RSS: Beginnt das Umdenken?

Die Möglichkeit, Websites oder Blogs mit relativ einfachen Mitteln (RSS und einem Feedreader) zu abonnieren, ist immer noch nicht Mainstream. Während das noch ein wenig dauern wird, bietet so gut wie jede neue Website, Feeds an.

Die Medienhäuser haben aber – wie es scheint – ein wenig Angst davor. Es gibt zwar keine Online-Niederlassung eines Offline-Medienunternehmens, das auf Feeds verzichtet. Nur kommen die unisono so daher:

fuzo kleine heise

Verkrüppelt, verkürzt, auf den Titel und höchstens noch einem kurzen Teaser reduziert.

Man kann es den Medienhäusern nicht verübeln: Ihre Währung sind immer noch Page Impressions oder Klicks. Erst vorgestern habe ich mit jemandem aus einem großen Online-Medienunternehmen darüber gesprochen. Sie meinte, das sei nicht einfach. Ihre Zielvorgaben würden keine Strategien erlauben, die auf weniger Page Impressions hinaus laufen würde.

Das ist kurzfristiges Denken – gleich aus mehreren Gründen.

Leider erst nach dem Gespräch habe ich erfahren, dass der britische Guardian seit einem Monat Fulltext-Feeds für alle Ressorts und Rubriken anbietet.

guardian

Es ist die Usability, die Feeds auszeichnet. Das Auge muss sich nicht bei jeder Website an neue Fonts, ein neues Layout gewöhnen. Ohne Fulltext-Feeds wären auch so manche NewMedia-Konkurrenten der traditionellen Medienhäuser nie auf hohe sechsstellige Abonnentenzahlen gekommen. Techcrunch, ReadWriteWeb oder Ars Technica stechen mit wenigen Redakteuren gewachsene Medienhäuser wie Heise.de aus. Auch dank der von ihnen angebotenen Full-Text-Feeds.

Zweitens – auch das kündigt der Guardian an – wird es in den Feeds demnächst Werbung geben. Welch bessere Methode kann es geben, um mehr Ad-Impressions zu generieren?

  • Wenn nicht mehr angezeigt wird, als eine Überschrift die mich nicht interessiert, werde ich die Ad auf der eigentlichen Seite nicht sehen. Ich werde die Seite NIE besuchen.
  • Wenn der ganze Feed aber mitsamt Anzeigen ausgeliefert wird, sehe ich JEDE Anzeige.

Klingt logisch, doch die Medienhäuser verstehen das nicht. Warum? Weil sie blind den falschen Währungen nachlaufen. Sie denken an PageImpressions und nicht in Euro.

RSS eignet sich auch hervorragend, Offline-Zugang zu Nachrichten zu bieten. Doch dabei – werden jetzt die Kritiker sagen – werden keine Ads eingeblendet. Auch das muss nicht stimmen, denn Bilder lassen sich als Enclosures mitschicken. Noch beherrschen das nicht alle Feedreader. Aber auch das wird noch …

Zurück zum Guardian: Warum macht er so etwas? Antwort im Blog: „Damit der Leser die Nachrichten in jedem Kontext lesen kann.“

Ein gutes Argument, denn mir schreibt doch auch niemand vor, ob ich eine Zeitung nur am Klo oder bei Tisch lesen darf. Digitale Informationen sind nicht an einen physischen und nicht einmal an einen virtuellen Ort gebunden. Die Medienmacher täten gut daran, RSS als das zu sehen, was es ist: Eine Methode, Inhalte auszuliefern – und zwar gleichberechtigt mit dem Web. Man müsste einfach nur die Furcht abwerfen und die Chancen erkennen.

PS: Eines habe ich noch vergessen: Wenn schon Ads, dann keine, die blinken! Dann hilft nämlich das ganze RSS-Zeugs nicht, weil man den eigentlichen Text dann schwerer lesen kann.

Geben statt klagen

Wie man mit dem “Piraterie” auf YouTube umgeht, zeigten diese Woche die Mony Pythons eindrucksvoll mit einem eigenen Channel.

Im Gegenzug für hochqualitative Videos erwartet man sich, dass die Nutzer auf die Links in den Videos klicken und deren Filme und Serien bei Amazon kaufen.

Der Ansturm ist gewaltig, das Intro-Video wurde bereits über eine Million Mal gesehen. Wetten, dass es ihnen mehr bringt, als wenn sie gegen die Nutzer arbeiteten oder gar klagen würden? Dass die Briten das Netz verstehen, zeigt etwa John Clsese, der höchstpersönlich twittert, bloggt und einen Podcast hat.

