TED geht um die Welt

TED ist eine ganz besondere Konferenz. Die cleversten Wissenschaftler, Entwickler oder auch Politiker werden einmal im Jahr nach Monterey in Kalifornien eingeladen, um Ideen zu verbreiten. Das Motto lautet denn auch Ideas worth spreading“. Die Qualität der Vorträge ist unglaublich, die angeschnittenen Themen immer neu und die Art der Präsentation angenehm.

Vor zwei Jahren bin ich eher durch Zufall darauf gestoßen, seither habe ich so gut wie jedes der über 300 online gestellten Video gesehen. Ich hab’s als Podcast abonniert (Feeds für Web-Video | HD-Video | Audio) und bin immer wieder begeistert, welche Videos der Sessions seit 2002 daher kommen.

Seit einiger Zeit mache ich mir Gedanken darüber, wie man die TED-Ideen hierher bringen kann, ohne dass jeder Teilnehmer über 4000 Dollar dafür bezahlen muss. Vorgestern bin ich auf TEDx gestoßen. Das erste Event dieser Art findet am 17. Jänner in Melbourne (Facebook Group|Facebook App|Twitter) statt.

Logo TED Klagenfurt

We invite you to join TED on our next grand experiment. In the spirit of ‚ideas worth sharing‘, TED is launching a program that will enable individuals and organizations to create and host their own local TED-like events – and in doing so, releasing TED free to the world. These self organized events will fall under the TEDx brand, the x standing for Independently Organized TED Events, and will enable anyone, anywhere in the world to host an event with TED content and/or a combination of TED content and invited speakers.

Das x steht also für „unabhängig organisiertes TED Event“. Konkreten Guidelines werden erst entwickelt, das Logo hab ich mir selbst nachgebastelt. Jeder Veranstalter braucht eine eigene, kostenlose,  Lizenz, die aber ebenfalls noch nicht fertig ist. Hier der Inhalt im Groben:

  • Zumindest 50% des Programms müssen Videos von TED-Talks (HD-Feed saugen) seien.
  • In allen Werbematerialien muss stehen:
    „This is not an official TED event. TEDx is an independently organized TED event“
  • Ein spezielles – noch nicht fertiges – Launchvideo muss zum Auftakt gezeigt werden.
  • Der Besuch der Veranstaltung muss kostenlos sein, Sponsoring ist aber möglich. Die Sponsoring-Guidelines sind aber ebenfalls noch nicht verfügbar.
  • Feedbackformulare sind Pflicht.
  • Fotos mit dem Tag „TEDx“ auf Flickr posten
  • Wenn eigene Speaker eingeladen werden, müssen deren Vorträge aufgezeichnet und auf YouTube gepostet werden. TED darf diese dann auch verwenden.
  • Wenn mehr als 100 Personen erwartet werden, muss der Veranstalter zuvor bei einem offiziellen TED-Event dabei gewesen sein.

Auflagen, die erfüllbar sind. Weitere Informationen gibt’s hier: www.meetupalliance.com/tedx

Sowas müsste man doch auch in Klagenfurt machen, oder? Wer wäre dabei? Eure Ideen?

Update: Logische Location in Klagenfurt wäre die Universität. Mal sehen, wann es ginge und ob die auch inhaltlich etwas beizutragen haben.

So wird 2009

Es ist unvermeidlich: Zu dieser Zeit des Jahres muss ich meine wilden Spekulationen gründlich recherchierte Vorhersagen für das kommende Jahr machen. Wer wissen will, wie genau meine Prognosen für die vergangenen Jahre waren, braucht nur in meinen Blogposts für 2008, 2007 oder 2006 nachlesen. Zumindest bei ein paar Dingen bin ich richtig gelegen.

Wie komme ich dazu, mir überhaupt anzumaßen, die Zukunft vorherzusagen? Ganz einfach: Ich hab keine Ahnung, was passieren wird. Einiges kann man zwar erahnen, wenn man 1 + 1 zusammen zählt. Und gewisse Trends sind auch offensichtlich. Aber nichts ist spannender als die Zukunft und ich kann auch 100 Prozent daneben liegen.

Meine Top 10 für 2009:

  1. Die Nutzer werden Windows 7 lieben
  2. Apple bringt kleine iPhones und verkauft sie frei
  3. Apple motzt sein Apple TV zur Spielkonsole auf
  4. Google überholt mit 20 Android-Handys Microsoft
  5. Microsoft kauft den Blackberry-Hersteller RIM
  6. Blu-ray im Wohnzimmer ist tot
  7. Blu-ray wird als Speichermedium am PC die DVD ablösen
  8. WiMAX ist tot
  9. Abgekupferte Sites sterben.
  10. Kameras mit zwölf Megapixel für Handys

Microsoft

2009 wird ein wichtiges Jahr für Microsoft. Mehrere große Product Launches stehen an, im Web muss der Rückstand zu Google aufgeholt werden und man muss endlich Ressourcen in sein Handy-Betriebssystem stecken.

