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Interview mit MS Virtual-Earth-Chef

Ich warte ja immer noch sehnsüchtig darauf, dass das angekündigte Stadtmodell von Graz bei Microsofts Virtual Earth bzw. Live Local Realität wird. Für diesen Anlasse habe ich ein Video vorbereitet, dass ich nun aber dennoch in die unendlichen Weiten des Webs entlasse. Wer weiß, ob es nicht irgendwann nimmer aktuell ist.

Im Mai hatte ich bei der Eröffnung von Microsoft Photogrammetry, einer Tochter von Microsoft Research, die Gelegenheit mit Stephan Lawler, dem General Manager von VE zu reden. Wohlwissend, dass es einen großen Abstand zu Google (Maps, Earth, etc.) gibt, was die Nutzerzahlen anlangt, investiert man eine Menge Geld. Der Fokus liegt hier weniger auf dem breiten Publikum als auf Geschäftsanwendungen.

Hier das Interview mit Stephen, indem er darüber redet, wie der Rückstand wieder aufgeholt wird, wie man wiki-like, die Nutzer einbinden will und wohin web-basierte Geodienste in Zukunft gehen:

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Zeige Video in einem neuen Fenster.

Die beste Kamera der Welt

Ob die Kamera am Hubble-Weltraumteleskop besser ist, kann ich nicht beurteilen. Auf alle Fälle, sollte die UltraCamX das beste sein, was man auf Erden und in der Luft verwenden kann.

Entwickelt wurde sie in Graz bei Vexcel, um Luftbilder von Flugzeugen aus zu machen. Sehr vereinfacht erklärt: Sie wird in den Rumpf eines Flugzeuges eingesetzt und schießt ein Foto nach dem anderen. Daraus entstehen dann die Luftbilder, die wir von Virtual Earth, Google Earth & Co. kennen.

Die Kamera und das Vexcel-Team waren so gut, dass Microsoft keinen Auftrag gab, sondern die Firma im Vorjahr gleich kaufte. Seitdem wird sogar Google (zumindest) in der Luft überholt.

Vor zwei Wochen wurde das neue Büro von Microsoft Photogrammetry in Graz eröffnet, und ich durfte es mir unter die Lupe nehmen. Bei dieser Gelegenheit konnte ich auch ein interessantes Video-Interview („Who are you?“) mit Franz Leberl, den Gründer von Vexcel machen. Here we go – nach einer Minute „Vorspiel“ geht’s los.

Bevor jetzt jemand auf die Idee kommt, die UltraCamX im Elektromarkt zu suchen, hier noch ein paar technische und finanzielle Daten:

  • Die Kamera besteht aus drei Teilen: Dem Sensor, dem Bildchip und der Dateneinheit.
  • Auflösung: 14.430 x 9420 Pixel. In Summe macht das schlappe 216 Megapixel am CCD-Sensor. Es arbeiten 13 CCD-Sensoren gleichzeitig. Die Farbtiefe beträgt übrigens 12 Bit je Pixel und Grundfarbe.
  • Acht Linsen: Die Objektive für meine Nikon sind schon unleistbar – ich will erst gar nicht denken, was man für einen „Tamron-Nachbau“ für die UltraCam ablegen muss.
  • Abgesehen, dass sie recht sperrig ist – zum Photowalken würde ich das sauschwere Monstrum auch nicht mitnehmen 🙂
  • Datenbus: Drei Gigabit pro Sekunde werden ständig von der Kamera zur Verarbeitungs-Unit bewegt. 15 CPUs sind parallel damit beschäftigt, die Daten zu verarbeiten und zu speichern.
  • Die Festplatten sind austauschbar und können jeweils 4.000 Fotos speichern.
  • Preis: 600.000 Euro (ohne Flugzeug, das in einer kleinen Ausführung allerdings billiger wäre).

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Gebaut wird die Kamera übrigens (Vorsicht: Lokalpatriotismus) in Kärnten bei Wild Austria.

Wo liegen die großen Herausforderungen?