Video for the masses

Wie sagt man jemanden etwas über die Erstellung von WebVideos, der damit bisher nur wenig am Hut hatte? Ich hab’s probiert. Eure Meinung dazu? Ich hab’s einmal runter geschrieben und muss zweifelsohne noch über den Text drüber gehen. Hier eine Vorab-Version.

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Die Farbe habe ich mir übrigens nicht ausgesucht und sie ist auch noch nicht endgültig 🙂 Kritik erwünscht!

PS: Jetzt ich die aktualisierte Version online.

"A gigantic compliment for The Times"

Normalerweise kostet die New York Times, eine meiner Lieblingszeitungen, etwas. Gestern gab es sie gratis. Allerdings nicht die echte, sondern eine täuschend echt aussehende Kopie derselben.

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In der Ausgabe wurde das Ende der Kriege im Irak und in Afghanistan ebenso verkündete wie die Schließung des Gefangenenlagers in Guantanamo Bay oder einen UNO-Bann für alle Waffen. Geschaffen wurde die “unauthorisierte Ausgabe von liberalen Witzbolden”, wie es in einem Blogeintrag der echten Times heißt.

Erkennbar ist die 14-seitige Fälschung lediglich am Datum (4. Juli 2009) und an dem Spruch in der Titelleiste: “All the News We Hope to Print”.

Rund 30 Mitarbeiter (drei davon angeblich von der Times selbst) sollen daran sechs Monate lang gearbeitet haben. 1,2 Millionen Exemplare wurden über Nacht gedruckt und mit rund 1000 Freiwilligen in sechs Städten der USA verteilt. Sogar eine täuschend echte Kopie der Website der NYT wurde eingerichtet: www.nytimes-se.com. Die Parodie habe “weniger als 100.000 Dollar gekostet”, wird ein Sprecher der Gruppe in der Washington Post zitiert. Aufgetrieben wurde das Geld durch Spenden.

Bei der New York Times will man den Vorfall untersuchen, glaubt aber selbst nicht an rechtliche Schritte. Die Aktion würde als “fair use” sogar im Copyright-Gesetz der USA durchgehen.

Die New York Times war bereits mehrmals “Ziel” von gefälschten Witzausgaben. 1978 und 1999 wurden ähnliche Ausgaben jeweils am 1. April verteilt.

Der bereits erwähnte Blog der NYT sprach dazu auch mit Alex S. Jones. Der Leiter des Joan Shorenstein Center on the Press in Harvard und ehemalige Times-Mitarbeiter meint zur ganzen Sache:

“I would say if you’ve got one, hold on to it,” Mr. Jones, a former Times reporter, said of the fake issue. “It will probably be a collector’s item. I’m just glad someone thinks The New York Times print edition is worthy of an elaborate hoax. A Web spoof would have been infinitely easier. But creating a print newspaper and handing it out at subway stations? That takes a lot of effort.”

He added, “I consider this a gigantic compliment to The Times.”

Die ganze Sache brachte mich auf eine Frage: Wie würde eine Parodie-Ausgabe der Kleinen Zeitung aussehen? Vielleicht so?

09-03-19

Im Prinzip ist es nicht schwer, eine gefälschte Zeitungsausgabe zu machen. Alles was man dazu braucht, sind InDesign, ein paar PDFs, um die Seiten nachzubauen. Die richtigen Schriften sind hilfreich und natürlich viele gute, täuschend echt geschriebenen Geschichten …

Eine Zattoo-Alternative

Nachdem sich der Zattoo-Start in Österreich bereits über ein Jahr verzögert, hab ich mich nach einer Alternative umgeschaut. Bekanntermaßen bin ich kein Fernseh-Typ, aber hin und wieder Nachrichten oder eine gute Doku vermisse ich schon. Und so mancher Webstream – wie etwa der von CNN – beinhaltet nicht dasselbe Programm wie „on air“.

Die Alternative: LiveStation.com. Den Player gibt es kostenlos für Windows, Mac und Linux. Für das Streaming muss man sich lediglich einmal mit der Mail-Adresse registrieren.

Das Senderangebot ist dürftig und nicht mit dem zu vergleichen, was es bei Zattoo gibt. Im Angebot gibt es:

  • Al Jazeera
  • BBC World News
  • BBC World Service (Audio only)
  • Bloomberg TV
  • C-Span
  • Deutsche Welle
  • Euronews in allen möglichen Sprachen
  • France 24
  • ITN
  • Nasa TV
  • Russia Today

livestation

via Bits und So

Adobe CS4: Das Update lohnt sich!