  • Windows 7:
    Was man so hört, ist Microsoft schon sehr weit in der Arbeit an seinem Vista-Nachfolger. Windows 7 wird früher fertig, als viele meinen. Ich glaube, dass etwas dran ist an dem Gerücht, das in den Gängen der PDC kursierte: eine Beta im Jänner, ein Release Candidate im April/Mai und RTM (Fertigstellung, Release To Manufacture) am 3. Juni. Damit wäre es rechtzeitig für die Computer-Hochsaison (August bis November) bei den Kunden.
    Und zur Überraschung vieler wird Windows 7 nicht nur ein Erfolg am Markt, sondern auch beliebt bei den Nutzern sein.
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  • Office 14:
    Während Microsoft schon offen über Windows 7 redet, ist über Office 14 noch kaum etwas bekannt. Nur zwei Dinge: Auch OneNote und Outlook bekommen die neu eingeführte „Ribbon-UI“. Die gemeinsame Arbeit an Dokumenten soll vereinfacht werden. So können zwei Kollegen übers Netz eine Datei gemeinsam editieren – etwas das die neue Version von OpenOffice bereits kann.
  • Live-Office:
    Lange hat man sich dagegen gesträubt, doch 2009 wird es endlich soweit sein: Microsoft bringt ein echtes Cloud-Office. Es wird zwar ein paar Dinge weniger können als die Desktop-Versionen, doch reicht das ohnehin den meisten Anwendern.
    Damit wird die Zusammenarbeit von mehreren Anwendern am gleichen Dokument über Desktop-Anwendung, Browser-App und Handy möglich.
    Der Beta-Test sollte eigentlich noch heuer starten, doch soll es noch ein paar Probleme geben.
  • Live.com-Dienste:
    Man muss kein Hellseher sein, um zu sehen, dass die Windows-Live-Suche auch im kommenden Jahr bei uns nur marginale Marktanteile haben wird. Aber: Sie wird besser. Das kann man jetzt schon testen, indem man den Browser auf englisch einstellt. Scheinbar gibt es für US-Nutzer andere, bessere, Suchalgorithmen.
    2009 werden weitere Dienste dazu kommen und diese werden besser in Microsofts Desktop-Programme integriert.
    Eine Ultimate-Version von Windows wird es nach dem Deseaster mit Vista wohl nie mehr geben. Aber die Live-Dienste könnten einen Anreiz bieten, um möglichst schnell auf 7 aufzuspringen: Für alle, die binnen x Monaten migrieren könnte es online mehr Speicher oder zusätzliche Features geben.
  • Windows Mobile:
    Das wird die größte Baustelle im kommenden Jahr. Windows Mobile ist hoffnungslos veraltet und müsste eigentlich von Grund auf neu geschrieben werden. Die Lage ist noch viel schlimmer: Das Geschäftsmodell von Microsoft in diesem Bereich ist längst nicht mehr zeitgemäß, es stinkt schon vor Verwesung!
    Was meine ich damit? Ein Handyhersteller (z.B. HTC) holt sich das Windows Mobile-Image, passt es ein klein wenig an seine Plattform an, baut einen Haufen Plastik (mit viel zu schwachen Prozessoren) drum herum und verdreht das teuer an die Mobilfunkbetreiber. Der verkauft es weiter an seine Nutzer und schert sich einen Dreck um Updates etc. Resultat: Unglaubliche Freude der Nutzer. Ich kenne NIEMANDEN, der mit einem Windows Mobile-Handy restlos glücklich ist. Falls es doch wen gibt – bitte in den Kommentaren melden!winmobile
  • Das Zune Phone:
    Dass das so nicht weiter gehen kann, wird man wohl auch in Redmond verstanden haben. Die Gerüchte rund um ein ZunePhone wollen einfach nicht verstummen. Zur Erinnerung: Microsoft hat im Vorjahr Danger gekauft – das ist der Hersteller von T-Mobiles Sidekick-Handy. Und wenn man schon einen MP3-Player hat, wieso verbindet man das nicht mit einem Handy? Die Leute wollen schließlich nicht mehrere Devices ständig mitnehmen.
    Damit wäre auch gleichzeitig eine Referenz-Implementation geschaffen. HTC & Co. müssten sich an die höheren Qualitätsvorgaben halten, um noch etwas verkaufen zu können. Ach ja: Wenn man wirklich Erfolg damit haben will, müsste man es auch in Europa anbieten.
    Schwachpunkt an dieser These: Man würde damit genauso viel Erfolg haben wie mit dem Zune. Daher:
  • Microsoft kauft RIM:
    Genau das würde man brauchen: Gute Messaging-Produkte für Business-User, leidenschaftliche Kunden und einen bestehenden Markt. Unrealistisch? Abwarten!
  • MicroHoo:
    Für 2006 und 2007 habe vorausgesagt, dass Microsoft Yahoo kaufen wird. Für 2008 habe ich daran gar nicht mehr gedacht, die andauernden Gerüchte erschienen schon zu ausgelutscht. Doch dann passierte es gleich Ende Jänner. Nach einem fürchterlichen Hin- und Her, das eher an eine Teenie-Beziehung erinnerte, winkte Yahoo ab. In der Folge sank der Kurs auf bis 8,90 Dollar/Aktie. Zur Erinnerung: Microsoft bot 33 Dollar.yahooAber wie in jeder Teenie-Komödie gibt auch hier ein Happy-End. 2009 wird Microsoft Yahoo zum Schnäppchenpreis (18 Dollar?) kaufen, zerstückeln und sich nur die Suche einverleiben. Den wertvollen Rest (Flickr, del.icio.us & Co.) wird man weiter verscherbeln – vermutlich an Rupert Murdoch, der solche Seiten liebt, seitdem er MySpace relativ günstig gekauft hat.
    Alternativ: Yahoo meldet seine Insolvenz und beantragt Chapter 11.

Apple

Größte Herausforderung für Apple-Chef Steve Jobs wird es sein, den Drive der letzten Jahre weiter zu führen. Jede MacWorldExpo wird an den vorangehenden gemessen. Einfach nur das neue Betriebssystem (10.6 Snow Leopard) vorzustellen, wird zu wenig sein. Die Erwartungen sind immer sehr hoch.

  • iPhone nano:
    Appel könnte bei der MacWorldExpo am 5. Jänner ein kleines iPhone (nano) präsentieren. Das macht gleich aus mehreren Gründen Sinn: Apple würde auch diejenigen ansprechen, die keine 30, 40 oder 50 Euro für einen Vertrag ausgeben wollen. Die Hardware wird immer günstiger und Cupertino würde die Konkurrenz dort treffen, wo heute noch einiges an Margen drinnen ist: im unteren und mittleren Preisniveau. Das würde wohl den Weltmarktführer Nokia arg treffen.
    Und wie macht man das? Indem man es gleich verkauft, wie einen iPod: für 200 Euro, offen und ohne Beschränkungen. Die Bildschirmauflösung müsste jedoch gleich bleiben, da sonst Apps nicht mehr 100% kompatibel sind, oder?iPhone und iPhone nano
  • Apple TV reloaded:
    Steve Jobs will auch das Wohnzimmer beherrschen. 2009 sollte das längst fällige Update für Apple TV kommen. Was bräuchte die Media-Box? TV-Aufnahmefunktion per USB-Anschluss (wird teuer als Extra verkauft) mehr Speicherplatz (40 bzw. 160 Gig sind für HD nicht zeitgemäß) und die Internationalisierung der Online-Videothek.
    Und noch etwas: Es kommen Apps fürs AppleTV. Kleine Widgets, die man aus einem Appstore kaufen kann. Mit ihnen wird man das Wetter, Social Networks, News oder Aktienkurse am Fernseher konsumieren können.
    Und schlussendlich wird Apple TV zur Spielkonsole – allerdings nicht auf dem grafischen Niveau einer Xbox 360 oder Playstation 3, aber für Super Mario & Co. reicht schon die Hardware voll.
  • Das iPad kommt:
    Mit seinem eher höherpreisigen Sortiment bekommt Apple nichts vom Trend zu Netbooks ab. Die kleinen, aber günstigen Notebooks werden zwar 2009 weiter wachsen, doch Steve Jobs könnte mit einem eigenen Ansatz durchaus ein gutes Stück vom Markt kassieren. Wie würden die aussehen? Maximal zehn Zoll große Multitouch-Slates, erweiterbar mit einem Ständer und einer Bluetooth-Tastatur für unter 500 Dollar.
    Genau das braucht Apple, um 2009 den globalen PC-Marktanteil noch um ein, zwei Prozentpunkte zu steigern.
  • Viren und andere Schädlinge:
    Was mich immer noch wundert: Warum gibt es für MacOS X keine Schadsoftware? Sind die wirklich immun dagegen und ist es nicht nur der weitaus größere Verbreitungsgrad von Windows, der PCs anfällig macht?
    Allzusehr auf die leichter Schulter darf man das Problem allerdings nicht nehmen. KEINE Software ist fehlerfrei und mit weiter steigender Beliebtheit von Apple-Rechnern steigt auch die Gefahr. Wird die erste große Attacke 2009 passieren? Gut möglich, aber das habe ich auch schon für 2008 vorhergesagt.

