Beiträge

Gratulation!

Vor zwei Wochen fand die Jurysitzung für den „New Media Journalism Award 2007“ des ÖJC statt und ich habe ich geärgert, dass ich nicht gleich das Ergebnis bloggen durfte … Warum? Weil ich noch weiß, wie das im Vorjahr war, als man mich angerufen hat …

Der Preis geht heuer an Helmut Spudich (rechts im Bild) vom Standard. Heftigste Gratulation, er hat’s wirklich verdient! Schade nur, dass ich heuer nicht kommen kann, weil ich da grad in Brüssel sein werde. Aber es wird sicher wieder ein tolles Event.

So gemein, …

… dass ich noch nicht sagen kann, wer gewonnen hat! Die Rede ist vom New Media Journalism Award des Österreichischen Journalistenclubs. Journalisten können nur sehr schwer gute Nachrichten für sich behalten. Es ist hart, aber ich werde hoffentlich dicht halten. Ich habe den Preis im Vorjahr gewonnen und so war ich heuer in der Jury. Martin Bredl von der Telekom – sie stiftete den Preis – hat schon über die Version 2.0 gebloggt.

(c) 2007 Margarete Turnheim

In der Jury: Dieter Rappold von Knallgrau, Fred Turnheim vom ÖJC, Elisabeth Gardavsky vom Kurier, ich, Thomas Lutz von Microsoft und eben Martin Bredl.

Der Gewinner oder die Gewinnerin wird noch ein wenig warten müssen. Der Preis wird am 15. Mai im Oberen Belvedere verliehen. Tolle Location, tolles Datum! Wer weiß, was an dem Ort an dem Datum passiert ist?

Btw: Sorry für die Blogpause, aber im Moment erschlägt mich die Arbeit.

Journalist der Zukunft

Ich hätte eine kleine Bitte. Ich wurde eingeladen, in einem neu erscheinenden Jahrbuch eine Geschichte über den Journalisten der Zukunft (Journalismus 2.0, wenn ihr so wollt) zu schreiben. Untenstehend findet ihr den Artikel. Was denkt ihr darüber? Wohin entwickelt sich Journalismus.

Bin auf Eure Meinung gespannt. Nutzt dazu die Kommentarfunktion oder schreibt mir ein eMail. Danke.

Der Journalist im Wandel
Die Welt ist digital geworden und dreht sich schneller denn je. Dem muss auch der Journalismus Rechnung tragen.

Keine Branche hat sich durch die Digitalisierung mehr verändert, als die der Medien. Zeitungen spüren bereits, dass mehr und mehr Geld und Aufmerksamkeit in Online-Medien geht. Ein Podcast, der keinen Cent an Produktionskosten verschlingt, kann heute Radiostationen Konkurrenz machen. Selbst das Fernsehen spürt den Wettbewerb durch Hobby-Regisseure, deren Videos im Web oft millionenfach angesehen werden.

Die Zahl an Talenten, die Medien zum Nulltarif machen, ist undendlich. Die Aufmerksamkeit der tatsächlichen Medienkonsumenten dagegen enden wollend. Die Grenzen zwischen Mediennutzern und -produzenten verschwinden zusehends. Es kommt zu einem Rennen um Augäpfel, das letztlich auch zu einer Neudefinition von Journalismus führen wird. Weiter alten Denkmustern zu folgen und den Wandel zu verdrängen, führt zu ernsthaften Problemen.

Auf Augenhöhe
Diese Neudefinition des Berufsbildes beginnt im Akzeptieren, dass Konkurrenz auf gleicher Augenhöhe entsteht. Auch wenn es dem einen oder anderen Autor eines Weblogs an handwerklichen Fähigkeiten fehlt, arrogantes Herabblicken auf vermeintlich exhibitionistische Online-Tagebücher ist fatal. Man merkt den Inhalten vieler so genannter Bürgermedien an, dass sie mit Leidenschaft und enormen Fachwissen gemacht sind und genau das macht sie interessant und attraktiv. Publiziert wird zu jedem nur denkbaren Thema und von Leuten, die sich im jeweiligen Fachgebiet auskennen und über Hintergründe Bescheid wissen – von der Politik über Technik bis hin zur Bienenzüchterei.

