieden wurde. Auch wird er noch lange weltweit als Vorbild dienen, was sicherlich zu einigen sehr eigenartigen Ergebnissen führen wird, da die USA nicht so leicht mit anderen Ländern und anderen Wahlen vergleichbar sind. Aber vieles kann man aus dem Obama-Wahlkampf lernen, am wichtigsten: Man muss jetzt anfangen das Internet zu nutzen um in ein paar Jahren Wahlen zu gewinnen, nicht erst zehn Wochen davor!

War es für Barack Obama eher Wahlwerbung oder dienten seine Aktivitäten der Themenfindung und der Bindung einer Stammwählerschaft?
KOSSATZ: Studien zeigen, dass sich knapp 59 Prozent der US-Amerikaner im Internet über den Wahlkampf informiert haben. Die Wähler, die sich etwa Videos zum Wahlkampf auf YouTube ansahen, fühlten sich weitaus näher (plus 100 Prozent) der Politik/den Themen und wollen sich auch in Zukunft mehr für Politik interessieren und engagieren.
Obama hat auch durch seine Vernetzung in den verschiedensten Plattformen (Twitter, Facebook, MySpace, eigene Homepage, etc.) die Möglichkeit sehr einfach fast sechs Millionen Menschen (fast ein Zehntel seiner Wähler!) zu erreichen. Das ist ein sehr tolles Lobbying-Instrument und wird noch in Zukunft eine große Rolle spielen. Deswegen – und ganz im Gegensatz zu dem Web2.0-Wahlkampf in Österreich – ist Obamas Team weiterhin im Internet aktiv, denn so eine „Macht“ muss natürlich gepflegt werden.

Ohne TV-Spots und Medienpräsenz kann man selbst in den USA nicht gewinnen. Welchen Anteil hatte das Web 2.0 an seinem Erfolg?
KOSSATZ: Hier fällt mir immer wieder der Vergleich zu einem Fussballspiel ein: 30.000 Personen passen in das Stadion – die sind wichtig für die Stimmung und für schöne Bilder. Aber das Geld wird mit den Fernsehrechten verdient.
Umgelegt auf den Wahlkampf in den USA heißt das: Die Debatten im Fernsehen wurden von ein paar Millionen Menschen gesehen. Aber wichtiger war die anschließende Diskussion darüber, so wurden einzelne Ausschnitte (10-20 Sekunden) der Debatten auf YouTube über eine Million Mal abgerufen.
Auch hat Obamas Team in zwei Jahren über 1800 Videos auf YouTube gestellt, alleine sein YouTube-Profil wurde 19 Millionen Mal abgerufen, der 30-minütige Spot auf allen Kanälen in den USA hatte dagegen nur knapp acht Millionen Zuseher. Alle Videos im Internet zu Obama (rund 100.000, d.h. 98.000 waren nicht von Obama selbst) wurden insgesamt rund 900 Millionen Mal abgerufen (bei schließlich rund 120 Millionen Wählern), die von McCain rund 500 Millionen Mal. Das heißt das Fernsehen nimmt die Position des Stadions ein und die Wählern gewinne ich dann im Internet.

War Obama selbst am Werk oder lies er bloggen oder twittern?
KOSSATZ: Obama hat von Anfang an (mit ein paar Ausnahmen) andere für sich arbeiten lassen. Er hat nicht krampfhaft versucht, (wie in Österreich) so zu tun als ob er das selber macht und hat es aber trotzdem geschafft, dass es nicht wie Werbung gewirkt hat. Hier ist sicherlich die Mischung wichtig.

Was schätzt du: Wie viele Mitarbeiter sind nötig, um 50.000+ Fotos auf Flickr zu stellen, mehr als 1800 Videos auf YouTube zu posten und all die Social Networks zu warten?
KOSSATZ: Schwer zu sagen und zu vergleichen, Amerika ist da anders. Dort gibt es Hunderttausende freiwillige Helfer im Wahlkampf – etwas, das in Österreich nicht vorstellbar ist. Auch sind die Amerikaner weitaus kommunikativer. Aber es schaffen „ein Personen-Unternehmen“ 2000-3000 Follower auf Twitter zu haben, das wäre umgerechnet auf Österreich die Größenordnung die Obama in den USA hat (rund 130.000 Follower).
Wichtig ist hier die Strategie, dann braucht es auch nicht viele Mitarbeiter.