Google

Nicht nur diverse Bücher haben ganz kräftig am Ruf von Google gekratzt. Datenschutzgründe sind es, die vielen Nutzern zumindest ein unwohles Gefühl geben.

  • Maps werden unschlagbar:
    Bilder des „Google Satelliten“ GeoEye werden den Abdeckungsgrad und die Genauigkeit von Google Maps deutlich erhöhen. Gleichzeitig kommen immer mehr Städte mit Streetview online und es werden immer mehr Anwendungen immer besser davon nutzen ziehen.
  • Unlimited Space:
    Der Speicher von Gmail wächst – seit November allerdings langsamer. Derzeit sind es gut sieben GB, die jedem Nutzer (auch für Picasa & Co.) zur Verfügung stehen. Laut aktuellem Algorithmus würde die 10-GB-Marke erst 2037 erreicht werden.
    Yahoo und andere bieten jedoch schon Accounts mit unlimtiertem Speicher an. Auch wenn nur wenige das ausnutzen und der normale Nutzer kaum über ein GB kommt, kann sich dem selbst Google dem nicht verschließen. Würde bedeuten: Unlimitierter Speicher in 2009!
  • 20 Android-Handys bis Weihnachten:
    Die OpenHandsetAlliance rund um Googles Handybetriebssystem Android darf sich freuen: Mit HTC, SonyEricsson, Huawei, Toshiba, NTTDoCoMo, LG, Garmin, Asus und Motorola erhöhte sich die Anzahl der Handyhersteller unlängst auf neun. Die Plattform wird 2009 definitiv an Bedeutung gewinnen.
    Das erste Android-Handy, das T-Mobile G1 kommt im Q1 zu uns. Bis Weihnachten 2009 werden wir wohl aus mindestens zehn Geräten wählen können. International wird diese Zahl locker bei 20 liegen.open-handset-alliance-android
  • Chrome:
    Im September habe ich geschrieben, dass ich einen Besen fressen würde, wenn Googles Chrome-Browser bis Jahresende über zehn Prozent Marktanteil bekommen würde. Angst um meine Ernährung muss ich mir wohl keine merh machen.
    Nun, ich glaube auch für 2009 nicht wirklich daran. Dass Chrome so schnell aus der Beta kam,  liegt offenbar daran, dass Google den Browser mit OEM-PCs bundeln will. Diese würde niemals Beta-Software auf ihren frischen Maschinen installieren.
    Solches Bundeling („Crapware installieren“) hat aber noch keinem Produkt gut getan und wird dem Ruf des Browsers nur schaden.

Hardware in 2009

  • Preis und Ausstattung:
    Heute bekommt man einen sehr guten PC schon um 600 Euro. Bei den Speicherpreisen wird der Sturzflug wohl bald ein Ende haben – dennoch werden wir im kommenden Jahr erstmals Consumer-PCs mit acht Gigabyte Ram sehen. Damit wird einher gehen, dass 64-Bit-Versionen von Windows immer größere Verbreitung finden.
  • Hier die Geizhals-Preisentwicklung für einen RAM-Riegel:geizhals-ramSpannend wird auch, zu welchem Preis Intels Core i7-Plattform im Frühjahr den Massenmarkt erreicht und ob sich AMD wieder erfängt und für mehr Wettbewerb als aktuell sorgt.
    Auch bei den Features wird immer mehr aufgerüstet, denn von der Ausstattung unterscheidet sich ein Netbook heute kaum mehr von einem teuren Modell. Als Differenzierungsmerkmal zu Diskontmodellen könnten etwa GPS-Empfänger oder große, schnelle und stromsparende SolidState-Drives dienen.
    Ende 2009 wird es kaum ein Notebook über 1000 Euro mehr geben, das nicht über ein eingebautes HSDPA-Modem verfügt.
  • Siegeszug von Blu-ray:
    Die DVD als optisches Speichermedium verliert immer mehr an Bedeutung. Ich selbst könnte schon längst ohne Silberscheiben leben. Bei besseren Geräten werden Blu-ray-Drives im nächsten Jahr zum Standard. Praktisch jeder Marken-Hersteller wird mehrere Modelle anbieten.
    Damit löst sich auch das Henne-Ei-Problem: Beschreibbare Blu-ray-Rohlinge kosten derzeit noch mindestens sieben Euro pro Stück.  Dieser Preis sollte sich im Jahresabstand zumindest halbieren – für 25+ GB kein schlechter Deal.
    BD-Rohling
  • Green IT-Regelungen:
    Eigentlich hätte ich es schon für heuer erwartet – aber 2009 kommt die EU mit klaren Kennzeichnungs-Regelungen. Auf einen Blick wird dann klar, wie viel so manches elektronische Gerät an Strom schluckt.

Mobilfunk

  • Nokia bringt echten Killer:
    Das 5800 als iPhone-Konkurrenz zu bringen, kann nicht wirklich der Weisheit letzter Schluss sein. Und auch das N97 ist zwar nett, aber – ohne es in der Hand gehabt zu haben – auch eher eine Evolution als eine Revolution.
    Wirklich spannend könnte es sein, wenn Nokia das hier bringt:nokia-new-interface-1Dabei handelt es sich um ein Mockup, das „versehentlich“ in eine nicht öffentliche Präsentation während der Nokia World in Barcelona vor zwei Wochen gerutscht ist. Auch wenn Nokia in einem E-Mail an Engadget schreibt, dass es sich nicht um ein Produkt, sondern um eine User-Interface-Studie handelt, ist für 2009 ein reines Touchscreen-Handy von Nokia zu erwarten.
  • Nokia App-Store:
    Wer weiß schon, dass es für Nokias S60-Handys ebenso viele Anwendungen gibt wie für den mittlerweile vollkommen überladenen AppStore von Apple? Auch hier gibt es 10.000 Programme – teils gratis, teils kostenpflichtig.
    Nur: Wie findet man die? Nokia wird 2009 seine OVI.com-Plattform wohl um einen Software-Laden erweitern.
  • Billigeres Roaming:
    Per 1. Juli wird Roaming im EU-Ausland teilweise sogar billiger als die Handynutzung im Inland. Die Sprachtarife werden weiter abgesenkt und per Verordnung werden auch SMS-Nachrichten verbilligt. Die einzig offene Frage ist, ob die Deckelung der Großhandelspreise beim Datenroaming etwas bewirkt.
    Letzte Hürde vor dem Inkraft-Treten: die Abstimmung im Europaparlament.
  • GPS wird Standard:
    Selbst günstige Handys bekommen spätestens allesamt einen GPS-Chip eingebaut. Warum? Weil der aktuell nur 1,2 Dollar pro Stück kostet. Und dieser Trend macht vor Mobiltelefonen nicht Halt. Wie wäre es mit einem MP3-Player, der einem je nach Position Wissenswertes zum Ort sagt? Darauf ließen sich durchaus interessante Geschäftsmodelle bauen.
  • Super-Cam-Phones:
    Sony hat im November ganz unscheinbar einen CMOS-Sensor vorgestellt: Der Exmor IMX060PQ ist der erste 12,5 Megapixel-Chip für Kamerahandys. Verfügbar wird er im März 2009 sein. Wetten, dass zu Weihnachten die ersten Handys damit ausgerüstet sein werden?
    sony-exmor-imx060pq
  • WiMAX stirbt:
    In der Theorie wäre WiMAX ideal dafür geeignet, ländliche Gegenden mit Internet zu versorgen. In der Praxis schaut es um die Funktechnik zappenduster aus. Die Telekom Austria hat ihre Lizenz bereits zurück gelegt, UPC wird wohl auch bald folgen. Beide scheuen offenbar davor zurück, ihre eigenen Produkte und Techniken damit zu kanibalisieren.
    Bleibt noch WiMAX Telecom übrig. Doch deren Footprint und Kundenzahl ist zu klein, um lange überleben zu können.
  • Schneller surfen:
    Ach ja: Die Mobilfunkbetreiber werden uns immer höhere Bandbreiten versprechen, die sie dann auch nicht halten können. Vorgeschmack gefällig? Bei Tre (Drei/Hutchison) in Schweden kann man bereits jetzt mit 21 MBit/s mobil surfen. Wer’s glaubt!