Immer wieder ist von der „Magic of Softwar“ die Rede. Was ist das eigentlich? Nun, was immer man sich vorstellen kann, kann man auch programmieren.
Ich frag mich oft, was man an Software noch – abgesehen von offensichtlichen Dingen – verändern kann? Welche Features man noch bringen kann? Welche Funktionen wir noch nicht zu Ende gedacht haben.

Es stellt sich raus, dass es immer wieder Neues gibt. Immer wieder gibt es irgendetwas, das man „neu erfinden“ kann. Das trifft auch auf die neue Version der Adobe Creative Suite (CS4) zu. Und immer wieder stellt sich bei Neuerscheinungen, die Frage, ob sich das Update lohnt. Im Falle von CS4 bin ich mir (trotz der Preise) sicher und ich habe auch schon von einigen (etwa der Wirtschaftskammer Kärnten) gehört, dass sie updaten. Here’s why!

Schon im September hab ich von Adobe ein paar DVDs bekommen. Der Inhalt: die Beta-Version des Creative Studio 4 (CS4). Um ehrlich zu sein, bin ich erst vor kurzem dazu gekommen, mir das alles näher anzuschauen.

Adobe CS4 Beta

Ich nutze nicht alle Anwendungen und alle Features. Es soll hier keine umfassende Review werden, sondern ich möchte lediglich ein paar Punkte aufführen, die ich gut oder weniger gut finde. Statt Screenshots binde ich Adobe-Videos ein, die viel mehr sagen als ich es mit Bildchen könnte. Mehr davon gibt es auf tv.adobe.com.

Hier gibt es auch eine 20 Minuten lange Feature-Tour zum Design Premium oder Production Premium und viele Lernvideos von Lynda.com.

Neues User Interface von CS4:
In den Videos sieht man ganz gut, dass Anwendungen wie Photoshop oder InDesign nun mehr Platz am Bildschrim freigeben. Das betrifft nicht nur die verbesserten Paletten und Werkzeuge, sondern auch die nun ersatzlos gestrichene Windows-Leiste ganz oben am Bildschirm. Am Mac schaut das ganze übrigens nicht ganz so toll aus, weil hier die Menüleiste immer noch vom Betriebssystem vorgegeben wird.

Auch der Umgang mit mehreren Dokumenten wurde einfacher: Bislang musste man im Fenster-Menü umständlich zwischen Dokumenten hin und herschalten. Jetzt erledigt man das viel einfacher mit Tabs am oberen Dokumenten-Rand.

So praktisch die Veränderungen auch sind, wundere ich mich, warum man das nicht quer über alle Anwendungen gemacht hat. Premiere etwa kommt noch im „alten“ Look daher.

Neu in Photoshop CS4:
Nur auf den ersten Blick hat sich nicht viel getan. Auffallend ist zuerst einmal nur das 3D-Menü. Dahinter verbergen sich jede Menge Features für die Arbeit mit dreidimensionalen Objekten.

Wozu das gut ist? Unlängst hab ich bei Macbreak Weekly gehört, dass künftig ClipArts und Stock-Arts immer häufiger als hochqualitative 3D-Objekte verkauft werden. Ganze Studios sollen sich darauf spezialisieren. Ich kaufe mir also künftig kein Bild mehr, sondern ein 3D-Objekt, das ich mit der gewünschten Beleuchtung auf jeder Position in jedem Winkel platzieren kann, wie ich will.

Link zum Video: http://tv.adobe.com/#vi+f1556v1684

Genial ist Content Aware Skalieren. Die Idee dahinter: Wenn man etwas verkleinert, will man vielleicht unwichtige Dinge weg haben, um das Wesentliche beizubehalten. Man kann es ein- und ausschalten je nach Bedarf. Einfach nur cool!

Endlich ist Photoshop – wie auch andere Apps – in der Lage, die Power der Grafikkarte zu nutzen. Ergebnis: Auch bei „unrunden“ Zoomstufen erhält man nun schön gerenderte Bilder. Bis CS3 gab es dabei immer unschöne Treppchenbildungen.
Verbessert wurde auch die Raw-Unterstützung (Download von Camera RAW 5.1 für ältere Versionen) sowie der Umgang mit Masken und Ebenen. Gerade letzteres wurde so einfach, dass auch ich künftig hin und wieder davon Gebrauch machen werde.