Wie authentisch war die Sache?
KOSSATZ: Obamas Team hat es geschafft, zu verstehen, um was es da geht. Damit hatten sie einen großen Vorsprung gegenüber anderen.
Auch hier wieder ein Vergleich, um vielleicht zu erklären, was im Web2.0 wichtig ist: Angenommen Sie sind bei einem ihrer besten Freunde zum Essen eingeladen. Sie kommen dort hin und treffen dort auf Freunde ihres Freundes die sie noch nie gesehen haben.  Diese Personen haben zwar wahrscheinlich ein überschneidendes Mindset (z. B. Hobbies, Beruf oder politische Einstellung), aber mehr wissen sie nicht. Normalerweise werden sie es aber schaffen, diesen Abend angenehm zu verbringen, auch wenn am Tisch Personen sitzen, die sie nachher möglicherweise nicht wieder sehen wollen. Auch werden Sie sicher nicht beim Essen versuchen, den Freunden ihres Freundes etwas zu verkaufen.
So ähnlich ist es im Web2.0: Da treffen Sie genau auf solche, Ihnen unbekannte, aber doch irgendwie nahe Personen. Wenn Sie es im Web2.0 auch schaffen mit diesen einen „angenehmen Abend“ zu verbringen, haben sie gute Chancen, erfolgreich zu sein.
Das bedeutet für Politiker ein Umdenken, das reine wiederholen von Floskeln hilft hier nichts. Hier ist Diskussion gefragt und das ohne dem Puffer Zeitungen, Fernsehen, usw. Das wirft natürlich Probleme auf, denn „on the Internet nobody knows that you are a dog“ (ein wunderschöner Cartoon) wobei man „dog“ auch durch „Politiker“ ersetzen kann. Obama versteht das sehr gut und hat ein „Gspür“ für die Mischung.

Wie glaubwürdig ist die Politik, wenn gleich nach dem Urnengang mit den Web-Aktivitäten aufgehört wird?
KOSSATZ: Das ist ein großes Problem und zeigt das Mißverständnis der Politik vom Internet. Spannend dazu die Antwort eines SPD-Poltikers im Deutschen Fernsehen während der US-Wahlnacht. Er wurde gefragt, welche Rolle das Internet im kommenden deutschen Wahlkampf haben werde. Seine Antwort: „Bis dahin wird wohl jeder Politiker eine Homepage haben müssen, spätestens 2013“.
Das ist natürlich die falsche Einstellung. Auch sieht man das in Österreich nach dem 28. September (fast) alle Aktivitäten im Web2.9 wieder eingestellt wurden (mit Ausnahme der Politiker und Parteien, die schon seit Jahren im Web2.0 aktiv sind). Hier liegen wohl Österreich (bzw. Teile Europas) rund vier Jahre hinter den USA.
Kleines Beispiel: bis 28. September hat Herr Molterer überall seine Homepage und seine E-Mail-Adresse plakatiert. Wenn man jetzt auf der Parlament-Seite (für mich DIE Ansprechstation um unsere 183, in ihrer Entscheidung unabhängigen, Parlamentarier zu kontaktieren) seine Kontaktadresse sucht, findet man nur noch die E-Mail-Adresse seiner Sekretärin. Das kann es doch nicht sein, oder? Unabhängig davon, wer jetzt die E-Mail beantwortet, will ich doch wenigstens das Gefühl haben, dass sie direkt an die für mich im Parlament sitzende Person geht. Wer wirklich glaubt, dass die Wähler das nicht merken, wird wohl bald das nachsehen haben.

Warum ich liberal wähle

Auch wenn Sie auf meinen allergrößten Wunsch scheinbar keine Antwort haben, werde ich diesmal wohl liberal wählen. Es ist nicht die beste Wahl, aber gibt es die in der Politik überhaupt. Warum ich guten Gewissens kein Kreuz bei den anderen machen kann:

  • SPÖ: Die Sozialdemokratie als solche, Faymann und die Kronen Zeitung, Umsatzsteuer-Senkung (hilft außer Besserverdienern nur Spar, Rewe & Co.) uvm
  • ÖVP: Die Anbiederung an rechts mit Ausländerthemen und zu die wenigen Reichen, denen Steuerzuckerln (Erbschafts- und Schenkungssteuer mit höheren Freibeträgen wären fair), weil man sich nicht traut, etwas gegen Korruption zu tun, zu dünne Personaldecke in Kärnten, um nur Irgendwas zu erreichen, die vielen jungen Pseudo-Konservativen uvm
  • Grüne: Radikale Tierschützer (natürlich sind nur ganz wenige Kandidaten damit gemeint!) sind net so ganz meines uvm
  • FPÖ: Wo fangen wir an?
  • BZÖ: Ortstafeln-Verhinderer, latent geschürte Ausländerfeindlichkeit, Umgang mit geltendem (Verfassungs-)Recht und dem Geld der Steuerzahler uvm

Daher: Diesmal LIF

Große Illusionen mache ich mir aber ohnehin keine. Alles andere als eine Neuauflage der rot-schwarzen Koalition wäre unglaublich Riesen-Überraschung. Bessern wird sich das allgemeine Anbiedern und teure Kompromisse-Schließen nur mit der Einführung eines Mehrheitswahlrechts. Auf das warte ich!