Web x.0

  • Das große Sterben:
    Im kommenden Jahr wird das große Sterben von Web 2.0-Diensten beginnen. Erwischen wird es nicht die innovativeren Originale (meist aus den USA), sondern die Abkupferer und (meist aus Europa). Die Nutzer sind nicht dumm – sie erkennen genau, was das Original und was die billige Kopie ist. Und warum zum Schmiedl gehen, wenn der Smith auch deutsch spricht?
    Nur ganz wenige werden den Sprung über die Grenzen des alten Kontinents schaffen. Mein Tipp dafür: soup.io.
  • Facebook vs. Xing und VZs:
    Das wird auch die großen deutschen Social Networks treffen. Die werden zwar – mit dem Markt – weiter wachsen. Facebook wird aber dank seiner Offenheit (APIs, Apps, FB-Connect etc.) auch den deutschsprachigen Raum aufrollen.
  • CloudComputing hebt ab:
    Es ist unendlich schwer, kleine wie große Firmen zu überzeugen, ihre Daten nicht im Haus sondern in der Cloud zu lagern. Dabei ist selbst der beste Systemadministrator nicht so gut wie die Leute bei Amazon (AWS) oder Microsoft (Azure).
    2009 werden dennoch immer mehr Firmen anfangen, ihre (eher unwichtigeren) Daten bei diesen Diensten zu hosten. So werden sie draufkommen, dass das ganze nicht schlimm ist und wirklich Vorteile bietet.

Digital Home

  • PS3 wird billiger:
    Es ist immer das gleiche Spiel: Es tauchen Gerüchte um eine herannahende Preissenkung der Playstation 3 auf, Sony dementiert das und in einem Monat darauf wird sie billiger. Das muss sie auch, denn Sony verliert immer mehr an Boden. Nintendos Wii liegt nach wie vor auf Platz eins, gefolgt von Microsofts Xbox 360. Weit abgeschlagen am dritten Platz liegt die PS3.
    Dabei ist sie ein toller Media Player und somit auch für all jene interessant, die keine Zeit mit Spielen vergeuden wollen.
    Und noch einen Fehler macht Sony: Das Ding muss offener werden. Wie wäre es etwa mit Widgets oder einer Online-Videothek auch für Europa?
  • Haushaltsroboter boomen:
    iRobot zeigt vor, wie man das Staubsaugen denen überlassen kann, die sich nicht über die Arbeit beklagen. Die Preise sind mit 300 Euro auch durchaus leistbar. Im kommenden Jahr werden wir solche Geräte auch von Herstellern wie Siemens, Philips oder Miele sehen.
  • Fernseher:
    Der absolute Tiefpunkt ist auch mit 350 Euro für einen 32-Zoll-LCD-Fernseher wohl noch nicht erreicht. Aber ich denke wir sind ganz nahe an der Talsohle. Für Sony, Philips & Co. stellt sich die Frage, wie man sich differenzieren kann.
    Ganz einfach: Fernseher werden intelligenter und bekommen einen Ethernet-Anschluss. YouTube, Flickr & Co. kommen Ende 2009 bei jedem Gerät über 700 Euro auf die Mattscheibe.
  • Blu-ray ist tot:
    Der Beginn der Vernetzung von TV-Geräten ist gleichzeitig auch das Ende der Blu-ray-Scheiben. Ein HD-Film bei Online-Videotheken wie Apples iTunes kostet nur vier bis fünf Dollar – kein Vergleich zu 20-40 Euro für einen hochauflösenden Blu-ray-Film, den man ohnehin nur ein paar Mal anschaut.
    Eigentlich hat uns Steve Jobs schon für 2008 versprochen, dass er diesen Dienst in Europa anbieten wird, doch noch immer sind wir auf Tricks mit US-Gutscheinen angewiesen.
    Der Filmindustrie sei hier eines gesagt: Es gibt ein Mittel gegen die Piraterie – es sind dies legale Angebote!

Wie weit liege ich daneben? Was sind eure Vorhersagen?

BarCamp Klagenfurt 2009

Schon zum dritten Mal wird es im Februar in Klagenfurt ein BarCamp geben.

Noch haben wir kein endgültiges Logo

Das erste Meeting der Organisatoren (Ed, Daniel, Horst, Martin, Werner und noch viele andere, die dazu kommen werden) ging am Freitag über die Bühne. Logo haben wir zwar noch keines, dafür aber einen Termin. Und einen Wiki und einen Twitter-Account und eine Facebook-Gruppe

Kurzfakten:

  • Wann? Samstag, 7. und Sonntag, 8. Februar 2009 (mit Vorprogramm am Freitag, 6. Februar)
  • Wo? Klagenfurt. Entweder an der Alpen Adria Universität oder in der Innenstadt. Das wird sich erst zeigen.
  • Deine ToDo: Termin reservieren, darüber bloggen und darüber nachdenken, wie du zum BarCamp Klagenfurt 2009 beitragen kannst.
  • Wer kann kommen? Jeder, der sich für das Generalthema Web interessiert. Einzige Hürde: Man muss sich auf einem Wiki registrieren.

Ein großes Versprechen:
Wir wissen, dass Klagenfurt nicht sehr zentral liegt und dass nicht jeder so viel Zeit hat, ein ganzes Wochenende zu opfern. Aber: Wir werden alles tun, um dieses BarCamp zu etwas ganz Besonderem zu machen. Wenn wir Kärntner etwas können – dann ist es, perfekte Gastgeber zu sein 🙂

Was ist ein BarCamp?
Nach dieses Video vom ersten BarCamp in Wien sollte eigentlich alles klar sein …

Wie du uns helfen kannst:

  • Wir suchen noch Leute, die uns helfen, alle Videos aufzuzeichnen und danach online zu stellen.
  • Am BarCamp muss niemand für Wlan, Catering etc. bezahlen. Daher brauchen wir aber Sponsoren. Details dazu folgen noch.
  • Wir wollen allen Teilnehmern ein lernreiches Wochenende bieten. Überleg dir doch, was du dazu beitragen kannst? Auf welchem Gebiet bist du Experte? Welches Wissen könntest du weiter geben, das auch andere interessiert?