Link zum Video: http://tv.adobe.com/#vi+f1555v1707

Neu in InDesign CS4:
Bei InDesign bekommt jedes Update ein neues Dateiformat. Das nervt, weil der Dokumentenaustausch über das Austauschformat INX nicht immer ganz zuverlässig arbeitet. Vor allem, wenn der Empfänger noch auf der Version CS unterwegs ist. Warum macht man das nicht wie bei Photoshop? Hier blieb das Dateiformat trotz vieler neuer Features seit einigen Versionen kompatibel.

Toll sind die Smartguides. Sie vereinfachen das genau Positionieren von Objekten, was die Platzierung von vielen Hilfslinien erübrigt. Praktisch finde ich auch den verbesserten Umgang mit verknüpften Dateien. Jetzt sieht man etwa auch ein Thumbnail der eingebetteten Datei, die etwa Probleme macht.

Link zum Video: http://tv.adobe.com/#vi+f1556v1689

Wenig anfangen kann ich noch mit dem Flash-Export von Druckdokumenten. Aber wer weiß – vielleicht gibt es ja dafür eine sinnvolle Anwendung.

Neu in Premiere Pro CS4:
Der größte „Pain in the Ass“ ist endlich Geschichte. Premiere CS4 importiert nun ENDLICH AVCH-HD-Videos. In CS3 war Adobe scheinbar zu geizig, um die Lizenzgebühren zu bezahlen und die Importmöglichkeit als Plug-In nachzuliefern. Auch so verkauft man Updates … Bislang musste ich immer einen Transcoder (Voltaic HD) zwischenschalten. Das kostete nicht nur viel Zeit, auch die Qualität wurde so nicht gerade besser. Jetzt muss ich nur noch das Video vom Camcorder reinziehen – fertig!

Außerdem wurde das gute Stück im Vergleich zu Premiere CS3 „sauschnell“. Es dürfte am meisten von der Grafikkarten-Unterstützung profitiert haben. Alleine das rechtfertigt meiner Meinung das Update. Aber auch der Export wurde stark verbessert: Der ist nun nicht nur deutlich schneller, man kann auch mehrere fertig geschnittene Videos nacheinander (als Batch) ins gewünschte Format transcodieren. Das alles passiert im Hintergrund, sodass man ganz normal weiterarbeiten kann.

Content auffinden ist jetzt weit einfacher, weil er besser organisiert ist. Ein Killerfeature ist allerdings die Spracherkennung in Videos. Beispiel: Ich suche die Stelle in einem Interview, wo die Rede von XYZ ist. Weil das Video indiziert ist, findet Premiere nun alle Stellen, in denen über XYZ gesprochen wird. Ausprobieren konnte ich das allerdings nicht, meine Beta nicht deutsch spricht.

Link zum Video: http://tv.adobe.com/#vi+f1555v1713

Was störte? Premiere war im Test die einzige App, die regelmäßig abstürzte. Ist die Arbeit in Photoshop, InDesign & Co. durchaus schon produktiv möglich, war das bei Premiere nicht der Fall. Aber es ist ja noch eine Beta.

Der Rest:
Auch die anderen Apps scheinen ebenfalls ordentlich erweitert worden zu sein. Weil ich mit denen allerdings etwas weniger zu tun habe, überlasse ich die Review anderen, die davon mehr verstehen.

Wann kommt es?
Die englische Version ist schon erhältlich, für die deutsche Version gibt’s etwa bei Amazon schon die Möglichkeit der Vorbestellung. War das Erscheinen ursprünglich für Dezember geplant, sollte es nun doch schon im November soweit sein.

Demo-Versionen gibt es noch keine, man kann sich jedoch anmelden und wird benachrichtigt, wenn diese zur Verfügung stehen.

An dieser Stelle noch eine Podcast-Empfehlung: Der CreativeSuite-Podcast liefert eine Menge guter Inhalte auf Video – kostenlos und frei Haus!

Hinterfragenswert: Die Roaming-Lobby [Update 2]

Gestern fand sie also statt, die große Roaming-Podiumsdiskussion der heimischen Mobilfunkbetreiber. Logischerweise folgte eine Presseaussendung: „Studie belegt: EU Roaming-Regulierung gefährdet Telekommunikations-Standort Österreich“.

In der selten langen Aussendung wird darauf eingegangen, wie sehr die sinkenden Roaming-Preise Österreich schaden:

  • Da ist von Preisobergrenzen die Rede, die stark gesunken sind.
  • Die Umsätze im ersten Halbjahr wären um 37,4 Prozent zurück gegangen.
  • Da wird beklagt, dass die Roaming-Minuten gleichzeitig nur um vier Prozent angestiegen sind.
  • Bedrohend stark würden die Investitionen sinken: minus 41,2 Prozent.
  • und vieles vieles mehr.