Sorry, wenn ich diesmal politisch wurde, aber es musste einmal sein.

State of the Austro-Web

In unserer Informationsgesellschaft drohen jene „zurück zu bleiben“, die nicht über die nötigen Werkzeuge verfügen oder die einfach gar nicht nutzen.

Am Anfang eines jeden Jahres erhebt daher die Statistik Austria die Ausstattung und Nutzung österreichischer Haushalte mit Informations- und Kommunikationstechnologien. Veröffentlich wird die IKT-Umfrage stets im Juni. Sie ist die umfangreichste Untersuchung zu diesem Thema.

Das Ergebnis im Detail:

Quelle: (c) Statistik Austria, das Sample liegt österreichweit bei 5300 repräsentativ ausgewählten Haushalten, 600 davon in Kärnten. Die Schwankungsbreite liegt bei +/- zwei Prozent.

Sieht man von Modem-Surfern ab, liegt Kärnten bei der IKT-Ausstattung auf dem letzten, bei der Nutzung am vorletzten Platz. Einziger Trost: Das Wachstum bei Web und PCs war im Vergleich zum Vorjahr überdurchschnittlich. Aber wer ganz hinten liegt, kann auch mehr aufholen. Erschreckend hoch finde ich auch die Zahl derer, die damit noch nie in Kontakt waren.

Und noch ein schwacher Trost. Wenn man einige Begriffe auf der Welt der Technik bei Google Insights for Search (genialer Dienst btw) analysiert, sieht man leichte Aufhol-Tendenzen. Zumindest suchten die Kärntner in den letzten zwölf Monaten mehr etwa nach „ADSL“ als andere.

Hochzeit mit Hindernissen

Die geringste Freude an den österreichischen Neuwahlen drüfte man beim heimischen Mobilfunkbetreiber One haben. Für den bevorstehenden Markenwechsel von One auf Orange kommen sie im denkbar ungüngstigsten Moment. Das könnte Folgen haben, denn die volle Medien-Aufmerksamkeit und der gebuchte Anzeigenplatz gehören in den nächsten Wochen ganz der Politik.

Der ehemalige Haupteigentümerin von One, die deutsche E.On, wollte jahrelang ihr Aktienpaket abstoßen, fand aber keinen Käufer für den drittgrößten heimischen Mobilfunkbetreiber. Im Vorjahr war es soweit: Miteigentümer Orange (France Telecom) baute seine Anteile aus, die Private Equity-Firma Mid Europa Partners stieg mit ein.

Seitdem One mit dem iPhone wirbt, findet sich unter dem Logo der Schriftzug „Partner von Orange“. Es ist kein Geheimnis, dass der Markenwechsel unmittelbar vor der Türe steht.

Eigentlich wollte man mit der Kampagne Anfang September starten, doch dabei müsste man sich die Aufmerksamkeit mit der Politik teilen. Weil auch die Parteien auf Teufel komm raus in praktisch allen Medien werben, wird der Platz eng.

Zu viel Zeit darf sich One aber auch nicht lassen. Beginnt die Kampagne erst Ende September – also nach den Wahlen – wird die Kommunikation entsprechend schwerer. Spätestens mit dem Beginn des Handy-Weihnachtsgeschäfts – in Österreich ist das Ende Oktober – muss die neue Marke (Name, Logo, Corporate Design, Image etc.) bei den Kunden angekommen und die Verbindung zu One geschafft sein.

Zur Erinnerung: Österreich hat schon einmal einen Markenwechsel mit anschließender Vernichtung eines Milliardenwertes im Mobilfunk hinter sich: 2001/2002 übernahm T-Mobile mit max.mobil die damalige Nummer zwei. Binnen kürzester Zeit war der Name verschwunden, im allgemeinen Sprachgebrauch lebt „Max“ aber immer noch weiter.

Die anderen Mobilfunker – A1, T-Mobile (mit Telering) und 3 – werden wohl alles daran setzen, dass der Markenwechsel in die Hose geht und ihrerseits so viel Aufmerksamkeit wie möglich suchen. Glaubt man einschlägigen Kreisen, werden die Mobilfunker heuer im Herbst alles buchen, was sie an Anzeigenfläche nur irgendwo bekommen können. Eine beispiellose Anzeigenschlacht, Medien freuen dürfte, Orange aber die Show stehlen könnte.