“This is your recession, we are just blogging it”

Dieses Zitat stammt aus der aktuellen Folge des Planet Money Podcasts von NPR (US National Public Radio). Es ist dies ein Podcast, der jedem ans Herz zu legen ist, der sich für Wirtschaft und die momentane konjunkturelle Schieflage interessiert.

Warum? Weil er die Lage so zeigt, wie sie ist. Ein Beispiel aus eben dieser Folge vom 9. Dezember 2008 ist die Zahl Null. Die Nachrichtenagentur Associated Press berichtete gestern:

The Treasury Department said it sold $30 billion in four-week bills at an interest rate of zero percent. That meant investors were willing to earn no return at all on their money as long as they could park it in the safety of Treasury securities.

Auf gut Deutsch: Wer in den USA Geld hat, gibt es lieber umsonst an den Staat als es irgendwo anders anzulegen. Nicht einmal ein Sparbuch ist im Moment bei den Anlegern eine Alternative.

Trotz der kostenlosen Geldleihe ist das attraktiv – die Auktion hätte viermal so viel – also 120 Milliarden Dollar – zu 0% Zinsen einbringen können. Verzweiflung und Misstrauen sind so gewaltig, dass sogar negative Zinsen in Kauf genommen werden. Das Wallstreet Journal berichtete ebenfalls gestern über dreimonatige US-Staatsanleihen, dass Finanzanleger in den USA sogar dafür bezahlen würden, nur um ihr Geld in einen sicheren Hafen zu wissen:

At some point during the afternoon, the yield on the three-month Treasury bill dipped below 0%.

Was sagt uns das?
Trotz Bankenrettungs-Paketen auch in den USA ist das Misstrauen der Institutionen untereinander noch immer da. Auch in Europa ist noch längst das Ärgste nicht überstanden. Im Gegenteil: Es steht uns erst bevor. Man muss kein Kristallkugel-Schauer sein, um zu erahnen: Die zuletzt immer wieder und immer weiter nach unten revidierten Aussichten werden weiter nach unten gehen.

Was etwa wenn osteuropäische Währungen en gros abgewertet werden? Kommen dann noch alle in Rubel oder Kuna vergebenen Kredite zurück?

Medienkritik:
Wir stecken noch nicht einmal drei Monate lang in einer Krise und schon schreiben Medien Erfolgsgeschichten von Firmen, die der Krise trotzen (tut das überhaupt wer?) oder von Krisengewinnlern.

Warum tun die das? Auch um Vertrauen zu wecken: Es werde schon nicht so schlimm und wir wären da ebenso schnell durch, wie wir reingekommen sind. Schließlich lebt jedes Medienhaus (auch der kleine Blogger muss irgendwo Geld verdienen) von der restlichen Wirtschaft. Die Zeitungen leben von Anzeigen, das Fernsehen von Spots und der kleine Blogger von Aufträgen aus der Wirtschaft (Selbständige) oder von der Zuversicht seines Arbeitgebers in die Lage.

Krisenhygiene:
Was nötig ist, wäre ordentliche Krisenhygiene. Anstatt krampfhaft Erfolgsgeschichten zu suchen, will ich in Presse, Standard, Spiegel, Krone, Kleine Zeitung und ähnlichen einmal lesen, wie schlimm und dramatisch die Lage hierzulande wirklich ist.

Das soll muss allen Angst machen. Eine Krise, die weggeschrieben wird, existiert dennoch. Eine Krise, die aus den Köpfen der Leute verbannt wird, wird nie dafür sorgen, dass Lehren daraus gezogen werden.

Erst wenn wir voll verstanden haben, was hier abgeht, können solche Bankenkrisen (auch wenn Bankiers das als schlechte PR sehen: Die Krise ist eine Bankenkrise – sie wurde von ihnen verursacht und verstärkt) in Zukunft vermieden werden.

Roaming: Dein Abgeordneter entscheidet

Abgesehen davon, dass wir (kleine Österreicher) von der globalen Finanz- und Bankenkrise ohne EU und Euro ganz anders aussehen würden, gibt es noch einen zweiten Grund, der Europäischen Union dankbar zu sein: Sie nimmt sich des leidigen Roaming-Problems an.

EU-Flag (cc) rockcohen

Letzte Woche beschlossen die Telekom-Minister der Union ein ziemlich umfangreiches Paket, das viele Erleichterungen für Handykunden mit sich bringt:

  • Höchstpreise für den Versand einer SMS-Nachricht im Ausland ab 1. Juli 2009 von 11 Cent (plus USt. macht das 13,2 Cent). Geklärt wurde auch noch, dass der SMS-Empfang auch im Ausland weiter kostenlos bleibt.
    Das bedeutet, dass es im Ausland oft sogar billiger ist, als im Inland, wo bei Überschreitung der Paketmengen meist 25 Cent verlangt wird.
    Der SMS-Großhandelspreis für die Betreiber untereinander wird bei vier Cent (exkl. USt.) gedeckelt.
  • Mehr Transparenz: Wenn man ins Ausland fährt, muss man mittels einer automatischen Nachricht über alle Roaming-Tarife im jeweiligen Netz aufgeklärt werden.
    Ab Sommer 2010 muss jeder Kunde im vornhinein angeben können, wie viel die Roaming-Rechnung höchstens betragen darf. Bei Erreichen des gewählten Limits wird das Handy deaktiviert. Eine Maßnahme, die nicht nur gegen Überraschungen sondern auch im Falle eines Diebstahls schützen soll.
  • Datenroaming: Hier wurde der Großhandelspreis mit einem Euro je Megabyte gedeckelt. Man darf gespannt sein, ob hier auch die Endkundenpreise fallen werden und ob es tatsächlich zu mehr Wettbewerb kommt. Die Betreiber sagen ja immer, dass eine Deckelung der Großhandelspreise genau dafür sorgt.
  • Sekundengenau: Die Abrechnung aktiver und passiver Roaming-Gespräche muss künftig in Sekundenschritten erfolgen. Das könnte Anrufe im EU-Ausland sogar billiger machen als im Inland. Für aktive Gespräche im Ausland darf der Anbieter immer zumindest 30 Sekunden für den Gesprächsaufbau verrechnen.

Was muss noch geschehen, damit das pünktlich zum 1. Juli 2009 umgesetzt werden kann?
Nach der Absegnung im Ministerrat, muss es noch durch das Europäische Parlament genehmigt werden. Die Beschlussfassung fällt voraussichtlich in der Plenarsession vom 12. bis 15. Jänner 2009.

