Web Crash 2007

The Onion ist echt genial. Mit dieser Story haben sie sich selbst übertroffen. Vermutlich kennen es aber eh schon einige. Dennoch, das darf man niemanden vorenthalten 🙂

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Mieten vertrieben die Hippies

Und noch ein „E-Mail aus dem Valley“.

San Francisco gilt als Welthauptstadt der Hippies und Schwulen. Die Musik der unzähligen Straßenlokale von Haight-Ashbury prägte Generationen: Janis Joplin wurde hier ebenso groß wie Jefferson Airplane. Später galt das Viertel zwischen dem Finanzdistrikt und den Pacific Heights als Künstler- und Schwulenviertel. Die Gegend verlieh der Stadt ihren weltoffenen, schrillen und bunten Ruf.

Doch das war einmal. Haight-Ashbury steht als Synonym für den Wandel der ganze Bay Area. Im Zuge des Internet- und Elektronikbooms Ende der 1990er Jahre kamen immer mehr moderne Goldgräber ins Silicon Valley, die Mieten stiegen ins Unermessliche. Mindestens 1000 Dollar muss man heute in San Francisco für eine Einzimmer-Wohnung auf den Tisch legen, für eine 80-Quadratmeter-Wohnung werden gut 2000 Dollar fällig, ein Haus an der Peripherie belastet das Familienbudget mit mindestens 3000 Dollar im Monat. Selbst heruntergekommene Eigentumswohnungen sind unter einer Million Dollar nicht zu haben. Für mehr Wohnraum fehlt auf der Halbinsel einfach der Platz und so mussten viele, die nicht in Hightech-Unternehmen tätig sind, wegziehen.

Ein Silicon Valley-Bürgermeister kann davon ein Lied singen. Er musste 2006 zurücktreten, weil er ob der hohen Preise wegziehen musste. [Anm. Hab die Geschichte von der Außenhandelsstelle gehört, Tony konnte sich jedoch nicht mehr an Namen und Gemeinde erinnern. Wir suchen noch.] Seine Gemeinde lebte allerdings gut vom Strukturwandel. Eine der wichtigsten Einnahmequellen der Silicon Valley-Kommunen ist die Grundsteuer, die jährlich ein Prozent des letzten Verkaufswertes ausmacht.

Wer so horrende Mieten zahlen kann, muss auch gut verdienen. Das Durchschnittseinkommen im Santa Clara County – hier befinden die meisten Tech-Firmen – lag im Vorjahr bei 87.000 Dollar. 500.000 der rund 2,5 Millionen Einwohnern in der Region sind Millionäre. Außerdem gibt es nirgendwo auf der Welt so viele Milliardäre wie hier.

Viele kommen da einfach nicht mehr mit und so hat San Francisco heute die höchste Zahl an Obdachlosen im Land. Der Mietenwahn hat mittlerweile ernste Konsequenzen für das nördliche Kalifornien: Bei Polizisten, Feuerwehrleuten oder Lehrern gibt es einen akuten Notstand. San Jose musste vor fünf Jahren gegensteuern. Nachdem Schulen darüber geklagt hatten, dass sie wegen der enormen Wohnungskosten keine jungen Nachwuchslehrer mehr bekamen, legte die „Hauptstadt des Silicon Valley“ ein Förderprogramm auf. Die besten jungen Lehrer wurden aus dem ganzen Land mit einem speziellen Wohnbaudarlehen geholt. Einen Teil der Zinsen und Kreditrückzahlungen übernimmt seither die Gemeinde.

Wer sich dem Diktat des täglich bizzarrer werdenden Immobilienmarktes nicht unterwerfen will, muss lange ins Valley einpendeln. Der tägliche Weg zur Arbeit dauert für viele mehrere Stunden am Tag.

Cool, ein "Streber" zu sein

Und noch eine meiner Kleine-Zeitung-Stories aus dem Valley.

Cool, ein „Streber“ zu sein

Trotz so viel Technologie im Silicon Valley braucht man nicht meinen, der Durchschnittsbürger bewaffne sich ständig mit iPod und iPhone, beschäftige sich unablässig mit PC und Web oder spiele unentwegt mit GPS-Navigationsgeräten. Im Grunde gibt es keine Ausnahme zum Otto-Normal-Steirer. Auch hier ist man froh, wenn man nach der Arbeit den Computer ausschalten und sich ein Baseballspiel im Fernsehen ansehen kann. Auch hier ist der durchschnittliche Nutzer kein Computergenie und hat Probleme mit der Bedienung von Handy oder Digitalkamera.