  • Die Kamera muss unter allen Umständen gestochen scharfe Bilder liefern.
  • Sie muss dabei starken Vibrationen ebenso trotzen wie hohen Temperaturunterschieden.
  • Sie muss eine extrem hohe Bitrate liefern können. Wenn man auf spiegelnden Dächern oder in tiefdunklen Häuserschluchten noch etwas erkennen will, braucht man mehr als die acht Bit einer herkömmlichen Kamera. Die Kamera nimmt 14 Bit auf, gerechnet wird mit 16 Bit und zur Geltung werden 12,9 Bit gebracht – das sind 7400 Grauwerte für jede Grundfarbe (rot, grün, blau).

Ihr größter Vorteil: Sie ist digital. Das klingt jetzt eigenartig, aber der Standard für die Befliegung ist immer noch analog. Die Bilder müssen so nicht erst gescannt werden, sondern können gleich entzerrt und auf das Höhenmodell gelegt werden.

Apropos Höhen: Der eigentliche Grund für die Übernahme von Microsoft war laut Leberl nicht die tolle Kamera. Bei Vexcel hat Microsoft angefragt, ob sie in kurzer Zeit, „Städte in die Höhe wachsen lassen“ können. Soll heißen: Durch eine entsprechende Überlappungen der Orthofotos können die Konturen automatisch erkannt werden. Vexcel hat einen Algorithmus entwickelt, mit dem man dank stark überlappter Fotos (mit Digitaltechnik kein Problem), Häusermodelle nachbauen kann.

4000 davon sollen in den nächsten zwei Jahren in Virtual Earth drinnen sein. Graz wird in wenigen Tagen freigeschalten. Als Teaser gibt’s ein auch schon ein Video, wie das aussehen wird. In Echt kann man sich das schon jetzt etwa für New York ansehen (3D-Plugin nötig).

Ich habe übrigens auch ein Videointerview mit Stephen Lawler, dem Chef von Virtual Earth, gemacht. Das folgt in den nächsten Tagen.

team

Die Welt von oben

Ich bin morgen bei Microsoft Research (aka Vexcel) in Graz. Dort soll es eine größere Ankündigung geben und ich hab einen (Video-)Interview-Termin mit Stephen Lawler vom Local.live.com– und Virtual Earth-Team und Franz Leberl, dem Gründer von Vexcel.

Es wird sicher spannend. Hier eine kleine Sneak-Preview, wo man sich schon ein kleines Bild machen kann, worum es geht. Einfach drauf klicken!


Es wird ein ziemlich stressiger Tag, weil ich morgen abends auch eine Veranstaltung in Klagenfurt moderiere. Falls ich nicht gleich dazu komme, alle News auch hier zu posten – habt ein wenig Geduld.

Für die Katz

Galileo Satellit, (c) ESAMit Milliarden von Steuermitteln will die EU-Kommission 30 Galileo-Satelliten ins All schießen. Weil es andererseits das völlig kostenlose Navigationssystem GPS der Amerikaner gibt, lassen sich kaum Umsätze generieren. Wer bezahlt schon für etwas, das es anderswo gratis gibt. Daher scheint das private Trägerkonsortium zu zerbröseln. Die Frist zur Bildung einer Firma ließen die beteiligten Firmen mehrmals verstreichen. Daher will nun die EU das in einem Kraftakt selbst durchziehen.

Man möge mir aber erklären, warum wir das brauchen und wozu der Steuerzahler 2,4 Milliarden Euro tief in die Tasche greifen muss. Hier meine zwei Argumente zu den am meistgenannten Gründen der Befürworter.

Höhere Genauigkeit
Das stimmt: Galileo ist dank neuerer Technik weit präziser als GPS. Während die Amerikaner im allerschlechtesten Falle 15 Meter daneben liegen, soll Galileo lediglich eine Ungenauigkeit von einem Meter aufweisen.

Aber: Wer von seinem Navi 15 Meter vor eine Pizzeria geleitet wird, kann – so er halbwegs intelligent ist – den Eingang nicht mehr übersehen.