Bereits vor zwei Jahren wurde eine Deckelung der Preise fürs Datenroaming beschlossen. Die Absenkung soll bis 2012 jedes Jahr fortgesetzt werden. Nicht so wie 2007 und 2008 gelten die günstigeren Preise ab kommendem Jahr schon vor der Urlaubs-Hochsaison (jeweils ab 1. Juli). Preise ohne inkl. 20 Prozent Umsatzsteuer:

roaming-calls

Mehr über die Roaming-Regulierung der EU-Kommission gibt es hier: ec.europa.eu/roaming.

Appell an die EU-Abgeordneten Österreichs:
Die Roaming-Lobby in ganz Europa will das allerdings nicht so weiter gehen lassen. Folgenden Absatz habe ich heute als Presseaussendung bekommen.

mobilkom austria hat die Roaming-Preise in den letzten Jahren dramatisch gesenkt, was auch von der EU-Kommission lobend erwähnt wurde. Österreich ist ein Tourismus-Land, in dem deutlich mehr Gäste aus EU-Ländern telefonieren als Österreicher im EU Ausland und ist daher von der Regulierung deutlich stärker betroffen als andere Länder. Alexander Zuser richtet deshalb einen Appell an alle heimischen EU-Parlamentarier: „Die heimische Branche hat eine Vorreiter-Rolle in Europa. Es muss unser gemeinsames Ziel sein, diesen Status beizubehalten und Regulierung nicht nur unter dem Aspekt kurzfristiger Senkungen von Einzel-Preisen zu verstehen, sondern als langfristige Maßnahme zur Absicherung eines gesunden Wettbewerbes.“ Mehr davon auf der ORF Futurezone.

Was die Mobilkom kann, können auch wir normale Bürger. Wir sollten an unsere Abgeordneten appellieren, sich von der Roaming-Lobby nicht beeindrucken zu lassen. Hier die Websites aller österreichischen Abgeordneten:

AbgeordneterWebE-Mail
Herbert Bösch (SPÖ)www.herbertboesch.atherbert.boesch@europarl.europa.eu
Wolfgang Bulfon (SPÖ)wolfgang.bulfon@europarl.europa.eu
Harald Ettl (SPÖ)www.harald-ettl.atharald.ettl@europarl.europa.eu
Othmar Karas (ÖVP)www.othmar-karas.atothmar.karas@europarl.europa.eu
Jörg Leichtfried (SPÖ)www.joerg-leichtfried.atjoerg.leichtfried@europarl.europa.eu
Eva Lichtenberger (Grüne)eva.lichtenberger@gruene.at
Hans-Peter Martin (fraktionslos)www.hpmartin.netoffice@hpmartin.net
Andreas Mölzer (FPÖ)www.andreas-moelzer.ata.moelzer@aon.at
Hubert Pirker (ÖVP)www.hubert-pirker.athubert.pirker@europarl.europa.eu
Christa Prets (SPÖ)christa.prets@europarl.europa.eu
Reinhard Rack (ÖVP)reinhard.rack@europarl.europa.eu
Karin Resetarits (Liberale)www.karinresetarits.atkarin.resetarits@europarl.europa.eu
Paul Rübig (ÖVP)www.ruebig.atpaul.ruebig@europarl.europa.eu
Karin Scheele (SPÖ)www.karinscheele.atkarin.scheele@europarl.europa.eu
Agnes Schierhuber (ÖVP)www.agnes-schierhuber.atagnes.schierhuber@europarl.europa.eu
Richard Seeber (ÖVP)www.richard-seeber.atrichard.seeber@europarl.europa.eu
Hannes Swoboda (SPÖ)www.hannes-swoboda.athannes.swoboda@spoe.at
Johannes Voggenhuber (Grüne)johannes.voggenhuber@gruene.at

Die deutschen Abgeordneten finden sich übrigens hier: http://www.europarl.de/parlament/abgeordnete/auswahl_bundesland.jsp

WebSpezial Nummer 13

Es ist vollbracht und schon gestern wurde es allen Abonnenten der Kleinen Zeitung in Kärnten zugestellt. Für alle, die’s nicht bekommen konnten oder lieber elektronisch haben – hier der PDF-Download:

Wie gefällt’s euch? Ideen, was man beim nächsten Mal besser machen könnte?

Bloggte Obama selbst?

Im WebSpezial (poste gleich die aktuelle Ausgabe) gibt es immer eine Rubrik „Von Blogger zu Blogger“. Eines der Themen im Heft war der vergangene US-Wahlkampf und wie Barack Obama das Web für seine Kampagne genutzt hat. Wen befragt man dazu? Natürlich den Ober-Polit-Web-Analysten Max Kossatz (Blog wissenbelastet.com, Twitter, Facebook). Der verrät auch, wie Web-fit unsere Politiker in Europa sind.

(c) kossatz

Abgesehen vom fehlenden Charisma heimischer Politiker: Hat der US-Wahlkampf Vorbildwirkung für Österreich?
MAX KOSSATZ: Der US-Wahlkampf zeigt, dass eine konsequente Nutzung des Internet es auch unbekannten Personen (Obama war bis vor zwei Jahr ein Außenseiter und weitgehend unbekannt) ermöglicht, Vertrauen zu Wählern aufzubauen.
Obwohl beide Kandidaten kein wirkliches Konzept zur Lösung der Finanzkrise haben, trauen sie Obama mehr. Weil sie ihm über das Internet „näher“ waren und ihn besser kannten, trauten sie ihm eher zu, diese Krise zu bewältigen, als McCain. Deswegen behaupte ich, dass dieser Wahlkampf im Internet entschieden wurde. Auch wird er noch lange weltweit als Vorbild dienen, was sicherlich zu einigen sehr eigenartigen Ergebnissen führen wird, da die USA nicht so leicht mit anderen Ländern und anderen Wahlen vergleichbar sind. Aber vieles kann man aus dem Obama-Wahlkampf lernen, am wichtigsten: Man muss jetzt anfangen das Internet zu nutzen um in ein paar Jahren Wahlen zu gewinnen, nicht erst zehn Wochen davor!

War es für Barack Obama eher Wahlwerbung oder dienten seine Aktivitäten der Themenfindung und der Bindung einer Stammwählerschaft?
KOSSATZ: Studien zeigen, dass sich knapp 59 Prozent der US-Amerikaner im Internet über den Wahlkampf informiert haben. Die Wähler, die sich etwa Videos zum Wahlkampf auf YouTube ansahen, fühlten sich weitaus näher (plus 100 Prozent) der Politik/den Themen und wollen sich auch in Zukunft mehr für Politik interessieren und engagieren.
Obama hat auch durch seine Vernetzung in den verschiedensten Plattformen (Twitter, Facebook, MySpace, eigene Homepage, etc.) die Möglichkeit sehr einfach fast sechs Millionen Menschen (fast ein Zehntel seiner Wähler!) zu erreichen. Das ist ein sehr tolles Lobbying-Instrument und wird noch in Zukunft eine große Rolle spielen. Deswegen – und ganz im Gegensatz zu dem Web2.0-Wahlkampf in Österreich – ist Obamas Team weiterhin im Internet aktiv, denn so eine „Macht“ muss natürlich gepflegt werden.