Journalisten tun gut daran, dieses unendliche Wissen einer publizierenden Masse nutzbar zu machen. Abseits von Agenturen entsteht ein unendlich großer Pool an Inhalten, der gehoben werden muss. Neue und präzisere Suchtechniken werden zur kritischen Wettbewerbsgröße für die schreibende Zunft. Und dann gibt es noch den Faktor Zeit: Agenturen schreiben oft zwei Tage hinterher – oft genug zeigt sich, dass die Stories von übermorgen bereits seit gestern im Web stehen.

Noch sind Weblogs ein marginales Phänomen. Sie decken zwar immer öfter Missstände und Skandale auf, der Transport zu den Massen erfolgt aber immer noch über traditionelle Medien. Hier bedarf es eines partnerschaftlichen Umgangs von Profi- und Bürger-Journalisten. Der Schöpfer einer „Breaking News“ will auch als solcher anerkannt werden.

Millionen Chefredakteure
Die Medienlandschaft wird immer breiter und gleichzeitig spezialisierter, der Medienkonsument immer selektiver. Durch Abo-Mechanismen wie RSS ist es ihm möglich, sich einmal eine maßgeschneiderte Online-Zeitung zusammen zu klicken, die sich fortan in Echtzeit und auch noch kostenlos füllt.

Nutzer schlüpfen gleichzeitig in die Rolle des Chefredakteurs und gewichten ihre Nachrichten selbst. Auf so genannten „Social News“-Websites tragen sie Meldungen zusammen, bewerten und kommentieren diese. Gefällt einem Leser etwas, kann er dies mit einem simplen Klick vermerken. Je mehr Leser eine Nachricht in einer bestimmten Zeit als gut bewerten, desto besser und relevanter ist sie offensichtlich. Irrelevantes oder schlecht Recherchiertes kommt gar nicht erst nach oben – eine Feedback-Schleife, wie sie ein traditionelles Medium nie haben kann.

Multimedial ohne Helmkamera
An den grundsätzlichen Fähigkeiten von Journalisten darf nicht gerüttelt werden: Ein gepflegtes Beziehungsgeflecht von Informanten (online wie offline) ist weiterhin genauso wichtig wie mit Sprache umzugehen, die Fähigkeit, seine Quellen kritisch zu hinterfragen bedeutender denn je.

In einer immer multimedialeren Welt muss ein Redakteur aber auch firm für andere Medien werden, seine Fähigkeiten müssen über das Tippen von Text und die Bildauswahl hinaus gehen. Das bedeutet nicht, dass Zeitungsredakteure plötzlich mit Helmkamera und Mikrofon zu Pressekonferenzen gehen müssen. Aber ein Verständnis dafür, wie andere Medienformen funktionieren und wie diese im Verbund mit dem eigenen Medium interagieren können, ist unumgänglich.

Es sind die Ergänzungen zum eigentlichen Programm, die den Vorsprung zur Konkurrenz sichern. Der Audio-Mitschnitt eines Interviews als Podcast verstärkt dessen Authentizität, eine Grafik visualisiert Komplexes besser als 1000 gedruckte Zeichen und ein Video verdeutlicht komplizierte Technik besser als alles andere.

Weil die Umwelt nicht gerade einfacher wird, ist ein neuer Typ von Journalist gefragt: Nur wer sich in einem Bereich wirklich auskennt, kann den meisten (aber niemals allen) seiner Leser oder Zuhörer einen Tick voraus sein und ihnen die gefragten Antworten geben. Möglichst umfassendes Wissen in seinem Spezialgebiet gepaart mit multimedialen Fähigkeiten zeichnen das Berufsbild in der Zukunft aus – es sei denn, man geht schon sehr bald in Pension.

Wir sind Paparazzi

Bernd Hadler hat interessante Gedanken zum Thema Leserreporter.

So ganz sehe ich deine Kritik aber nicht: Schau dir einfach nur einmal an, bei welchen Geschichten/Stories das rote Rufzeichen in der Kleinen Zeitung erscheint …

Der Leser als Chefredakteur

Warum ich kein Chefredakteur werden will? Weil das – abgesehen, dass man zum Verwalter von Platz degradiert wird – kein Job mit Zukunft ist.