Ohne diese Studie zu besitzen sind lobenswerterweise nur wenige Medien auf diese Lobby-Veranstaltung hereingefallen. Einzig – und das schmerzt umso mehr – das Ö1-Mittagsjournal brachte dazu eine „Belangsendung“.

Ich habe versucht, die Studie vom Prof. Dr. Jörn Kruse von der Bundeswehr-Universität Hamburg zu bekommen. Geschickt wurde mir lediglich ein dürftiges PDF mit der Präsentation, die mehr Fragen aufstellte, als sie beantwortet wurden.

roaming

Meine Fragen hat es in keinster Weise beantwortet. Im Gegenteil: Ich bezweifle die Seriosität der Studie. Jeder Wissenschaftler, der sich dieses Themas annimmt, muss sich zumindest folgende Fragen stellen und diese in einer seriösen Roaming-Studie auch beantworten.

[Update1]: Mittlerweile habe ich Antworten von T-Mobile bekommen. Auf Reaktionen wirkliche Erklärungen und Anworten der Mobilkom oder Orange bzw. die Studie von Prof. Kruse warte ich jedoch weiter.

  • Umsatzaufteilung:
    Wie ist die Aufteilung der Roaming-Umsätze (EU- und Nicht-EU-Ausländer im Inland/Inländer in der EU/Inländer außerhalb der EU)? Erst wenn man das beantwortet hat, kann man von – durch die EU verordneten – Verlusten aus dem Roaming-Geschäft beziffern?
    T-Mobile: Die genaue Aufteilung der Roaming Umsätze der jeweiligen Betreiber wird nicht bekannt gegeben – die Studie von Herrn Prof. Kruse schildert hier einen sehr guten Branchenüberblick (auch wenn 3 nicht vertreten ist).
  • Wettbewerb um Firmenkunden:
    Wie groß ist die Umsatzminderung aufgrund von Rabatten an Firmenkunden? Großkunden bezahlen innerhalb wie außerhalb der EU weit weniger als Normalkunden und in letzter Zeit hat sich der Wettbewerb um die größten Firmenkunden stark auf das Roaming verlagert. In den USA bezahlt ein mir bekannter Großkunde bei einem großen Betreiber beispielsweise nur 18 Cent (netto, aktiv wie passiv).
    T-Mobile: Die Preisgestaltung obliegt den jeweiligen Anbietern. Wenn Die einzelnen Betreiber individuel zugeschnitte Pakete für gewissen Kundengruppen schnüren, obliegt das betriebswirtschaftlichen Überlegungen und geschieht aus freien Stücken.
  • Wettbewerb im Inland:
    Wie hoch sind die Umsatzminderung aufgrund des Wettbewerbs im Inland? Höher als beim Roaming? Sollte man sich nicht deshalb Sorgen um die Investitionen machen? Nach meinen Berechnungen betrug der Umsatzverlust der Mobilkom im Vorjahr beim Roaming nur 0,5 Prozent des gesamten Umsatzes und er liegt auch heute sehr wahrscheinlich noch über dem Niveau von 2005.
    T-Mobile: Die Umsatzminderung ist hoch, doch resultiert sie aus einer gesunden Wettbewerbssituation (Anmerkung: aus dem Kommunikationsbericht der RTR 2007 folgt, dass z.B. 2007 der Umsatzrückgang 5 % im Vergleich zu 2006 betragen hat, auf Vorleistungsebene um 14 %, hauptsächlich verursacht durch Regulierungsmaßnahmen (Roaming und Terminierung)). Diese Umsatzminderung prangern wir auch nicht an und sie ist ja auch im Sinne der österreichischen Kunden und wirkt sich auch positiv auf die Inflationsrate aus.
  • Die wahren Kosten:
    Wie hoch sind die Kosten fürs Roaming überhaupt unter den Netzbetreibern? Meiner Meinung nach lässt sich dieses Thema erst seriös erörtern, wenn auch diese Zahlen am Tisch sind. Wie hoch sind die tatsächlichen Kosten im Verbund der großen Konzerne (Vodafone, T-Mobile, Orange etc.)?
    T-Mobile: Innerhalb der EU gelten die regulierten Vorleistungs-Sätze, mit ausgewählten Partnern werden noch zusätzlich Rabatte vereinbart.
    Ausserhalb der EU gelten die dieselben Roamingkosten-Sätze wie zuvor, hier werden auch mit ausgewählten Partnern Rabatte vereinbart.
  • Datenroaming:
    Wie rechtfertigt man die exorbitant hohen Kosten? Ich wünsche Viviane Reding alles Gute, auch hier die Sache zu regulieren.