Unabhängigkeit von den USA
Hier ist das Thema schon ein wenig komplexer. Wann immer die USA im Krieg sind, behalten sie sich das Recht vor, Teile des Systems oder alle Satelliten ohne Vorwarnung abzuschalten. Nur die eigenen Streitkräfte könnten dann noch mit Hilfe spezieller Codes navigieren.
Das ist vor allem dann kritisch, wenn nicht gerade befreundete Verbände (Terroristen und andere Bösewichte) in den Besitz von GPS-gesteuerten Lenkwaffen kämen. So könnten diese mit amerikanischer Hilfe Amerikaner treffen.

Aber: Kein Mensch wird mir einreden können, dass die Europäer ihr System nicht ebenfalls zeitweise abschalten, wenn so ein Fall eintritt. Welcher europäische Politiker wird sich noch nach Washington trauen, wenn unsere Satelliten Waffen von Terroristen steuern?

Und außerdem: Die letzte regionale Abschaltung von GPS datiert ins Jahr 1991 zurück, als amerikanisch Streitkräfte in Bosnien und Serbien eingriffen. Fußnote: Die Europäer haben es jahrelang nicht geschafft, Frieden in den Balkan zu bringen.

Und noch etwas: Am Markt sind hunderte Millionen GPS-Empfänger. Wenn Galileo 2013 im Volleinsatz ist, werden womöglich schon Milliarden von noch ausgereifteren GPS-Chips im Umlauf sein. Vielleicht wird jedes Handy bis dahin seine Positionsdaten von US-Satelliten bekommen.

Also, liebe EU: Geld sparen und etwas Eigenes, etwas Neues damit machen!

9. Oktober 2006, 12 Uhr

In Kärnten gibt es noch relativ wenige Flecken, die man in guter Auflösung und halbwegs aktuell von oben betrachten kann. Lediglich Villach ist per Google Earth hoch aufgelöst.

Seit Kurzem kann man aber auch Klagenfurt aus der Vogelperspektive betrachten. Nicht etwa KaGIS, Google oder Microsoft bieten das Material an, sondern Herold. Wie mich Werner darauf aufmerksam gemacht hat, habe ich mich auf die Suche nach Hinweisen gemacht, wann die Bilder geschossen wurden und bin auf den 9. Oktober gekommen. Dem Sonnenstand zufolge müsste der Überflug zwischen 11 und 13 Uhr stattgefunden haben.

Wie ich darauf komme? Es gibt eine Webcam, mit der man den Baufortschritt beim neuen Wörthersee-Stadion beobachten kann.

Wenn man nun den Stand der Dinge am 10. Oktober von oben betrachtet, kommt man zum gleichen Ergebnis. Sogar die Bauteile am Spielfeld liegen noch gleich.

Aber: Am 10. Oktober ist in Kärnten Feiertag und weil überall anders in der Stadt Autos auf Parkplätzen stehen, muss das Luftbild am 9. Oktober aufgenommen worden sein. 

Leider gibt es nur Klagenfurt hoch aufgelöst. Aber der Rest des Landes wird folgen. Mehr kann ich noch nicht sagen …

Und noch etwas Neues:
Wien und Graz gibt es demnächst als 3D-Städte virtuell zu betrachten. Microsoft arbeitet daran, die beiden größten Städte Österreichs dreidimensional aufzubereiten. Wer dafür verantwortlich zeichnet? Microsoft Research in Graz.

Luftkrieg mit Grazer Hilfe

Ich bin heute auf eine interessante Geschichte gestoßen: Google und Microsoft haben sich am Australia-Day (am 26. Jänner) eine Luftschlacht geliefert, die von Bill Gates letztendlich mit österreichischer Hilfe gewonnen wurde.

Beide Unternehmen kündigten an, am Nationalfeiertag Flyover durchzuführen. Dabei wurden mit Kameras, die am Flugzeugrumpf montiert sind unendlich viele Fotos geschossen, die mittlerweile in Google Maps, Google Earth sowie Microsoft Live Local eingeflossen sind.