Schaut man ins Web, wird eines sofort klar: Die größte Konkurrenz für Medienhäuser kommt von ihren Lesern. Sie haben nun Werkzeuge in der Hand, sich die für sie interessantesten Nachrichten selbst zusammen zu stellen. Leser werden zu ihren eigenen Chefredakteur — das betrifft die individuelle Auswahl an Themen ebenso wie deren Gewichtung durch die Masse.

Der 29jährige Internet-Unternehmer Kevin Rose hat mit seiner Website digg.com genau diese Idee aufgenommen. Nutzer tragen dort Themen zusammen, bewerten und kommentieren diese. Gefällt einem Leser eine Nachricht, kann er dies mit einem simplen Klick kundtun. Je mehr Leser eine Nachricht in einer bestimmten Zeit „diggen“, desto besser und relevanter ist sie offensichtlich. Acht Millionen tägliche Besucher sorgen so dafür, dass keine irrelevanten Nachrichten nach oben kommen — eine Feedback-Schleife, wie sie ein gedrucktes Medium nie haben kann.

Wikio LogoWährend digg.com hauptsächlich auf Technologie spezialisiert ist, wächst in der französischen Schweiz eine echte Konkurrenz für europäische Medien heran: Wikio.com ist zwar noch im Teststadium, wird aber noch in diesem Sommer seine virtuellen Pforten öffnen und auch im deutschsprachigem Raum aktiv sein.

Web-Bürger als Journalist

Hier ist eine Geschichte, die ich Anfang Juni für die Furche geschrieben habe.

Der Web-Bürger als Journalist

Im Web entsteht eine neue Medienlandschaft: Blogger, Podcaster und Hobbyfilmer machen Medienkonzernen ungeniert Konkurrenz.

Wie viel Geld braucht man, um eine Tausendschaft treuer Leser zu bekommen? Null Cent. Genau diese Summe kostet es, einen Weblog einzurichten. Ein Mikro und ein Laptop reichen aus, um den Radios der Welt Konkurrenz zu machen. Mit einer simplen PC-Webcam für schätzungsweise 30 Dollar drehte der US-Teenager Anthony Padilla ein Video, das binnen sechs Monaten über zwölf Millionen mal angesehen wurde.

Nie zuvor gab es eine Zeit, in der sich die Medienlandschaft so radikal veränderte, wie jetzt. Die nächsten ein, zwei Jahre werden mehr Veränderungen für die Medienindustrie bringen als all die Jahre seit dem Druck der ersten Tageszeitung. Das Web und digitale Produktionsmöglichkeiten versetzen ihre Nutzer in die Lage, es mit den größten Medienkonzernen der Welt aufzunehmen.

Seit der Erfindung des WorldWideWeb durch Tim Berners-Lee im Jahre 1989 ist die Rede von der Demokratisierung der Medien. Zwar konnte bereits damals ein jeder seine eigene Homepage einrichten, zum Phänomen der Massen wird das allerdings erst jetzt. Die Zeit ist endgültig reif für die so genannten „Bürgermedien“: Es ist immer einfacher und billiger geworden, ausreichend viele Nutzer bevölkern das Web, mobile Geräte wie Apples iPod gehören zur Lifestyle-Standardausstattung und die technische Basis zum Abo jeglicher Inhalte ist da.

Browse-Search-Subscribe

Der Softwareentwickler Dave Winer schuf 1999 einen Mechanismus, der Texte, Audio-Dateien oder Videos auf Wunsch in der Sekunde auf den Rechner des Medienkonsumenten lädt, in der sie veröffentlicht werden. Diese Technik nennt sich RSS (Really Simple Syndication) und sorgte für einen Paradigmen-Wechsel im Web: Von Durchblättern (Browse) über die Suche (Search) hin zum Abo (Subscribe).

Die ersten, die Gebrauch von den neuen Mediendistribution machten, waren Blogger. Sie hatten mit RSS ein Werkzeug in der Hand, ihre Webjournale untereinander zu vernetzen. Plötzlich war es nicht mehr nötig, hunderte Nachrichtenquellen manuell im Webbrowser anzusteuern, sondern alle relevanten Inhalte in Echtzeit in einem Programm zu lesen.