Wurde hier ein Gefälligkeitsgutachten geschrieben? Das heißt nicht, dass das der Fall ist. Aber der Eindruck könnte durchaus entstehen. Eine Antwort auf meine Fragen an Herrn Prof. Kruse stehen ebenfalls noch aus.

Mir drängt sich außerdem der Eindruck auf, als würde die Branche nur deshalb so laut jammern, weil sie gewaltige Spannen beim Roaming verliert.

Lobenswert finde ich dagegen Drei, die nicht an der Veranstaltung teilnahmen und gestern per Presseaussendung mitteilten: 3 plädiert für internationales Roaming ohne Angst. Also: Legen wir alle Zahlen auf den Tisch und diskutieren wir über Kostenwahrheit. Wenn ich dann drauf komme, falsch zu liegen, bin ich der erste, der höhere Roaming-Kosten unterstützt!

[Update]: Man freut sich immer wieder, wenn man etwas von Europa-Parlamentariern hört. Paul Rübig meldete sich laut FuZo dazu ebenfalls zu Wort:

Die Betreiber würden immer noch „gesunde Gewinne“ durch Roaming erzielen, teilte Rübig in einer Aussendung mit: „Die Roaming-Regulierung erlaubt den Unternehmen eine Gewinnmarge von 60 Prozent. Das ist viel höher als bei anderen Diensten, und zudem gibt es noch genügend Spielraum für Wettbewerb.“ Es liege ganz alleine an den Netzbetreibern und ihrer Unternehmenspolitik, so Rübig.

Fünf Fragen an die Mobilfunker

Am Donnerstag gibt es in Wien ein Gipfeltreffen der Mobilfunker. Um 16 Uhr gibt es eine Podiumsdiskussion im Wiener Hotel Le Meridien. Mit dabei sind:

Das Thema: „EU Roaming-Regulierung gefährdet Telekommunikations-Standort Österreich“

Schade, dass ich da nicht dabei sein kann, denn ich hätte auch ein paar Fragen zu dem Thema. Die stelle ich schon einmal hier am Blog – vielleicht kommt ja eine Antwort in den Kommentaren dazu …

  1. Wieso zahlt man als Privatkunde für eine Minute in den USA 2,40 Euro, wo man als Firmenkunde etwa bei der Mobilkom dieselbe Leistung für unter 20 Cent (netto versteht sich) nachgeschmissen bekommt?
  2. Wie rechtfertigt man die exorbitanten Preise für Daten-Roaming? Wieso werden selbst in Nachbarländern noch weit über zehn Euro für ein Megabyte fällig und wieso muss man in den USA dafür immer noch bis zu 20 Euro bezahlen?
  3. Wozu gibt es internationale Netzwerke? Wieso muss ich beispielsweise bei T-Mobile in den USA selbst im Wlan horrende Roaming-Fees bezahlen? Warum ist es für Mobilkom-Kunden bei VIPnet in Kroatien so viel teurer als hierzulande, wo doch beide Firmen im Konzern sind? Wie groß war Ihr Schock, als Sie von 3 Like Home gehört haben?
  4. Hätte sich bei den Sprachtarifen im EU-Ausland irgendetwas getan, wenn nicht die EU eingeschritten wäre?
  5. Finden Sie die Preise gerechtfertigt?

Ich bin oft im Ausland und habe nicht die Gnade, dass irgendwer meine Handyrechnung bezahlt. Und ob ich will oder nicht – ich muss oft nach Österreich telefonieren. Ich muss Texte durchgeben, mit Ressortverantwortlichen sprechen und vieles mehr. Wäre schön, wenn Sie das auch einmal selbst blechen müssten – natürlich im Verhältnis zu Ihrem Einkommen. 200 Euro sind für mich nämlich weit mehr als für Sie, Liebe Herrn CEOs, CMOs oder CFOs!

Ich will nichts geschenkt und ich will nicht, dass Sie unter Ihren Kosten anbieten müssen. Aber wenn man so manche Angebote für Großkunden kennt, wundert man sich schon. Wird nur der kleine Kunde abgezockt?

Auch will ich nicht, dass Sie kein Geld zum Investieren haben. Ich will vielmehr Kostenwahrheit! Österreich ist eines der günstigen Mobilfunkländer der westlichen Welt. Als Tourismusland liegt eine nicht unbeträchtliche Einnahmequelle der Handynetzbetreiber im Roaming. Wenn das wegfällt, muss es halt im Inland teurer werden. Aber das traut sich zwar keiner, würde aber schlussendlich das Festnetz absichern. Und schlussendlich würde es zu mehr Wettbewerb führen.