Beide Kontrahenten warben eifrig für den Australia Day. Man sollte Ausschau nach den Flugzeugen halten, winken und sich so in den jeweiligen Mapping-Produkten verewigen können.

Während Googles Info dafür ist wieder offline ist, erfreut sich Microsofts Site nach wie vor großer Beliebtheit. Im Unterschied zu Google bot man auch den Beteiligten am Boden an, Fotos vom Nationalfeiertag online zu stellen. So entstand nicht nur ein Riesen-Fotoalbum von oben, sondern auch eines von unten.

Google hatte mit einem Problem zu kämpfen. Australiens Regierung erlaubte an diesem Tag keine Tiefflüge über Sydney und anderen Städten. Ein Pech, denn Googles Ausrüstung war nur für absolute Tiefflüge ausgelegt. Man flog dennoch, nur höher und so beklagten sich einige, dass ihre Dachparty nicht zu sehen war, die geplante Gratis-Werbung nur aus wenigen nicht erkennbaren Pixeln bestand oder die Entschuldigung bei der Ex-Freundin ins Wasser fiel.

Microsoft dagegen konnte höher fliegen und so trotz Tiefflug-Verbots immer noch scharfe Bilder liefern. Der Grund dafür liegt in Graz. Im Mai 2006 übernahmen die Redmonder den dort ansässigen Imaging-Spezialisten Vexcel. Seither ist Graz der einzige Standort von Microsoft Research in Österreich und nur einer von insgesamt fünf in Europa.

In der Steiermark wurde die Ultra Cam entwickelt – eine auf einem Flugzeugbauch montierte hoch auflösende Kamera, die derzeit wohl alles andere in den Schatten stellt.

Ihre Auflösung beträgt rund 86 Millionen Pixel. Wird aus einer Höhe von 500 Metern fotografiert, entspricht Pixel einer Fläche von 5 x 5 cm.

Die Farbtiefe beträgt 12 statt der üblichen acht Bit. Daher ist der Dynamikumfang auch etwas höher. In einer Unit können insgesamt 1,5 Terabyte Daten gespeichert werden – das sind also 2700 unkomprimierte Luftbilder. Schnappschusskamera ist sie mit einem Gewicht von 45 Kilogramm allerdings keine.

Wie ich schon vor einiger Zeit gehört habe, gab es vor kurzem auch in Kärnten einen Flyover oder dieser steht unmittelbar bevor. Bin schon gespannt, was daraus wird!

Willkommen am Balkan

Navteq hat es geschafft und Microsoft war schneller. Worum es geht? Geo-Dienste.

Für Webdienste wie Live Local oder Google Earth war ab der Österreichischen Südgrenze schuss. Es war nicht nur eine geografische Grenze – alles südlich davon war ein buchstäblich weißer Fleck auf der Landkarte. Das hat sich vor kurzem bei zumindest einem der beiden Dienste geändert.

Eben habe ich einer Freundin, die nicht weiß, wo ich wohne (46°62’09,26″ N 14°31’13,71″ O), meine Koordinaten geschickt. Wie ich da noch ein wenige mehr mit Live Local gespielt habe, ist ist mir etwas Interessantes aufgefallen: Die haben den kompletten Balkan drinnen. Google kennt höchstens die Autobahnen.

local-live google

Der Microsoft-Dienst kennt aber nicht nur Laibach, sondern auch Zagreb, Sarajewo. Und selbst in kleineren Orten wie Zenica oder Krajn kann man Straßenkarten nutzen. Well done.

Und noch eine Neuigkeit gibt’s in Bezug auf Geodienste. Google Earth hat ein paar hochauflösende Flecken mehr auf seiner Landkarte: im Raum Villach kann kan bis in die Häuserschluchten hinunter zoomen. Graz und Klagenfurt sind leider noch nicht drinnen 🙁 Aber ich hoffe, das wird schön langsam.