Aber es gibt Ausnahmen: die „Geeks„. Das sind jene Streber, die an der Uni im Schachclub waren, eine Astronomie-Vereinigung gründen oder sich in jeder freien Minute einem bestimmten Thema widmen. Sie sind es, die tagelang vor einem Geschäft campieren, nur um als erster ein neues Handy (iPhone) oder Spielkonsole (Playstation 3) zu ergattern.

In einer immer komplexeren, digitalen Welt, werden diese Streber beim „Normalvolk“ immer beliebter, wie Leo Laporte, ein bekannter Podcaster und Talk-Radio-Moderator aus Petaluma, unlängst meinte: „Früher wurden wir nie zu Parties eingeladen. Jetzt können die hübschesten Mädels von damals nicht mehr ohne uns leben.“

Es ist die ungebändigte Leidenschaft für etwas, das Geeks antreibt – und Leidenschaft will geteilt werden. In der Bay Area geht das eben leichter als anders wo auf dem Planeten, weil es so viele von ihnen gibt.

Im März 1975 gründeten Gordon French und Fred Moore in ihrer Garage in Menlo Park den „Homebrew Computer Club„. Bei den Treffen und in Newslettern wurde über neueste Entwicklungen diskutiert, Baupläne für erste computerähnliche Geräte ausgetauscht. Dabei waren etwa Lee Felsenstein, Entwickler des ersten tragbaren Computers, oder Apple-Mitbegründer Steve Wozniak. Bei diesen Treffen zeigte Wozniak allen die Baupläne und Teilelisten für den ersten Macintosh Apple I.

Wer gibt, bekommt auch zurück, lautete die Devise und noch heute sagt Wozniak, dass ohne den Club und die Mithilfe der Hobbyisten der erste Mac niemals das Licht der Welt erblickt hätte. Niemand dachte zu dieser Zeit, dass aus ihren Hobbies einmal die milliardenschwere Computerindustrie entstehen sollte.

Den Homebrew Computer Club gibt es längst nicht mehr. Als der Erfolg kam, wurde Wozniak von Co-Gründer Steve Jobs verboten, so offen über Apple-Entwicklungen zu sprechen. Heute treffen sich Geeks bei spontanen, übers Web organisierten, „Meetups“, gehen „Photowalken“ oder organisieren eigene Konferenzen.

Normalerweise kostet die Teilnahme an Tagungen tausende Dollar oder es gibt einen sehr elitären Kreis der Eingeladenen. Anders bei den „BarCamps“ der Geeks: Sie sind allen kostenlos zugänglich, die sich austauschen wollen. In offener Atmosphäre voneinander lernen – dieses Prinzip der Urväter des Silicon Valley wird heute weltweit gelebt. BarCamps gibt es mittlerweile auch in Österreich.

Vom Lagerhaus zum Burning Man

Und noch etwas aus der Rubrik: Niemals gebloggt. Während der letzten zwei Wochen hatte ich in der Kleinen Zeitung eine Kolumne „E-Mail aus dem Valley“.

Vom Lagerhaus zum Burning Man
Die kleine Studentenrevolution von Berkeley in den 1960ern, der Summer of Love 1967 mit seinem großen Festival in Monterrey, Sex, Drugs & Rock’n’Roll in den 1970er Jahren – die Nachwirkungen dieser Zeit bestehen bis heute. Das Klima in San Francisco und der Bay Area ist freier, als im Rest der USA. Das zieht kreative Menschen an.

Kreativität bezeichnet die Fähigkeit schöpferischen Denkens und Handelns – nach dieser Definition gehören Techniker zu den Kreativsten überhaupt. Vom Programmierer über den Chipforscher bis zum Netzwerktechniker muss jeder rund um die Uhr nach Wegen rund um Probleme grübeln.

Im Valley ging es seit jeher darum, die Menschen in welcher Form auch immer zu befähigen. Praktisch jeder arbeitet hier mit Kreativen oder für diese: Sei es nun als Entwickler von Designsoftware oder als Mitarbeiter eines Kameraherstellers. Daher gibt es auch ein besonders Naheverhältnis, Technik und Kunst sind sich hier nicht fremd.

So verwundert es nicht, dass viele Abwechslung vom Job in der Kunst suchen. Kaum eine alte Lagerhalle zwischen South San Francisco und San Jose, die nicht zeitweilig als Atelier genutzt wird. Kaum eine Garage, in der nicht Schönes bis Bizarres entsteht. Das Spektrum der Talente, aus denen überdimensionalen Elektroschrott-Skulpturen oder Collagen von Firmenlogos geboren wird, ist breit.