Ohne TV-Spots und Medienpräsenz kann man selbst in den USA nicht gewinnen. Welchen Anteil hatte das Web 2.0 an seinem Erfolg?
KOSSATZ: Hier fällt mir immer wieder der Vergleich zu einem Fussballspiel ein: 30.000 Personen passen in das Stadion – die sind wichtig für die Stimmung und für schöne Bilder. Aber das Geld wird mit den Fernsehrechten verdient.
Umgelegt auf den Wahlkampf in den USA heißt das: Die Debatten im Fernsehen wurden von ein paar Millionen Menschen gesehen. Aber wichtiger war die anschließende Diskussion darüber, so wurden einzelne Ausschnitte (10-20 Sekunden) der Debatten auf YouTube über eine Million Mal abgerufen.
Auch hat Obamas Team in zwei Jahren über 1800 Videos auf YouTube gestellt, alleine sein YouTube-Profil wurde 19 Millionen Mal abgerufen, der 30-minütige Spot auf allen Kanälen in den USA hatte dagegen nur knapp acht Millionen Zuseher. Alle Videos im Internet zu Obama (rund 100.000, d.h. 98.000 waren nicht von Obama selbst) wurden insgesamt rund 900 Millionen Mal abgerufen (bei schließlich rund 120 Millionen Wählern), die von McCain rund 500 Millionen Mal. Das heißt das Fernsehen nimmt die Position des Stadions ein und die Wählern gewinne ich dann im Internet.

War Obama selbst am Werk oder lies er bloggen oder twittern?
KOSSATZ: Obama hat von Anfang an (mit ein paar Ausnahmen) andere für sich arbeiten lassen. Er hat nicht krampfhaft versucht, (wie in Österreich) so zu tun als ob er das selber macht und hat es aber trotzdem geschafft, dass es nicht wie Werbung gewirkt hat. Hier ist sicherlich die Mischung wichtig.

Was schätzt du: Wie viele Mitarbeiter sind nötig, um 50.000+ Fotos auf Flickr zu stellen, mehr als 1800 Videos auf YouTube zu posten und all die Social Networks zu warten?
KOSSATZ: Schwer zu sagen und zu vergleichen, Amerika ist da anders. Dort gibt es Hunderttausende freiwillige Helfer im Wahlkampf – etwas, das in Österreich nicht vorstellbar ist. Auch sind die Amerikaner weitaus kommunikativer. Aber es schaffen „ein Personen-Unternehmen“ 2000-3000 Follower auf Twitter zu haben, das wäre umgerechnet auf Österreich die Größenordnung die Obama in den USA hat (rund 130.000 Follower).
Wichtig ist hier die Strategie, dann braucht es auch nicht viele Mitarbeiter.

Wie authentisch war die Sache?
KOSSATZ: Obamas Team hat es geschafft, zu verstehen, um was es da geht. Damit hatten sie einen großen Vorsprung gegenüber anderen.
Auch hier wieder ein Vergleich, um vielleicht zu erklären, was im Web2.0 wichtig ist: Angenommen Sie sind bei einem ihrer besten Freunde zum Essen eingeladen. Sie kommen dort hin und treffen dort auf Freunde ihres Freundes die sie noch nie gesehen haben.  Diese Personen haben zwar wahrscheinlich ein überschneidendes Mindset (z. B. Hobbies, Beruf oder politische Einstellung), aber mehr wissen sie nicht. Normalerweise werden sie es aber schaffen, diesen Abend angenehm zu verbringen, auch wenn am Tisch Personen sitzen, die sie nachher möglicherweise nicht wieder sehen wollen. Auch werden Sie sicher nicht beim Essen versuchen, den Freunden ihres Freundes etwas zu verkaufen.
So ähnlich ist es im Web2.0: Da treffen Sie genau auf solche, Ihnen unbekannte, aber doch irgendwie nahe Personen. Wenn Sie es im Web2.0 auch schaffen mit diesen einen „angenehmen Abend“ zu verbringen, haben sie gute Chancen, erfolgreich zu sein.
Das bedeutet für Politiker ein Umdenken, das reine wiederholen von Floskeln hilft hier nichts. Hier ist Diskussion gefragt und das ohne dem Puffer Zeitungen, Fernsehen, usw. Das wirft natürlich Probleme auf, denn „on the Internet nobody knows that you are a dog“ (ein wunderschöner Cartoon) wobei man „dog“ auch durch „Politiker“ ersetzen kann. Obama versteht das sehr gut und hat ein „Gspür“ für die Mischung.

Wie glaubwürdig ist die Politik, wenn gleich nach dem Urnengang mit den Web-Aktivitäten aufgehört wird?
KOSSATZ: Das ist ein großes Problem und zeigt das Mißverständnis der Politik vom Internet. Spannend dazu die Antwort eines SPD-Poltikers im Deutschen Fernsehen während der US-Wahlnacht. Er wurde gefragt, welche Rolle das Internet im kommenden deutschen Wahlkampf haben werde. Seine Antwort: „Bis dahin wird wohl jeder Politiker eine Homepage haben müssen, spätestens 2013“.
Das ist natürlich die falsche Einstellung. Auch sieht man das in Österreich nach dem 28. September (fast) alle Aktivitäten im Web2.9 wieder eingestellt wurden (mit Ausnahme der Politiker und Parteien, die schon seit Jahren im Web2.0 aktiv sind). Hier liegen wohl Österreich (bzw. Teile Europas) rund vier Jahre hinter den USA.
Kleines Beispiel: bis 28. September hat Herr Molterer überall seine Homepage und seine E-Mail-Adresse plakatiert. Wenn man jetzt auf der Parlament-Seite (für mich DIE Ansprechstation um unsere 183, in ihrer Entscheidung unabhängigen, Parlamentarier zu kontaktieren) seine Kontaktadresse sucht, findet man nur noch die E-Mail-Adresse seiner Sekretärin. Das kann es doch nicht sein, oder? Unabhängig davon, wer jetzt die E-Mail beantwortet, will ich doch wenigstens das Gefühl haben, dass sie direkt an die für mich im Parlament sitzende Person geht. Wer wirklich glaubt, dass die Wähler das nicht merken, wird wohl bald das nachsehen haben.

Interview ORF: Seine Mediathek, Zattoo und das sch.. Internet

Eigentlich wollte ich für das WebSpezial ein Interview mit ORF-Programmdirektor zu seinen Aussagen vom „Scheiß Internet“ führen. Der wollte jedoch nicht mehr über dieses leidige Thema reden. Also sprach ich mit ORF-Onlinedirektor Thomas Prantner.

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Im Interview geht es aber nicht nur um das „scheiß Internet“, sondern auch die Online-Pläne des öffentlich-rechtlichen Senders in Österreich oder die Verzögerung von Zattoo für Österreich. Im jüngsten WebSpezial gab’s leider nur Platz für eine gekürzte Version. Hier das vollständige Interivew:

In diesen Tagen muss man eine Frage an den ORF stellen: Wie „scheiße“ ist das Internet?
THOMAS PRANTNER: Diese Frage an mich zu richten, ist merkwürdig. Zur Diskussion möchte ich aber eines sagen: Ich mache bei der medialen Hatz gegen Programmdirektor Wolfgang Lorenz sicher nicht mit. Es war eine unglückliche Aussage, die aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Er hat diese in einem Interview gegenüber dem Online-Standard aber bereits klargestellt. ORF Online ist eine der drei starken Produktsäulen des ORF und es war und ist mein Ziel, unser Angebot neben TV und Radio auf gleicher Augenhöhe zu etablieren und positionieren.