Mit den neuen Möglichkeiten verbreiteten sich auch Weblogs rasant. Aktuelle Schätzungen gehen von weltweit 50 bis 70 Millionen Blogs aus. Das Wachstum ist schwindelerregend: Die Anzahl der bei der Blogsuche Technorati vertretenen Webjournale verdoppelt sich alle sechs Monate. Ein Vergleich zeigt allerdings große regionale Unterschiede: Während in Österreich und Deutschland „nur“ rund 350.000 Personen ihren Weblog aktiv führen, sind es in Frankreich bereits über drei Millionen. Mit ein Grund dafür dürfte das Bild von exhibitionistischen Tagebüchern in unseren traditionellen Medien sein. Dieses Image stimmt aber ganz und gar nicht. Zwar gibt es – wie in der gedruckten Medienlandschaft auch – unendlich viel Müll, dazwischen finden sich aber wahre Content-Perlen.

Weblogs gibt es zu jedem denkbaren Thema – von Bienenzüchtern über Fußball-Fans und Autoliebhabern hin zu zynisch-witzig geschriebenen Kolumnen über das jeweils andere Geschlecht. Sie sind Ausdruck eines weiteren Phänomens im Internet: des so genannten „Long Tails“, eines unendlich langen Rattenschwanzes individueller Einzelinteressen. Welche Tageszeitung würde schon über neueste Entwicklungen im Flugzeugbau berichten? Welches Fachmagazin könnte tiefschürfend auf die Interessen der Züchter einer speziellen, exotischen Pflanzen eingehen? Im Internet ist das möglich, denn die Produktionskosten sind gleich null. Dazu kommt der Faktor Zeit: Weblogs sind schnell und ungefiltert geschriebene Texte. Wann immer eine Nachricht ausbricht, ist das Internet als Verteilmedium weit schnell als es Druckerpressen je sein können.

Stimmt die Qualität der Inhalte und publiziert der Blogger fleißig, kann seine Leserschaft schnell in den vierstelligen Bereich wachsen – ohne jemals einen Cent in die Werbung stecken zu müssen. Verantwortlich dafür ist die Software, die hinter den Weblogs steht. Mit einem einfachen Mechanismus macht sie Suchmaschinen nach jeder Änderung darauf aufmerksam, dass neue Inhalte vorhanden sind. Und weil Google & Co. regelmäßig aktualisierte Websites bevorzugen, stehen Blog-Inhalte bei den Suchergebnissen immer recht weit oben.

Nutzer als Programmdirektor

Auch die Audio- und Videodateien der „Podcaster“ werden über das Web vertrieben. Podcasting, laut Encyclopedia Britannica das Wort des Jahres 2005, leitet sich von iPod und „Broadcasting“ (engl. für ausstrahlen) ab. Meist sind es drei bis 20 Minuten lange gesprochene Radiobeiträge im MP3-Format, die nicht über den Äther sondern in regelmäßigen Abständen über das Internet verbreitet werden. Auch hierbei kommt derselbe Abo-Mechanismus wie bei Weblogs zum Tragen. Einmal ins Netz gestellt, wird die Sendung wenige Minuten später auf den PC geladen. Auf Wunsch gelangt sie auch gleich auf den portablen Medien-Player.

Die Verbreitung von Podcasts nimmt rasant zu, weil sie ein Bedürfnis der Nutzer treffen: Der Hörer wird zum Programmdirektor und konsumiert die von ihm gewünschten Inhalte wann und wo er will. Neben Timeshifting ist auch die Einfachheit der Technik ein Grund für den großen Erfolg: Dank der iTunes-Software von Apple ist ein Podcast mit einem Mausklick abonniert.

Den Erstellern von Podcasts geht es in der Regel weniger um Quote und Reichweite als um das Thema selbst. Ihre Leidenschaft zu einem bestimmten Bereich ist hörbar. An Inhalten ist das Angebot ebenso reich wie bei den Weblogs. Von den Selbstgesprächen eines frustrierten deutschen Tankwarts über aktuelle Nachrichten und Wissenschaftsbeiträge bis hin zu Sprachkursen gibt es nichts, das es nicht kostenlos zum Download gibt.

