Zattoo kommt im Juni …

… nach Österreich. Bislang kann man sich beim Schweizer Startup hierzulande noch nicht für die – meiner Meinung nach – besten TV-Alternative im Web anmelden. Ich mach das ungern, aber dieses Mal konnte ich nicht anders, als die „Presse-Karte“ spielen zu lassen. Man hat mir freundlicherweise einen 30 Tage gültigen Testaccount spendiert.

Die Pressestelle hat mir verraten, dass es noch im Juni soweit sein könnte – dann gibt’s das Web-TV auch in Österreich. Wenn dann auch Deutschland dran ist, werden wohl noch weitere Kanäle dazu kommen. derzeit gibt’s ProSieben, RTL & Co. jeweils nur in der Schweizer Ausgabe (mit lokalisierten Nachrichten und Werbespots). Wollen wir hoffen, dass der Zeitplan hält! *Daumendrück*

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Warum ist es für mich interessanter?
Weil – anders als bei Joost – komplette TV-Programme übertragen werden. Ich bin abstinent und habe keinen Fernseher, neben der Arbeit am Computer kann das aber nicht schaden. Ich brauche keine Sat-Anlage, keine Kabelgebühren bezahlen und die Programm-Auswahl ist toll brauchbar.

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Empfangen kann man von Al Jazeera english (mein neuer Lieblings-Nachrichtensender), CNN, BBC World über ARD/ZDF, ORF oder ProSieben bis hin zu den Sendern der Rai. Eine genaue liste der mittlerweile 43 Sender gibt’s auf der Startseite von Zattoo.

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Wie Joost, werden die Videos in einem Peer-2-Peer-Verfahren übertragen. Das bedeutet, dass jeder Nutzer Videos auch an andere Nutzer weiter reicht. Solche Dienste funktionieren umso besser, je mehr Teilnehmer im Netz sind. Obwohl es hierzulande noch keine bis ganz wenige Zattooer gibt, ist das Bild ist absolut flüssig. Das liegt wohl auch daran, dass das Video nur mit rund 350 x 260 Pixel aufgelöst ist. In Zukunft soll es höher aufgelöste Videos geben. Vielleicht auch in HD?

Im Audio-Menü versteckt sich eine clevere Funktion: Standardmäßig sind die Einstellungen auf Stereo gestellt. Wenn eine Sendung neben der übersetzten, auch in der Originalsprache (Mehrkanal-Audio) ausgestrahlt wird, kann man mit den Mono-Kanälen hin und herschalten.

Schade: Timeshift ist – aufgrund rechtlicher Probleme – derzeit noch nicht möglich. Damit kann man das Programm mittels Pause-Taste anhalten (etwa für eine Klopause) und dann wieder dort anfangen, wo man aufgehört hat. Irgendwie ist das ein Witz, weil man das sehr wohl am eigenen Fernsehgerät (etwa Windows Media Center oder jedem billigen Festplatten-Rekorder) machen kann. Warum dann nicht mit einem Software-Player? Danke Hollywood!

Die Player-Software ist für Windows (XP- und Vista-Version), MacOS und Linux erhältlich. Toll wäre es, wenn es dann auch irgendwann einmal Erweiterungen für Apple TV oder die Windows Media Center Edition gibt. Noch wären viele Sender redundant auch am Satelliten vorhanden – aber wenn irgendwann einmal auch außereuropäische Sender dazu kommen, wäre das ein Knüller, wenn man Zattoo auch am Fernseher sehen könnte.

Geschäftsmodell: Ein Basis-Dienst soll immer gratis bleiben. Der finanziert sich mit nur ganz kurzen Werbspots (5 bis 7 Sekunden), die vor dem Programm und beim Zappen eingeblendet werden. Wenn man viel umschaltet, kann das nerven. Später will man auch kostenpflichtige Extra-Dienste anbieten.

Wie wird die Zukunft?
Dass man sich als Österreicher derzeit nicht Zattoo anmelden darf, hat rechtliche Gründe. Erst müssen die Lizenzen geklärt werden. Es ist aber abzusehen, dass dieses Modell Zukunft hat. Irgendwann werden wir aus dem globalen Programm-Portfolio wählen können: Fußball aus Italien oder gleich Südamerika. TV-Serien aus den USA und Dokumentationen der BBC.

Wen das stört? Öffentlich-rechtliche Sendeanstalten, die nun zum zweiten Mal in kurzer Zeit extreme Konkurrenz bekommen. In den 1980er Jahren hatte der ORF noch ein Monopol. Bis auf wenige Kabelhaushalte in größeren Städten, hatte er 100 Prozent Marktanteil. Durch die Empfangsmöglichkeit von Satelliten-TV, musste sich „Medien-Albanien“, wie Österreich manchmal genannt wird, öffnen. Es ging einfach nicht mehr anders.

Und nicht zuletzt wird wohl auch Hollywood mauern. In den USA sind Filme und Serien viel früher im Fernsehen als bei uns. Drei bis sechs Monate kann die Synchronisation ins Deutsche schon dauern. Wenn dann aber jeder Dritte oder Vierte die Episoden von Lost & Co. im Original schon kennt, können die Sender keine richtige Spannung mehr aufbauen.

Derzeit ist der ORF mit dem ersten und zweiten Programm mit dabei. Interessant: ORF 2 nennt sich „ORF 2 Europe“. Schönheitsfehler: Das Programm ist rechts und links abgeschnitten. Derzeit ist es aber ohnhin – wie gesagt mit nur wenigen Ausnahmen – nur in der Schweiz empfangbar.

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Dennoch müssen sie erkennen, was eine globale Vertriebsplattform bedeuten kann. Tun sie aber nicht und so wird es dauern, bis die IP-TV-Vision von Zattoo Realität wird. Aber gerade das Internet hat gezeigt, dass sich der Fortschritt nicht aufhalten lässt. Die Großen können höchstens gegen ihn mauern.

Wer jetzt noch Zeit hat, muss sich dieses Video von cash.ch ansehen. Fundierte Kenntnisse in Schweizerdeutsch sind Voraussetzung 🙂

Spannend wird auch die Euro 2008, wie Sidl vom Medialen Overkill-Blog meint.

Noch mehr Joost-Einladungen

Heute gibt’s in der Kleinen Zeitung eine Geschichte über Joost und Zattoo. Ich hab dort auch meine Mail-Adresse hinterlassen und schon über 100 Leser zu Joost-Nutzern gemacht – jeweils mit der Warnung, dass dies einiges an Bandbreite „fressen“ kann.

Daher noch ein kleiner Tipp: Es reicht nicht, Joost einfach zu beenden. Nachdem man das Programm beendet hat, muss man noch den Dienst beenden. Das macht man in der Statusleiste, indem man mit der linken Maustaste auf das Joost-Icon klickt und Exit wählt.

Exit Joost Screenshot

Erst dann wird keine Bandbreite mehr verheizt. Es können schon 300 oder mehr Megabyte pro Stunde sein – das heißt, Joost ist nichts für Kunden kleiner ADSL-Anschlüsse! Wer dennoch einen Zugang will, soll Namen und E-Mail-Adresse einfach in den Kommentaren hinterlassen.