Außerdem: Jammern kommt nicht gut. Wie groß ist denn der Roaming-Anteil am Gesamtumsatz? Hier ein paar Details aus der Bilanz der Mobilkom Austria (Seite 74).

umsatzverteilung

Die 6,6 Prozent Rückgang beim Roaming im Vorjahr könnten über das ganze Jahr 2008 mehr werden, weil die EU-Regelung erst im Sommer 2007 in Kraft getreten ist. Allerdings schaut der Rückgang weit dramatischer aus, als er in Wirklichkeit ist. In absoluten Zahlen sind es 17,1 Millionen Euro, was 0,56 Prozent des Gesamtumsatzes entspricht. Ich nehme einmal an, dass andere Mobilfunker ähnliche Zahlen haben werden. Also bitte: Lasst die Kirche im Dorf!

Außerdem befinden sich die Erlöse (siehe Bilanz 2006) aus diesem Posten mit plus 17,6 Prozent immer noch deutlich über dem von 2005. Damals wurden mit Roaming „nur“ 204,8 Millionen Euro erlöst.

Anstelle der Mobilfunker würde ich mir um ganz andere Dinge Gedanken machen. Schauen wir uns noch zwei Kennzahlen der Mobilkom-Gruppe an, die sich ebenfalls auf Seite 74 befinden:

  • Das Kundenwachstum etwa: 2006 hatte die Mobilkom 10,2 Millionen Kunden, 2007 waren es schon 15,4 Millionen. Ergibt ein Plus von 50,9 Prozent. Der Umsatz wuchs in Summe aber nur 4,6 Prozent. Dass der durchschnittliche Monatsumsatz pro Kunde (ARPU) um 10,2 Prozent von 34,4 auf 30,9 Euro sank, hat wohl kaum mit Roaming zu tun (Seite 72).
  • Die Anlagenzugänge spiegeln die Investitionsfreude wieder. Hier gibt es trotz Expansion ein kräftiges Minus. 2006 betrug dieser Posten noch 712,8 Millionen Euro, im Vorjahr waren es nur noch 526,8 Millionen Euro. Macht ein Minus von 26,1 Prozent.

Ist die Panik der Mobilfunker gerechtfertigt? Sind die Raoming-Preise in Ordnung? Oder hab ich irgendwo einen Denkfehler und liege komplett falsch?

PDC08: Bits und Goods

Normalerweise gibt es auf einer Microsoft-Konferenz für die Teilnehmer immer aktuelle “Bits” — sprich Vorab-Software zum Testen. Aufgrund der Fülle an Ankündigungen, wäre der DVD-Stapel wohl etwas höher geworden, als geplant. Daher verschenkte man gleich eine ganze Festplatte: Eine WD Passport mit 160 GB-Kapazität (sehr nettes Teil, weil es kein extra Netzteil braucht!) und drei DVDs (Windows 7 32Bit, 64 Bit und Windows Server 2008 R2).

PDC-Bits

Was ist auf der USB-Festplatte alles drauf? Für allle die nicht dabei waren, gibt’s hier Info- und Download-Links, soweit auffindbar:

Update: Alle Videos zu den einzelnen Sessions sind online verfügbar: channel9.msdn.com/pdc2008

Windows 7 und Multimedia

Bunter, hochauflösender, vernetzter und vielfältiger. So könnte man die Medienfunktionen von Windows 7 zusammen fassen. Tatsache ich, dass wir nicht nur immer mehr Medien konsumieren, sondern auch produzieren. Wie trägt Windows 7 dem Rechnung?

Windows Media Player:
Die erste Enttäuschung war groß: Vergebens suchte ich im aktuellen Build des Windows Media Players 12 nach einer Möglichkeit des Abonnierens von RSS-Feeds für Podcasts. Ob das noch nachgeliefert wird, oder der Zune-Software vorbehalten bleibt, konnte oder wollte in Los Angeles niemand von Microsoft sagen. Hier die Kompaktansicht des WMP12:

Lightweight Windows Media Player

Dafür hat sich unter der Haube beim WMP einiges getan: Er bringt nun eine Menge Codecs. Von Haus aus spielt er nun auch AAC-Audiofiles ab und gibt Videos in h.264 oder DivX und XviD wieder – alles ohne manuelles Nachinstallieren von Codecs.

Darüber hinaus wirkt er schneller und performt auch bei einer großen Anzahl an Songs in seiner Bibliothek noch gut. Auch das Auffinden von Titeln über die integrierte Suche geschieht schnell von der Hand.