Ihren Höhepunkt hat das Schaffen der zahllosen Hobbykünstler im alljährlich stattfindenden Burning Man Festival. Es ist dies die größte Ansammlung technischer Kunst rund um den Erdball. 1986 lud Larry Harvey – angeblich aus Liebeskummer – 20 Freunde an den Laker Beach in San Francisco ein. Sie zeigten all das, was sie im Jahr zuvor in der Garage zusammen geschraubt hatten und brannten danach einen gewaltigen Holzmann ab.

Nachdem Kalifornien offene Feuer verbot, zog Harvey und die immer größer werdende Schaar in die Black Rock Dessert, nördlich von Reno in Nevada. Die achttägige Veranstaltung Ende August ist ein verrücktes Großlabor radikaler Selbstdarstellung mitten im Staub der Wüste.

(c) mooflyfoof

Im Vorjahr bevölkerten mehr als 39.000 – von echten Verrückten bis zu Silicon Valley-Ingenieuren – die temporäre Zeltstadt in der Wüste. Das Mega-Spektakel findet heuer vom 27. August bis 3. September statt, das Motto lautet übrigens „The Green Man“.

Zu verrückt ist nichts. Was immer die Ingenieure in ihrer eigentlichen Firma nicht machen dürfen, bauen sie für den Burning Man. Sucht man nach neuen Ideen, braucht man nur in die Wüste gehen und man kommt mit 5000 neuen Gedanken zurück – das sagen zumindest viele der Teilnehmer.

Wikipedia weiß natürlich viel mehr als ich, Business 2.0 hat in seiner aktuellen Ausgabe eine tolle Geschichte über den Burning Man, auf Flickr gibt’s jede Menge Fotos und YouTube hat eine ganze Reihe Videos. Enjoy!

Die Kommentare zu diesem Artikel sind geschlossen, weil ausgerechnet dieser oft gespammt wird. Bitte um Verständnis. Danke!

Darf ich vorstellen: Mr. Powerpoint

Vieles, das ich in der Kleinen Zeitung schreibe, findet seinen Weg nie in meinen Blog. Der Grund dafür: Man schreibt einfach anders. Die folgende Geschichte will ich – zumindest meinen österreichischen Lesern nicht vorenthalten.

Vor drei Jahren war ich am Microsoft-Campus von Redmond. Da hörte ich von einem Österreicher, Hannes Rüscher, der in Mountain View Chef der Powerpoint-Entwicklung war. Nun war ich ja zwei Wochen im Valley und konnte ihn endlich treffen. Hier meine Geschichte zum „Steirer des Tages“ am letzten Sonntag.

Mr. Powerpoint liebt das Programmieren

Hannes Rüscher (46) lebt seit 15 Jahren im Silicon Valley und ist dort Chef der Entwicklung von Microsoft Powerpoint.

„Früher hatte ich oft Probleme, zu erklären, was ich eigentlich mache“, meint Hannes Rüscher und lächelt. Seit 15 Jahren ist das einfach: Er leitet das Entwicklerteam für Microsoft Powerpoint – eine Software, mit der jeder schon einmal Kontakt hatte. Vor 1992 programmierte er bei ABB in der Schweiz „Verteilte Kontrollsysteme“. Was immer damit gemeint war – sein aktueller Job dürfte jedem Computernutzer ein Begriff sein.

28 Mitarbeiter entwickeln in Mountain View im Silicon Valley am Präsentationsprogramm, das Teil von Microsoft Office ist. Das Bürosoftware-Paket ist gemeinsam mit Windows für den Löwenanteil des Microsoft-Umsatzes verantwortlich.

Entwicklungschef zu sein bedeutet für ihn viel Koordinationsarbeit. Schließlich müssen nicht nur seine Mitarbeiter an einem Strang ziehen – Powerpoint muss auch noch mit Windows und anderen Office-Programmen gut zusammenarbeiten. Das bedeutet auch viele Flüge ins entfernte Redmond, zweimal im Monat pendelt der 46-Jährige in die Microsoft-Zentrale. Mit Bill Gates selbst hat er trotz seiner gewichtigen Funktion nicht ständig zu tun. „So alle zwei Jahre treffe ich ihn einmal“, meint der gebürtige Steirer bescheiden. Letztes Wochenende traf er „eher zufällig“ Gates‘ Nachfolger, Ray Ozzie.

Sein größtes Problem: „Ob der vielen Sitzungen finde ich kaum mehr Zeit zum Programmieren“, meint Rüscher, der eigentlich viel mehr Zeit damit verbringen möchte. Eine der vielen Funktionen, bei denen er selbst Hand angelegt hat, ist etwa die Voransicht der Bildschirmfolien am linken Bildschirmrand.