Bleibt noch die Frage, wie sich das Kapital verhält. Mit Mid Europa Partnes ist schließlich eine Private Equity-Firma Mehrheitseigentümer. Die wollen kein langfristiges Engagement, sondern Geld sehen. Gut möglich, dass an den Gerüchten etwas dran ist, wonach One noch vor dem Markenwechsel an Hutchison – in Österreich mit 3 am Markt – verkauft wird. One-Chef Michael Krammer hat das zwar dementiert, aber alleine die Existenz solcher Gerüchte ist ein Zeichen.

Solange Mid Europa dabei ist, werden auch Investitionen für One/Orange schwierig. Weil sich am österreichischen Handymarkt ohnehin recht wenig verdienen lässt, wird es fürs eingesetzte Kapital wohl andere Prioritäten geben als den Netzausbau.

Die Krux dabei: Je mehr UMTS-Kunden ein Betreiber hat, desto mehr muss er ins Netz investieren. Das Prinzip der Zellatmung macht Mobilfunkzellen kleiner, je mehr Nutzer sich darin befinden. Währen die Lücken dazwischen ständig geschlossen werden müssen, geizt Mid aber mit dem dafür nötigen Geld …

Statistik, Österreich und das Internet

Bei Andreas bin ich gestern auf ein großartiges Video von der TED-Conference gestoßen: Hans Rosling präsentiert Gapminder.org.

Das Problem: Es gibt unglaublich viele Daten auf der Welt zu Gesundheit, Verbreitung von Technologien, Einkommen oder Umwelt und Bildung. Nur leider sind die in irgendwelchen Daten-Silos versteckt, nur schwer oder kaum auffindbar und zugänglich.

Die Lösung: Gapminder.org. Das Nonprofit Projekt von Rosling suchte solche Daten zusammen (teilweise zurück bis ins 17. Jahrhundert) und erstellte ein Mini-Statistik-Programm mit dem man Auffälligkeiten bei diesen Daten sofort sehen kann.

So kann man viele Antworten auf Probleme erhalten, die erst sichtbar werden, wenn man diese Daten visualisiert – beispielsweise zur Verbreitung von Internet.

In folgendem Chart steht x für das Einkommen pro Person eines Landes, y markiert die jeweilige Internet-Penetration. Jeder Punkt markiert die Durchdringung in einem Jahr. Die letzten Daten in Gapminder stammen aus 2004.

Gapminder-Chart Internet und Einkommen

Was deutlich wird: Österreich dümpelte zu dieser Zeit bei einer Internet-Penetration knapp 48 Prozent dahin, Deutschland lag 2004 bei nur 43, die Schweiz bei 47 Prozent. Zum Vergleich:

  • Island 77 Prozent
  • Schweden 76 Prozent
  • Malta 75 Prozent
  • Südkorea 66 Prozent
  • Australien 65 Prozent

Interessant ist Gapminder vor allem beim Aufspüren von Auffälligkeiten. Was mir aufgefallen ist (siehe Grafik):

  • 2003 stieg die Internet-Penetration in UK von 42 auf 58 Prozent.
  • 2004 legte Finnland von 49 auf 63 Prozent Verbreitung zu.
  • In beiden Jahren zusammen legte Österreich nur um 7 Prozentpunkte zu.

Wenn man nun nach Rezepten für eine Aufholen sucht, könnte man sich einfach nur anschauen, was in den beiden erstgenannten Ländern in diesen beiden Jahren passiert ist.

Was macht man in Österreich?
Die Politik gründet – in seltener großkoalitionärer Einigkeit – eine Arbeitsgruppe, um ab Herbst eine Internet-Offensive zu starten. Bis dahin sollen mehrere Teams ein Aktionsprogramm auf die Beine stellen.

iologo

Als ob es nicht schon genug Arbeitspapiere zu dem Thema gibt … Es muss halt endlich etwas getan und nicht nur Aktionismus betrieben werden. Zudem möchte ich bezweifeln, ob Politiker im Alter von 50+ oder 60+ in der Lage sind, das Web und seine umwälzenden Veränderungen zu verstehen. Lassen die sich nicht alle ihre Mails ausdrucken?

Diese Leute sollten endlich kapieren, dass Österreich oder Deutschland nicht mit der Ukraine, China oder Indien konkurrieren. Von wegen globaler Wettbewerb! Um gutbezahlte Jobs stehen wir derzeit noch im Wettstreit mit Finnland, UK, Schweden oder Island! Und nicht mit der dritten Welt.