Wie bereits in Vista kann man beim MouseOver in der Startleiste das Video sehen. Neu ist, dass man nun auch Playcontrols zu Gesicht bekommt.

Windows Media Player - Taskbar Thumbnail

Netzwerkfunktionen:
Der WMP kann auch Multimedia-Bibliotheken anderer Rechner im Netzwerk öffnen und wiedergeben, wie das etwa schon bei iTunes der Fall war. Weil der WMP kopiergeschützte Dateien mit anderem DRM als dem von Microsoft (etwa Apples Fairplay) nicht abspielen kann, werden diese in den Bibliotheken erst gar nicht angezeigt. Microsoft erspart sich so den Ärger von Nutzern, für den es nichts kann.

Erkannt werden auch Streaming-Devices, die Multimedia-Files wiedergeben können. Mit der rechten Maustaste versorgt man diese mit einzelnen Titeln oder ganzen Playlists.

Play To

Von diesen Streaming-Devices gibt es bereits eine ganze Menge, angesprochen werden auch Geräte nach dem DLNA-Standard – also auch Playstation 3, Handys & Co. Aber auch andere PCs können so mit Musik „beschickt werden“. Ein Rechtsklick auf „Play to“ reicht aus, Windows 7 listet alle möglichen Devices auf. Wirklich cool!

Fotos:
Fotos auf externen Displays im Haus werden eine immer größere Rolle spielen. Über den Synchronisationsdienst Mesh.com und ein eigenes – noch anzukündigendes Live-Fotoportal – werden künftig auch Bilderrahmen über Wlan bespielt. 7 wird diese Funktionen schon fix eingebaut haben. Fraglich ist noch, welche Hardware-Hersteller sich dem anschließen.

Über die Windows Live Photo Gallery wird man nicht nur auf lokale Bilder zugreifen können, sondern Bilder auch mit Freunden, Kollegen oder der Familie teilen können. Hierzu reicht ein rechter Mausklick und die Live-ID des anderen.

Windows Live Photo Gallery

Neben rudimentären Bearbeitungsfunktionen wie dem Entfernen von roten Augen oder grober Farbkorrektur kann man auch Panoramen zusammenfügen. Interessant ist die Gesichtserkennung, die beim Taggen von Personen hilft. Die Windows Live Photo Gallery ist nicht Teil von Windows 7, sondern kann schon jetzt als Beta herunter geladen werden.

Blu-ray-Support:
Microsoft war ja einer der Verfechter des HD-DVD-Konsortiums von Toshiba. Nach dem Sieg von Blu-ray ist nun klar, dass die hochauflösende Disk auch in Windows 7 unterstützt werden muss. Die neue Version wird von Haus aus Unterstützung dafür mitbringen. Abgespielt werden die Filme wahlweise im Windows Media Player oder im Media Center.

Wie weit die Unterstützung geht, wurde in Los Angeles aber noch nicht verraten. Diese Frage bleibt aber spannend, weil ja Microsoft einerseits kein großer Freund von Java ist, BD-Java aber andererseits ein integraler Bestandteil von Blu-ray ist.

Windows Media Center:
Einer der Gründe, warum ich das bislang kaum genutzt habe, war dessen Performance. Mit Windows 7 soll das aber schneller gehen (soll, wie gesagt). Außerdem soll noch mehr Online-Content eingebunden werden.

Windows Movie Maker:
Mit Vista wurde der Movie Maker noch mitgeliefert, in Windows 7 wird sich das ändern. Als Teil einiger Live-Tools kann man die Beta des neuen Videoschnittprogramms schon jetzt herunterladen. Ein vollwertiges Videotool für hochqualitative Filme darf man sich zwar nach wie vor nicht erwarten, für die meisten Heimvideos sollte das Gebotene aber reichen.

Windows Live Movie Maker

Die auffälligste Neuerung ist der Ribbon – bekannt von Office 2007 und überaus praktisch. Außerdem akzeptiert der Movie Maker nun auch hochauflösende AVCHD-Videos von Festplatten-Camcordern. Die fertigen Videos werden entweder auf der Festplatte gespeichert oder direkt ins Web geschickt. Dafür gibt es eine Schnittstelle, in die sich diverse Anbieter einklinken können. So wird nicht nur die hauseigene Soapbox unterstützt, sondern auch YouTube & Co.

Was fehlt?
Mir geht eine Anwendung zur Bearbeitung von Audio-Dateien ebenso ab, wie eine Bildbearbeitung, die mehr bietet als etwa die Korrektur von roten Augen.