Explosion von Inhalten

Während der Umgang mit Tastatur und Textverarbeitung schon als Kulturtechnik angesehen werden kann, ist der Umgang mit Audio und Video noch eine Herausforderung. Je mehr wir uns aber von analogen, hin zu digitalen Produktionstechniken bewegen, desto einfacher und billiger wird die Produktion der Inhalte. Damit geht eine Explosion der Inhalte einher. Rund 70.000 verschiedene Podcasts soll es weltweit geben und das Wachstum ist nicht linear, sondern exponentiell. Im deutschen Podcast-Verzeichnis podster.de sind aktuell 2069 Podcasts gelistet, 1075 davon sind aktiv, das heißt in den letzten vier Wochen aktualisiert worden. Jeden Tag kommen 30 bis 50 neue hinzu.

Die Zahl der Hörer wächst ebenso schlagartig. Im deutschsprachigem Raum geht man von 800.000 bis 1,1 Millionen Podcast-Nutzern aus. Weltweit sollen es über zehn Millionen sein.  Amanda Congdon verzeichnet täglich etwa 350.000 Downloads ihres dreiminütigen Web-Videos Rocketboom, die Spitze liegt bei 1,2 Millionen an einem Tag. Die Audiodateien von Podtech.net werden 6,6 Millionen mal pro Monat herunter geladen und die Insider-Videos auf Microsofts Channel 9 bringen es auf drei Millionen Besucher (unique visitors) pro Monat.

Der wöchentliche Werbeumsatz bei Rocketboom beläuft sich mittlerweile auf 85.000 Dollar und das bei minimalen Produktionskosten. Ein besserer Camcorder, eine im Wohnzimmer aufgehängte Weltkarte und ein paar Dollar im Monat für den Server reichen aus. Vor der Kamera sitzt Amanda, hinter der Kamera steht ihr Partner Andrew Baron – weiteres Produktionspersonal oder Management gibt es nicht.

Diese Zahlen belegen, dass enorm viel „Juice“, wie man im Silicon Valley sagt, in den neuen Medienformen steckt. Dementsprechend fließt das Risikokapital in den USA in Strömen. Adam Curry, Ex MTV-Moderator und Miterfinder von Podcasting, bekam unlängst 8,8 Millionen Dollar für sein Unternehmen Podshow, Podtech.net streifte bei der ersten Finanzierungsrunde sechs Millionen ein.

Werbung, die kaum zieht

Das Geld soll mit Werbung zurück kommen. Je themenspezifischer, desto geringer die Streuverluste – das freut die Werbewirtschaft und so fließt ein immer größerer Teil ihrer Ausgaben ins Web. Google ist die klare Nummer eins am Online-Werbemarkt, die Anzeigen des Suchmaschinenbetreibers finden sich selbst im letzten Winkel des Internets. Ob diese Form der Werbung wirtschaftlich ist, muss sich allerdings erst zeigen.

Beim Konkurrenten Microsoft spricht man offiziell davon, dass rund jede zweihundertste Anzeige auch angeklickt wird. Eine optimistische Zahl, viele Weblog-Betreiber sind da skeptischer. Mehrere tausend Nutzer pro Tag über mehrere Monate bringen es bei einigen auf Werbeumsätze, die über einen hohen zweistelligen Centbetrag nicht hinausgehen. Dazu kommen Untersuchungen, die zeigen, dass je besser ausgebildet ein Nutzer ist, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass dieser auf Online-Anzeigen klickt.

Konsumiert wird, was interessiert

Für viele der neuen „Citizen Journalists“ ist Geld aber ohnehin nicht einzige Motivation. Es geht mehr um Anerkennung und Aufmerksamkeit. Und je mehr Aufmerksamkeit Weblogs, Audio- und Video-Podcasts gewinnen, desto schwerer wird es für Medienkonzerne, ihre Klientel bei Massenmedien zu behalten. Ihre Bedeutung werden diese zwar nie ganz verlieren, in einzelnen Zielgruppen werden die Verluste aber schon jetzt deutlich.