Die nächste Version

Der Silicon-Valley-Campus von Microsoft befindet sich in Mountain View – dort, wo mit Google der größte Konkurrent seinen Stammsitz hat. Am 17. August steigt dort eine Riesen-Party: Vor genau 20 Jahren hat der Softwareriese das Programm mitsamt der Entwicklerfirma gekauft. Obwohl gerade erst die aktuelle Version 2007 erschienen ist, wird derzeit schon eifrig an der 14. Auflage (die 13 wird einfach ausgelassen) gearbeitet. „Derzeit ist dabei die spannendste Phase, wo wir alle neuen Funktionen einbauen“, meint der Chefentwickler. Ist das einmal passiert, gehe es nur noch darum, die Fehler zu finden.

Was denn die wichtigsten Funktionen sein werden, lässt er sich nicht entlocken. Ein paar Andeutungen gibt es dennoch: So könnte es neue Grafik-Effekte oder verbesserte Online-Funktionen geben. „Der Zuseher einer Bildschirmpräsentation muss auch im Nachhinein – etwa über das Internet – in der Lage sein, den Inhalt ohne den Vortragenden zu verstehen“, meint Rüscher. Wie das genau gehen soll, verrät er freilich nicht.

Seine Arbeit macht Rüscher sichtlich Spaß, mit Leidenschaft spricht er über „sein“ Powerpoint. Sichtlich fällt es ihm schwer, nicht zu viel zu verraten. „Ich verstehe Leute nicht, die über ihre Arbeit jammern. Egal was man macht, man muss mit Freude und Leidenschaft dabei sein. Sonst wird das nichts“, meint Entwickler.

Einmal im Jahr ist Rüscher in Österreich. Dann steht meist ein Familientreffen in der Pension seines Bruders im Kärntner Maltatal auf dem Programm. Aber auch sonst hat der Steirer Kontakt zur Heimat. Sein Vater hält ihn auf dem Laufenden, was sich hierzulande tut. Selbst ist er froh, dass die Politik in seinem beruflichen Leben keine Rolle spielt. Und noch ein Unterschied zu Österreich freut ihn: „Ich musste in meinem ganzen beruflichen Leben kein einziges Mal eine Krawatte tragen“, sagt er und lacht.

Was geht ihm von der Heimat ab? „Eigentlich nicht viel. Nur dass man bei einem Freund einfach anklopfen kann und mit ihm einfach so auf einen Kaffee gehen kann. Hier ist alles formeller, man muss sich vorher anmelden.“

Sein „wichtigstes Hobby“ ist die Familie: Rüscher ist verheiratet und hat drei Kinder im Alter von 16, 21 und 22 Jahren. Außerdem liebt er es, gut zu kochen. Im Winter geht es regelmäßig zum Schifahren an den Lake Tahoe im Squaw Valley.

Faceball on Wired – und Georg auch

Es begann alles am 13. April: Mit einem Eintrag am Flickr-Blog startete eine super-virale Kampagne für den Fotosharing-Dienst. Faceball war geboren.

(cc) Rev Dan Catt

(cc) Rev Dan Catt

(cc) Rev Dan Catt

Die Regeln sind denkbar einfach: Die Teilnehmer sitzen exakt 3,048 Meter (10 Fuß) voneinander entfernt und bewerfen sich mit pinken und blauen Wasserbällen. Wenn man das Gesicht des anderen trifft (nicht Haare oder Ohrenstreifer), darf man noch einmal werfen. Wenn man es verfehlt, kommt der andere dran. Gewinner ist der mit den meisten Treffern.

Nicht ganz so einfach ist das Fotoschießen dabei, schließlich muss man im richtigen Moment abdrücken. Dauerfeuer hilft.

Faceball @ Photowalk:
Beim vorletzten Photowalk im Juni haben wir auch Faceball gespielt. Kwentin bekam – gemeinsam mit ein paar Flickr-Pickerln und sonstigen Fan-Utensilien – zwei Bälle, die wir am Domplatz gleich ausprobierten.

(cc) Georg Holzer

(cc) Georg Holzer

(cc) Georg Holzer

Und dann kam Wired!
Die coolste aller coolen Zeitschriften haut sich seit heute auf das Thema. Deren britischer Autor Robert Andrews machte eine Story drüber. Meine Fotos kommen ebenso vor, wie unser Photowalk (darin allerdings als Flickr-Meetup bezeichnet).

Man kann das auch von einer anderen Seite sehen: In Kärnten gibt es ein paar Leute, die sogar Wired um Monate voraus sind 🙂

Faceball Euro 2008?
Im Rahmen des nächsten Barcamps im Februar 2008 könnten wir ja ein kleines Turnier starten. Österreich gegen Deutschland – wer unserer Lieblingsnachbarn nimmt die Herausforderung an?

Hintergedanke: Wenn wir sie im Fußball schon nicht schlagen können, dann vielleicht im Faceball 🙂