Bereits vor einem Jahr haben Sie gegenüber der Kleinen Zeitung Pläne für Juni 2008 angekündigt, die vergleichbar mit der ZDF-Mediathek sind. Was wurde daraus?
PRANTNER: Wir haben das Jahr 2008 dazu genützt, unsere Streaming- und OnDemand-Angebote stark auszubauen. So sind einige neue ZIB-Sendungen (ZiB 20- und ZiB 24-Ausgaben) online gestellt worden. Auch große Sportereignisse wie die Fußball-EM und Olympia wurden mit umfassenden Livestream-Angeboten begleitet. Erstmals in unserer Geschichte wurden auch alle TV-Sendungen zur Nationalratswahl im Rahmen eines großen Multimedia-Specials angeboten, nicht zuletzt ein wichtiges Service für Auslandsösterreicher. Im Oktober gab es bereits mehr als drei Millionen Streaming-Zugriffe. Die Nationalratswahl hatte etwa 870.000, die Euro 2008 rund 820.000 und Olympia 550.000 Zugriffe. Manche Inhalte sind allerdings nicht aus dem Ausland abrufbar, weil wir nur die Österreich-Rechte haben.
Parallel zu diesen Aktivitäten sind die Vorbereitungen für ein neues Video-On-Demand-Portal weiter betrieben worden. Technische und organisatorische Voraussetzungen – wie die Ausschreibungen für ein neues CMS – müssen geschaffen werden und die dauern ihre Zeit. Zu Jahresanfang 2009 werden wir mit einem eigenen VoD-Angebot – ORF Online TV – starten. Mehr als 30 Sendungen sollen dabei angeboten werden.

Wie lange zurück wird man diese Sachen ansehen können?
PRANTNER: Sieben Tage – genauso wie beim ZDF. Dieser Zeitrahmen hat sich international etabliert.

Aber wie will er die finanzieren? Heuer gibt es voraussichtlich ein Minus in der Bilanz?
PRANTNER: Wir haben leider nicht so viel Geld wie das ZDF. Dort konnte man vier Millionen Euro in die Mediathek investieren. Wir finanzieren das aus dem laufenden Budget. Trotz massiver Sparmaßnahmen werden wir das unterbringen.

Kommen damit Gebührenerhöhungen?
PRANTNER: Die neuen VoD-Angebote werden kostenlos sein. Das kostet den Nutzer nichts.

Wird Video On Demand wie auch das Streaming wieder nur am PC und nicht am Mac anzusehen sein?
PRANTNER: Über technische Details will und kann ich keine Aussagen machen, aber grundsätzlich sind unsere Streaming-Angebote auch von Macs abrufbar. Nur bei EURO und Olympia gab es aufgrund des notwendigen DRMs leider einige Probleme. Worüber wir aber nachdenken ist eine Version fürs Handy und den TV-Schirm via Kabel. Ein Media Center Plugin wäre in Zukunft theoretisch auch möglich.

Aber so drängt eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt mit höheren Gebühren private aus dem Markt. Rechnen Sie mit großer Diskussion?
PRANTNER: Die Diskussion ist schon seit vielen Monaten im Gange. Der ORF steht mit seinem Online- und Teletext-Angebot auf dem Boden des Rechtsstaates. Wir sind weitgehend programmbegleitend tätig. Das Publikum hat ein Recht auf ein professionelles und umfassendes Online-Angebot und es ist ein Trend der Zeit, auch TV-Inhalte sukzessive online anzubieten. Wir machen das auch nicht exklusiv. Jede österreichische Zeitung kann auch unsere TV-Inhalte erwerben – über eine Vereinbarung mit der APA.

Wird das Podcasting-Angebot des ORF ausgebaut?
PRANTNER: Es gibt schon zahlreiche Podcasts von Ö1, Ö3, FM4 und den Landesstudios. Aber wir müssen uns in Sparzeiten auf die zentralen Aufgaben konzentrieren, wie eben die stärkere Vernetzung von TV mit Online.

Eine Frage noch zu Zattoo.com: Es heißt, der ORF würde mauern, damit das Angebot nicht nach Österreich kommt. Stimmt das?
PRANTNER: Immerhin geht es auch um unsere Programminhalte und unsere Sender. Ich weiß, es gab mehrmals entsprechende Anfragen. Die Rechtsabteilung prüft hier die Möglichkeiten.
Ich bezweifle aber, dass es aus strategischen und rechtlichen Gesichtspunkten sinnvoll ist, das so umzusetzen.

Aber in Deutschland wird der ORF über Zattoo verbreitet.
PRANTNER: Ja? Meines Wissens nur in der Schweiz, wo die Rechtslage jedoch eine andere ist. Wir sind aber auch auf YouTube mit vielen unserer Beiträge. Es gibt im Internet kaum eine Schutzzone.

Gibt es für Deutschland eine Vereinbarung mit Zatto?
PRANTNER: Davon ist mir nichts bekannt, ich habe eine solche nicht abgeschlossen.

Kommen ORF-Gebühren für DSL-Anschlüsse?
PRANTNER: Bei Gebührenfragen bin ich der falsche Ansprechpartner.

Streaming Media @ WebMontag 7

Liebe Einwohner von SiliconAlps!
Der siebente WebMontag steht vor der Türe. Das Thema diesmal: Streaming Media

  • Wie überträgt man kostengünstig und effizient Video und Audio ins Weg?
  • Welche Streaming-Server gibt es?
  • Welche Web-Dienst kann man dafür nutzen?

WebMontag 7:

Was ist der WebMontag?

  • Er findet einmal im Monat
  • Es geht um alles, was mit Web zu tun hat
  • Programm:
    1. Jeweils eine rund 30 minütige Präsentation zu einem aktuellen Web-Thema — diesmal geht es um Windows 7.
    2. Blitztalks: Jeder kann eine Kurzpräsentation (5-10 Minuten) zu einem beliebigen Thema halten!
    3. Anschließend Diskussion und Wissensaustausch in angenehmer Atmosphäre.

Eingeladen sind alle, die Interesse haben könnten. Bitte sagen!!!

The One: 5000 Tage in die Zukunft

Wir überschätzen kurzfristige Veränderungen, die uns die Technik bringt. Aber wir unterschätzen langfristige. Wer hätte vor zehn, 15 Jahren gedacht, wie unsere Welt jetzt aussieht? Welche Rolle das Web spielt? Wie sich unsere Mobilität verändert hat?

Kevin Kelly blickt im Rahmen von TED-Talks 5000 Tage in Zukunft. Ein faszinierender Ausblick!

kelly