Die Medienlandschaft im Web wird immer breiter und gleichzeitig spezialisierter, der Medienkonsument auf der einen Seite immer selektiver. Durch Abomechanismen ist es ihm schon heute möglich, sich einmal eine maßgeschneiderte Online-Zeitung zusammen zu klicken, die sich fortan in Echtzeit und auch noch kostenlos füllt.

Die nächsten Jahre werden prägend für Medienhäuser sein. Sie müssen ihren Anteil am Werbekuchen mit Innovationen verteidigen und Journalisten müssen ihre Online-Konkurrenten erst verstehen lernen. Das geht sicher nicht, indem sie von oben herab blicken, sondern im Wissen, dass auch Otto Normalbürger auf ihrer Augenhöhe schreibt. Im Gegensatz zu der in den letzten Jahren stattgefundenen Konzentration der traditionellen Medien wird die Landschaft durch das Web enorm bereichert, das Meinungsspektrum fast unendlich größer.

Presseaussendungen via RSS

RSS Icon 32Ich bekomme jeden Tag 70 bis 120 E-Mails, gut 85 Prozent davon sind Presseaussendungen und jeden Tag werden es ein bis zwei mehr. Es ist ein Horror, wer glaubt, mir alles Nachrichten schicken zu müssen! Ausnahmslos jeder, der mir eine irrelevante Presseaussendung schickt, bekommt die „unsubscribe“-Antwort. Gerade jetzt erging so eine Nachricht an den Welser Abwasserverband. Ich bin Kärntner. Was interessiert mich, dass eine Kläranlage in Wels ihre Kapazität vervierfacht hat?

Ich würde mir wünschen, selbst Kontrolle darüber zu haben, wer mir welchen Content zukommen lasst. Ein Weg dahin wären RSS-Feeds. Obwohl RSS noch lange nicht so verbreitet ist, dass es E-Mail-Aussendungen ersetzen könnte, gibt es aber schon einige Beispiele:

Daneben gibt es noch die Meldungen von APA-OTS und Pressetext.at als RSS-Abo und bald kommen Microsoft Österreich und der Landespressedienst von Kärnten dazu kommen.

Warum mir RSS-Aussendungen weit lieber sind?

  • Weil ich als Journalist wieder die Kontrolle darüber habe, welche Informationen ich bekomme.
  • Weil ich jederzeit von mir aus das Abo kündigen kann.
  • Weil ein Mausklick reicht, um einen Feed wieder abzubestellen. So stehlen mir Inhalte, die für mich irrelevant sind, nicht weiter meine Aufmerksamkeit.

Also, liebe PR- und Werbetreibenden: Kümmert euch um RSS-Feeds. Es kommt sowieso und so könnt ihr schon einmal was lernen.

Leser werden Reporter

Daniela Terbu schreibt über die Kleine Zeitung. Diese Woche haben den Leser Reporter gestartet. Weil ich für die Kleine arbeite, wurde ich in letzter Zeit ein paar Mal darauf angesprochen. Hier ein paar Gedanken dazu:

Das Projekt Leser Reporter wurde nicht eingeführt um zu einem neuen Denunziantentum zu führen. Vielmehr meine ich soll damit ausgedrückt werden, dass unsere Leser oft mehr wissen als wir Journalisten. Wenn ich eine Geschichte über irgendetwas schreibe, dann ist unter unseren Lesern ganz sicher einer, der sich mit dem Thema weit mehr auskennt, weil er sich damit auch mehr beschäftigt.

Wenn ich über das Web schreibe, gibt es dutzende, hunderte oder vielleicht sogar tausende Leser, die damit arbeiten, ihr Geld damit verdienen. Warum soll man nicht auf die hören.

Dazu kommt noch, dass wir gar nicht überall sein können. Unsere Leser sind an weit mehr Orten – sie sind eigentlich überall, wo etwas passiert. Was liegt also näher, als sie einzubinden?

Wenn man auf seine Leser hört, wird man auch mehr Gespür dafür bekommen, was sie interessiert und was sie bewegt. Nur so kann das Medium als solches besser werden. Nur so ist es näher am Leser.

Dann wäre da noch die Leserbindung. „Schau, heute ist mein Sohn in der Zeitung!“ Wenn so ein Satz einmal von einem Leser kommt, ist das besser als jede Werbung.